Es war einer der grössten Medien-Skandale der 90er Jahre: der Schweizer Tom Kummer, einst Autor des Lifestyle-Magazins Tempo, hatte Interviews mit Hollywood-Stars erfunden und grosse Magazine, u.a. das Magazin des Tages-Anzeigers und der Süddeutschen Zeitung, druckten sie begeistert ab. Seitdem ist der in Los Angeles lebende Autor von der Bildfläche der Medienlandschaft verschwunden.
Das unabhängige Medienmagazin Cover hat Kummer für die aktuelle Ausgabe um seine Meinung gebeten -- zur Implosion des Realen, zur Grenze zwischen Realität und Fiktion, zu Jayson Blair, deutschen Medien, Borderline-Journalismus und der reinen Wahrheit: "Meine Absichten waren immer seriös und ernst gemeint", schreibt Kummer. "Es ging nie darum, Leser zu verarschen. Tempo-Journalisten wollten etwas Neues."
In der unter dem Thema "Realitätsverlust -- wie die Medien Wirklichkeit verzerren" stehenden Januar-Nummer von Cover beschreibt Kummer dabei, wie das Tempo-Prinzip längst Einzug in alle Medien gefunden hat. "In der Show gibt es keine Wahrheit, sondern Effekte. Je brillanter die Show ist, um so überzeugender ist sie gelungen und desto begeisterter werden die Leser- und Zuschauermassen sein."

