Die Schweizer Medien haben aus dem Golfkrieg 1991 gelernt. Um in einem weiteren Irak-Krieg nicht von Informanten manipuliert zu werden, wollen sie verschiedene Quellen nutzen. Allerdings ist es nicht leicht, der Propagandamaschinerie der USA zu entgehen.
Die Schweizer Medien sind sich bewusst, dass der Irak-Konflikt vor allem auch ein "Informationskrieg" ist. In den Redaktionen debattieren die Journalisten schon länger über dieses Thema. Sie suchen Lösungen, um nicht alleine von den amerikanischen und britischen Quellen abhängig zu sein. Wichtig ist unter anderem deshalb ein gutes Korrespondentennetz. Das Schweizer Radio DRS kann Informationen von zwei Korrespondenten nutezn, die auch für andere Medien arbeiten. Eine Person befindet sich in Bagdad, eine weitere in Nordirak.
Zudem wurde von der Auslandredaktion ein "Irak-Büro" eingerichtet, wie Fachredaktor Lars Knuchel gegenüber der sda sagte. Dieses Büro sammelt unter anderem Informationen, verwertet sie und prüft die Quellen. Vor Ort befindet sich von Radio DRS noch niemand. Möglicherweise werden sich laut Knuchel nach der akuten Kriegsphase Mitarbeiter nach Irak begeben.
Auch der TagesAnzeiger hat schon ein Szenario für einen möglichen Irak-Krieg. Die Korrespondenten in der Region, etwa fünf Leute, werden umdisponiert, hiess es dort auf Anfrage. Eine Person soll in Bagdad und eine Person in Nordirak eingesetzt werden. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe von fünf Personen eingerichtet, welche die verschiedenen Ressorts zum Irak-Thema koordiniert.
Das Schweizer Fernsehen SF DRS kann auf ein dichtes Korrespondentennetz zugreifen. Auch hier werden Korrespondenten umdisponiert, wie der stellvertretende "Tagesschau"-Chef Heiner Hug sagte. Von der Redaktion soll demnächst ein Journalist in die Region reisen. Rund 30 Spezialisten runden die Berichterstattung vor Ort mit Hintergrundinformationen ab. Auf der Redaktion wird zudem Wert auf Diskussionen gelegt, um die Journalisten zu sensibilisieren, unterstrich Hug.
Im Unterschied zum Golfkrieg von 1991 ist man laut Hug diesesmal nicht mehr vor allem auf das zensurierte CNN-Bildmaterial angewiesen. Nebst zwei internationalen Nachrichtenagenturen hat das Schweizer Fernsehen auch Zugriff auf das Bildmaterial aller öffentlich-rechtlicher Fernsehstationen Europas. Zudem sind Bilder des arabischen Senders El Dschasira zugänglich. "Wichtig ist es, das Bildmaterial klar zu deklarieren, um Zensurierung transparent zu machen", sagte Hug. Bei der NZZ vertraut man derweil auf den kritischen Geist der Journalisten und ihre Kenntnisse der Begebenheiten.
Wichtig sei es, der Amerikanischen Propagandamaschinerie nicht "auf den Leim zu kriechen", sagt der Chefredaktor von Le Temps, Jean-Jacques Roth. Auch beim Blick setzt man Wert auf eine umfassende, objektive Berichterstattung. "Wenn der Krieg losgeht, schicken wir einen unserer Reporter in die Region", erklärte der Ausland-Chef Daniel Steil. Auch bei der grössten Schweizer Tageszeitung sollen Experten und externe Korrespondenten die Texte abrunden.

