30.12.2021

Das war 2021

Die Top-Klickbringer bei Bajour, Kolt oder Tsüri

Spektakuläre Wetterbilder oder Recherchen zum lokalen Wohnungsmarkt: Welche Themen haben im letzten Jahr bei den kleinen Regionalmedien am meisten interessiert? persoenlich.com hat bei fünf Onlineportalen nachgefragt.
Das war 2021: Die Top-Klickbringer bei Bajour, Kolt oder Tsüri
Andrea Fopp (Bajour-Chefredaktorin), Christian Hug (Zentralplus-CEO), Simon Jacoby (Tsüri-Verleger), Yves Stuber (Kolt-Gründer) und Michel Jeanneret (Chefredaktor Blick Romandie) (von oben links nach rechts unten)
von Michèle Widmer

Welche Themen sorgten 2021 für Schlagzeilen in den Schweizer Medien? Da war der Sturm aufs Kapitol zum Jahresanfang, die ersten Impfungen gegen Covid-19 im Frühling und dann im Sommer die hochgelobten Leistungen der Schweizer Nati an der Fussball-Europameisterschaft. Es folgten die Bundestagswahlen in Deutschland oder die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan.

All diese Themen dürften in den grossen Schweizer Medien viele Leserinnen und Leser interessiert haben – bei den kleinen, regionalen Onlinemedien jedoch sorgten andere Geschichten und Recherchen für die meisten Klicks. Dies zeigt eine Umfrage beim Zürcher Onlineportal Tsüri.ch, dem Basler Pendant Bajour, der Innerschweizer Newsplattform Zentralplus, dem Oltener Medium Kolt sowie Blick Romandie.

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Der heuer beliebteste Artikel von Tsüri.ch kommt von 2017 und handelt von der Wohnungssuche in Zürich. Er bringt noch immer die meisten Klicks – insgesamt 35'951 in diesem Jahr. Durchschnittlich verweilten die Leserinnen und Leser fünf Minuten und 58 Sekunden auf dem Beitrag.

«Dass dieser Artikel noch immer am meisten geklickt wird, zeigt doch ganz eindeutig, dass es in Zürich zu wenig gemeinnützigen Wohnraum gibt. Ausserdem zeigt dieses Beispiel, wie sich Google in den letzten zwei bis drei Jahren als Traffic-Lieferant etabliert hat: Wer nach Genossenschaftswohnungen in Zürich sucht, landet direkt bei uns», sagt Tsüri-Verleger und -Chefredaktor Simon Jacoby gegenüber persoenlich.com.



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Ums Thema Wohnen dreht sich auch der meistgeklickte Artikel beim Basler Onlinemedium Bajour. Mithilfe hunderter Leserinnen und Leser hat das Portal über eine Grundbuchrecherche alle Hauseigentümer in Basel gesammelt und die Eigentumsverhältnisse analysiert. Das Ergebnis: Grossbanken und Versicherungen besitzen in Basel fast jede dritte Wohnung und führen stolze Renditen ab. Der Artikel «Zürcher Grossbanken bestimmen Basler Mietpreise» ist in Kooperation mit dem unabhängigen Rechercheteam Reflekt entstanden. Er zählt bisher 10'179 Leserinnen und Leser. 

Warum hat in Basel genau diese Geschichte so interessiert? «Einerseits wegen der Art und Weise der Recherche: Es handelt sich um eines der grössten Crowdsourcingprojekte der Schweiz. Meines Wissens hat keine andere Stadt Transparenz über die Eigentumsverhältnisse aller Liegenschaften», sagt Bajour-Chefredaktorin Andrea Fopp auf Anfrage. Zudem habe die Mithilfe der Bajour-Community für Aufsehen gesorgt.

In über 500 Arbeitsstunden haben 7000 Freiwillige die Besitzerinnen und Besitzer sämtlicher 25'204 Grundstücke in der Stadt Basel erfasst. Sie haben dafür ein von Bajour entwickeltes Tool eingesetzt. «Dass die Community sich überhaupt engagierte, liegt am Thema», so Fopp weiter. «Der Basler Wohnungsmarkt ist seit Jahren umkämpft, Massenkündigungen machen Schlagzeilen. Doch Politik und Wirtschaft fehlte das Wissen über die Eigentumsverhältnisse, die Diskussion bewegte sich etwas in der Luft. Die Recherche brachte nun erstmals Transparenz.»

Die neuen Zahlen zu den Eigentumsverhältnissen wurden in Basel im Vorfeld der Abstimmung vom 28. November hinsichtlich der «Initiative für echten Wohnschutz» auch von anderen Medien aufgegriffen.


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Beim Oltener Lokalmedium Kolt ergatterte das Porträt über den Wirt Roger Lang und seine Traditionsbeiz Rathskeller die meisten Klicks. Der Beitrag mit dem Titel «Dr Lang» zählt 1176 Leserinnen und Leser, die durchschnittlich 49 Sekunden auf dem Artikel verweilten. Das Portal Kolt hat eine harte Paywall und rund 700 zahlende Mitglieder. «Der Artikel hat mit 60 ausserordentlich viele neue Registrationen für ein Probe-Abo ausgelöst», sagt Gründer und Verleger Yves Stuber. Kommentiert wurde der Beitrag kaum, in der Stadt sei das Echo allerdings auffallend gross gewesen.

Das Porträt war die Folge eines Leserinputs, wonach mehr Porträts von Oltnerinnen und Oltnern gewünscht wurden. Der Input erhielt auf dem Portal selbst viele Bewertungen der Mitglieder. «Der besagte Wirt und der Rathskeller sind regional enorm bekannt und eine gastronomische Institution in Olten, wo sich fast die ganze Breite der Gesellschaft trifft. Bisher wurde Herr Lang nie porträtiert von irgendeiner Publikation. Diese Arbeit war schon fast ein sicherer Treffer», sagt Stuber zum Klickerfolg.


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In der Innerschweiz interessierte 2021 das Hochwasser, welches spektakuläre Szenen, zeigte. Auf Zentralplus wurde der Artikel «Hier gibts die eindrücklichsten Überschwemmungs-Bilder» am meisten geklickt. Der Beitrag wurde 60'350 Mal geklickt und zeigt eine Verweildauer von 1 Minute 21 Sekunden auf. Der Artikel löste zahlreiche Nutzerkommentare aus, und die Redaktion erhielt weitere Leserbilder sowie Likes auf den sozialen Medien.

«Ich freute mich trotz des weniger schönen Anlasses über das Interesse an der Hochwasser-Berichterstattung. Einerseits weil es zeigt, dass doch noch anderes als Corona interessiert. Aber auch, weil es zeigte, wie unverzichtbar regionale Medien in wichtigen Momenten für ihre Leserinnen und Leser sind», sagt Zentralplus-CEO Christian Hug gegenüber persoenlich.com.



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Seit Juni ist die Blick-Gruppe mit Blick.ch/fr in der Romandie präsent (persoenlich.com berichtete). Der grösste Klickbringer bei Blick in der Westschweiz handelt von einem Lotteriegewinn. «Je suis le plus grand perdant d'Europe» erreichte 54'000 Leserinnen und Leser und sie verweilten durchschnittlich 2 Minuten und 29 Sekunden auf dem Artikel. «Der Lottogewinner als meistgeklickter Artikel war eine Adaption von Blick.ch – und belegt das Reichweitenpotenzial deutschsprachiger Artikel in der Romandie», sagt Michel Jeanneret, Chefredaktor Blick Romandie, auf Anfrage von persoenlich.com.



In der Serie «Das war 2021» greifen wir die grossen Themen des Jahres in kompakter Form nochmals auf. Hier finden Sie die Übersicht.



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