10.09.2003

"Dirk Schütz, reicht Kosmetik zur Bewältigung der Krise?"

Die Wirtschaftszeitung Cash erscheint am 25. September mit verschiedenen Neuerungen. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich Wirtschaftstitel gegenwärtig befinden, hätte man einschneidendere Änderungen erwartet. Warum die Zurückhaltung?, fragte "persoenlich.com" Cash-Chefredaktor Dirk Schütz (Bild). Wie beurteilt er das Verhältnis von Journalismus und Filz? Und ist Philipp Löpfe wirklich der neue "Chefideologe" von Cash? Das Interview:
"Dirk Schütz, reicht Kosmetik zur Bewältigung der Krise?"

In zwei Wochen gibt es bei Cash Neuerungen: ein veränderter Erscheinungstag und ein optisches Fine-Tuning. Zudem beschäftigt sich der "Invest"-Bund neu verstärkt mit Finanzberatung, und Cash Value wird monothematisch. Ausserdem ist ein Relaunch des Web-Aufritts geplant. Reicht diese Kosmetik zur Bewältigung der Krise?

Unser grosser Relaunch fand vor gerade eineinhalb Jahren statt, das war ein bedeutender Einschnitt. Damals haben wir vom Vier- auf das Dreibund-Konzept umgestellt und uns inhaltlich wieder voll auf Wirtschaft konzentriert. Heute geht es uns nicht mehr um eine Revolution, sondern um ein Fine-Tuning, also um die Frage, wie wir uns auf dem eingeschlagenen Weg verbessern. Die Antwort besteht aus den erwähnten Massnahmen. Wir wollen trotz Krise proaktiv handeln, wie wir es schon letztes Jahr getan haben, etwa mit der Lancierung unseres KMU-Bundes Cash-Enterprise.

Über zehn Prozent Auflagenverlust und zwanzig Prozent Umsatzrückgang -- angesichts dieser Zahlen hätte man doch einen vollumfänglichen Relaunch erwartet.

Dem Cash-Leser wurden vor unserer letzten grossen Umstellung im Januar letzten Jahres zu viele Wechsel zugemutet. Jetzt ist Konstanz nötig. Wir sind auf gutem Weg, haben wir doch bei den neusten Reichweitenzahlen als einzige Wirtschaftszeitung zugelegt. Das ist für uns eine Bestätigung, uns weiterhin voll auf Wirtschaft zu konzentrieren -- und das anders als unsere Konkurrenten: Wir recherchieren, wir personalisieren, und wir schreiben eine klare Sprache.

Auch die unlängst vollzogenen Relaunches von Bilanz und Stocks wirkten nicht übermässig inspiriert. Hat die Wirtschaftspresse für Konjunkturtiefs wirklich keine Rezepte?

Die Boom-Zeit zwischen 1998 und 2000 war aussergewöhnlich, damit darf man die heutige Phase nicht vergleichen. Dass mit der ökonomischen Krise auch das Interesse an der Wirtschaft nachlässt, kann man nicht ändern. Der Börsen-Einbruch und das ramponierte Image der Spitzenmanager dürfen allerdings nicht dazu führen, dass wir unser Kerngeschäft vernachlässigen: Berichterstattung über Unternehmen, Wirtschaftpolitik sowie umfassende Finanzberatung. Themen aus dem Lifestyle- oder Kulturbereich können gerade in schlechten Jahren nicht unser Konzept sein. Wir wollen die Referenzzeitung für die Wirtschaft der Schweiz sein, und wir sind es auch: Immerhin erreichen wir deutlich mehr Leser als Handelszeitung und Finanz & Wirtschaft zusammen.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage werden die Rettungsringe immer poröser. Seit ein paar Monaten soll Ihr Internet-Ableger "My Cash" Geld bringen. Wie erfolgreich ist das Unterfangen?

Hier handelt es sich um einen Service vor allem für Auslandleser und Leute, die sehr früh informiert sein wollen. Um über Zahlen zu sprechen, ist es noch zu früh.

Die Kooperation mit 20 Minuten, für welches Cash Wirtschaftsnachrichten lieferte, wurde vom Pendlerblatt beendet. Stattdessen bringt Blick jetzt die Rubrik "Cash Flash". Kompensiert das die entgangenen Einnahmen?

Die Zusammenarbeit mit 20 Minuten wurde beidseitig beendet. Sie war auch nicht primär geschäftlich motiviert, verdient haben wir daran nichts. Unser Ziel war publizistisch, wir wollten im Tagesjournalismus präsenter werden. Mit dem Blick als grösster Schweizer Tageszeitung haben wir dazu jetzt eine gute Plattform.

Ihr Vorgänger Fred David schrieb auf "persoenlich.com", erst seine Erfahrung als Cash-Chefredaktor habe ihm gezeigt, was Filz wirklich heisse. Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Filz gibt es überall, positiv ausgedrückt kann man ihn auch Netzwerk nennen. Beziehungen gehören einfach zum Geschäft. Uns geht es primär darum, eine gute Zeitung zu machen - und dazu brauchen Journalisten gute Netzwerke. Natürlich besteht im engen Zürich immer die Gefahr, dass man sich zu nahe ist. Für uns ist es aber nicht wichtig, ob uns unsere Gegenüber mögen. Wichtig ist, dass sie uns respektieren. Bei Cash müssen wir hart recherchieren und auch mal zugespitzt formulieren, das erwartet man von uns. Wir dürfen niemandem nach dem Mund schreiben. Das akzeptiert die Gegenseite ja auch. Wirklich -- und zurecht -- sauer wird sie ja auch immer erst dann, wenn etwas nicht stimmt, was wir veröffentlichen.

Markus Gisler -- ebenfalls gewesener Cash-Chef -- hat Philipp Löpfe, Ex-Tagi-Chefredaktor und heutiger Leiter des Makro-Bundes von Cash, in "persönlich" als Ihren neuen "Chefideologen" bezeichnet. Wie sieht denn die neue Ideologie aus?

Unser Motto ist: Wir sind kritische Sympathisanten der Wirtschaft. Wir sind für die Wirtschaft, klagen aber Missbräuche, die dem System schaden, an. Wir freuen uns sehr, dass Philipp Löpfe als Makro-Chef und Nachfolger von Werner Vontobel zu uns gestossen ist. Seine Berichte und Kommentare bereichern unser Blatt . Löpfe ist offen in seiner Meinung und gibt auch keine ideologische Richtung vor. Wir wollen Meinungsvielfalt abbilden.


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