02.12.2018

Aus für den Blick am Abend

Dutzende Fahrer erhalten die Kündigung

Jeweils von Montag bis Freitag füllen Logistiker hunderte Zeitungsboxen auf. In drei Wochen haben sie ihren Nebenverdienst los. «Ausgerechnet vor Weihnachten», sagt eine betroffene Fahrerin.
Aus für den Blick am Abend: Dutzende Fahrer erhalten die Kündigung
Jeden Werktag müssen über 200'000 «Blick am Abend» in die Zeitungsboxen verteilt werden – noch bis am 21. Dezember. (Bild: Keystone/EQ Images/Melanie Duchene)
von Christian Beck

Wenn am 21. Dezember zum letzten Mal der «Blick am Abend» in den Zeitungsboxen liegt, verlieren anschliessend Dutzende Zusteller eine Aufgabe. Sie haben jeweils an fünf Tagen pro Woche die 1300 Zeitungsboxen an verschiedenen Standorten in der ganzen Deutschschweiz aufgefüllt. «228'144 Exemplare werden so täglich verteilt», sagt Ringier-Sprecher Manuel Bucher auf Anfrage von persoenlich.com. Das braucht Personal.

Dieses stellt der Logistik-Dienstleister 7Days Media Service zur Verfügung. Wie viele Fahrer nun ihren Job los sind, war nicht zu erfahren. «Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Inhalte aus bilateralen Geschäftsbeziehungen kommentieren», antwortete 7Days Media Service knapp in einer E-Mail. Die Gewerkschaft Syndicom schätzt, dass es rund 80 Zusteller betreffen dürfte.

In diesem Fahrerpool ist auch Nicole Bigler (Name von der Redaktion geändert). Am Donnerstag habe sie die Kündigung auf Ende Dezember erhalten. «In den Medien wird nur von elf Mitarbeitern gesprochen. Dass aber weitaus mehr Menschen davon betroffen sind, geht anscheinend vergessen», sagt sie zu persoenlich.com. Dass der gedruckte «Blick am Abend» eingestellt wird, hat Bigler während einer Tour von einem Kunden erfahren – nicht von der eigenen Firma.

Für Bigler ist das Verteilen der Tageszeitung mehr als ein Nebenjob. «Ich bin angewiesen auf diesen Job. Ich habe diesen gerne und jeden Tag mit Freude ausgeübt, bei jedem Wetter. Ich war immer zuverlässig und pünktlich. Jetzt stehe ich ab Ende Dezember auf der Strasse und weiss noch nicht wie weiter. Ich finde es traurig und einfach nur schade, dass dies auch noch ausgerechnet vor Weihnachten passiert.» Ein Dankeschön für die Arbeit, die sie als Fahrerin täglich mache, habe es nicht gegeben.



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