08.12.2005

Studie

E-Mail und Webseiten prägen Schweizer Medien-Alltag

Wachsennde Bedeutung des Internet für Journalisten.

Eine repräsentative Befragung von Deutschschweizer Medienschaffenden untermauert die zentrale Rolle des Internet für die journalistische Arbeit. Die "IAM/Bernet-Studie Journalisten im Internet 2005" verzeichnet eine weitere Zunahme der Wichtigkeit von Web-Informationsquellen und E-Mail. Knapp 92 Prozent der Befragten nutzen Web-Seiten täglich, E-Mail ersetzt immer stärker telefonische und persönliche Kontakte. Neue Anwendungen wie Blogs finden kaum Beachtung.

Das Forschungsprojekt entstand in der Zusammenarbeit des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM der Zürcher Hochschule Winterthur mit Marcel Bernet Public Relations. Befragt wurden wie bereits vor drei Jahren die aktiven Deutschschweizer Mitglieder des Journalistenverbandes impressum. Aus den 3006 versandten Fragebogen ergab sich eine repräsentative Stichprobe von 617 Antwortenden.

Nutzung nimmt weiter zu -- Gatekeeper Google

Vor drei Jahren nutzten noch weniger als 80 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten Internet-Seiten täglich, heute sind es 91.6 Prozent. Das Zeitbudget für diese Besuche liegt heute mehrheitlich zwischen einer und drei Stunden täglich. Die fünf wichtigsten Inhalte sind Suchmaschinen, Verwaltungs-Seiten, Unternehmens-Seiten, Newsportale und Newsletter.

Der Schlüssel zu diesen Inhalten heisst Google -- 97 Prozent der Befragten gaben an, dieses Portal zu nutzen. IAM-Projektleiter Guido Keel sieht darin eine gefährliche Entwicklung: Wer Google als einzigen Wegweiser einsetze, erhalte immer nur einen beschränkten Zugang zu einem Thema.

E-Mail ist am wichtigsten

E-Mail hat sich gemäss der Studie im journalistischen Alltag als Kommunikationsmittel weiter vorgedrängt. Dieser elektronische Kanal gewinnt stark an Bedeutung, er bleibt aber auf dem dritten Wichtigkeits-Platz -- dicht hinter persönlichem Gespräch und dem Telefon. Schon auf dem zweiten Rang liegt E-Mail hingegen beim Kontakt mit nicht persönlich bekannten Informationsquellen.

Communiqués bitte elektronisch

Wie möchten Medienschaffende Informationen erhalten? Medienmitteilungen und Einladungen wünscht sich eine klare Mehrheit per E-Mail. Einzig bei Pressemappen steht die klassische Briefpost noch auf dem ersten Rang. Trotzdem empfiehlt Marcel Bernet eine individuelle Abstimmung: "Die Studie zeigt, dass PR-Verantwortliche medienspezifische Inhalte auch auf elektronischen Kanälen anbieten müssen. Entscheidend bleiben die individuellen Wünsche von Journalistinnen und Journalisten."

Internet auf dem Vormarsch -- Blogs unbedeutend

Das Internet wird immer wichtiger -- wo steht es im Vergleich mit herkömmlichen Quellen? Die zunehmende Relevanz des Internets verdeutlicht die Frage nach der Wichtigkeit von Informationsquellen. Das persönliche Gespräch liegt an erster Stelle, gefolgt von Tageszeitungen und Internet. Noch vor drei Jahren lag das Internet an fünfter Stelle, mittlerweile hat es die eigene Ablage und die Wochenzeitungen als Recherche-Quelle abgelöst. Praktisch gar nicht genutzt werden neue Instrumente wie Blogs (Weblogs, online-Tagebücher), Podcasts (online-Audio- Tagebücher) und RSS (online-Newsticker). Hier ist das Angebot in der Schweiz noch sehr dünn. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Anwendungen sich auch in der journalistischen Arbeit etablieren.

Ganz allgemein bewerten Journalistinnen und Journalisten das Internet als Erleichterung ihrer Arbeit und als Instrument, das ihre Arbeit in Zukunft noch stärker prägen wird.

Please enter a subtitle


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen