26.01.2005

Newsportal SF DRS

"Ein Pflaster auf die offene Wunde"

Das Schweizer Fernsehen verstärkt seine Online-Aktivitäten: Der Sender will im Internet das führende Newsportal werden und baut eine eigene Online-Newsredaktion auf. Das Unterfangen ist höchst umstritten: Von Zweckentfremdung der Gebührengelder und Wettbewerbsverzerrung ist die Rede. Gegenüber "persoenlich.com" verteidigt Ueli Haldimann die ehrgeizigen Ziele von SF DRS im Internet und erklärt, weshalb aus seiner Sicht Nachholbedarf besteht. Das Interview:
Newsportal SF DRS: "Ein Pflaster auf die offene Wunde"

Herr Haldimann, Sie wollen www.sfdrs.ch zum führenden Newsportal aufbauen. Weshalb diese Offensive von SF DRS im Internet?

Das mit dem führenden Newsportal ist ein langfristiges Ziel von SF DRS, und Ziele sollen bekanntlich ehrgeizig sein. Im Moment wollen wir ganz bescheiden anfangen. Von allen vergleichbaren TV-Sendern in Europa besitzt SF DRS mit Abstand den schlechtesten News-Auftritt im Internet. Neben der gut gemachten Programmbegleitung publizieren wir auf unserer Site nicht mehr als ein paar müde SDA-Meldungen, die wir nicht einmal selber auswählen können. Diese schlechte Leistung von SF DRS wird denn auch von unseren Zuschauern zu Recht kritisiert. Diesen Missstand wollen wir korrigieren. Der Zuschauer erwartet zu Recht, dass er von uns für seine Gebührenleistung nicht nur zu den festen Zeiten mit News versorgt wird, sondern dass er auch im Netz in Sinne eines added value auf ein ergänzendes Newsangebot zurückgreifen kann. Seit anfang Januar ist das Sportportal www.sport.sfdrs.ch online. Etwas Ähnliches wollen wir im Newsbereich.

Wollen Sie eigenständige Inhalte im Internet publizieren, oder einfach die Beiträge aus der "Tagesschau" übernehmen?

Unser Vorteil ist, dass wir über eine Newsorganisation verfügen, die 18 Stunden im Tag arbeitet. Hier wollen wir Synergien nutzen. Zwei Personen sollen künftig direkt im Newsroom neben der Produktion der "Tagesschau" fürs Newsportal arbeiten und dabei von der Nachrichtenorganisation der "Tagesschau" profitieren. Wir werden Textmeldungen schreiben und diese mit Bildern, die wir im Haus haben, aber auch mit fertigen Beiträgen verlinken.

Wird der Auftritt von SF DRS werbefinanziert sein?

Ich will nicht ausschliessen, dass wir dies zu einem späteren Zeitpunkt tun werden. Aufgrund der sehr hohen Frequenzen, die www.sfdrs.ch jetzt schon hat, wäre da sicher ein Potential abzuholen.

Gehören die Online-Aktivitäten denn auch zum Leistungsauftrag von SF DRS?

Die Zuschauer zahlen uns Gebühren und haben einen Anspruch darauf, dass sie von uns die Leistung erhalten, die sie von einem Service-Public-Sender erwarten. Dazu gehört nun halt einmal ein gewisses Newsangebot im Internet. So wie die Einwohner anderer Länder Europas dies auch erhalten. Schauen Sie sich doch mal die Internet-Auftritte unserer Partnersender ARD, ZDF oder ORF an. Deren Angebot hat eine ganz andere Dimension. Auch im Vergleich mit anderen Unternehmenseinheiten der SRG schneiden wir schlecht ab. Sie sehen also, es gibt einen grossen Nachholbedarf, wir müssen dieses Defizite korrigieren.

In der EU sind die Online-Aktivitäten der staatlichen Sender den Wettbewerbshütern ebenso ein Dorn im Auge...

Schauen Sie, die "Tagesschau" von SF DRS weist mit über 60 Prozent einen einzigartig hohen Marktanteil aus. Es gibt kaum einen anderen nationalen Sender in Europa, der bei den News eine so grosse Reichweite im Heimmarkt hat. Jedoch ist uns nicht entgangen, dass die Zahlen -- wenn auch auf hohem Niveau -- leicht sinken, weil immer mehr Menschen sich schon nachmittags am Arbeitsplatz im Internet informieren oder die "Tagesschau" und andere Newsangebote im Internet konsumieren und dabei nur jene Beiträge anschauen, die sie interessieren. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Wir können ihr nicht tatenlos zusehen und die Hände in den Schoss legen.

Die SRG besitzt mit www.swissinfo.ch schon eine eigene Newsredaktion im Internet. Was passiert mit deren Redaktion?

Es gibt auch die Redaktion Teletext und die Online-Newsredaktionen der andern Unternehmenseinheiten, von denen jene von TSR am grössten ist. Tatsächlich gibt es auf SRG-Ebene Abklärungen, wie die Multimedia-Aktivitäten effizienter organisiert werden können. Dies betrifft Teletext, Swissinfo und die bestehenden Internet-Auftritte. Aber auch unser Newsportal ist Teil dieser Überlegungen. Es ist möglich, dass schon in einem Jahr alles ganz anders aussehen wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geht es uns im Newsbereich aber vor allem darum, ein Pflaster auf die offene Wunde zu legen.

Wird Swissinfo abgeschafft?

Nein, das kann man so nicht sagen. Es geht allein um eine effiziente Organisation der oben genannten Aktivitäten der SRG. Wie die Lösung schlussendlich aussehen wird, weiss ich noch nicht.


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