11.01.2006

"'Ein roter Teppich für...' würden wir nie machen."

Der Bundesrat hat Elevator TV die Konzession erteilt. Der Sender will Ende Sommer auf Sendung gehen und sich an ein junges Publikum richten. Initiant Dominik Kaiser glaubt, mit Schweizer Unterhaltung eine Marktlücke gefunden zu haben, wie er im Interview mit "persoenlich.com" erklärt. Zudem erläutert er das Mitarbeiter-Modell von Elevator-TV und verrät, ob es noch freie Stellen gibt.
"'Ein roter Teppich für...' würden wir nie machen."

Dominik Kaiser, Sie wollen Ende Sommer mit einem Budget im zweistelligen Millionenbereich starten. Wer sind die Investoren und Sponsoren?

Wir werden Sponsoren und Partner laufend bekannt geben. Einige wichtige Verträge sind bereits abgeschlossen. Das Aktionariat werden wir vor Sendestart detailliert aufschlüsseln.

Sie wollen bei Ihrem Programm die Interaktivität betonen -- u.a. mit Game-Sendungen. Erhalten wir einen weiteren Sender, der grosse Teile seines Programms mit diesen unsäglichen Telefonspielen bestreitet?

Wir sehen uns als Unterhaltungssender und Sender der unterhaltend informiert. Gleichzeitig wollen wir unsere Zuschauer möglichst aktiv miteinbeziehen. Zum Beispiel wollen wir am Ende von Spielfilmen Wettbewerbe, mit Fragen zum Inhalt und interessanten Preisen anbieten. Ich will nicht ausschliessen, dass wir am Morgen ähnliche, vielleicht etwas spannendere Telefonspiele ausstrahlen. Zur Hauptsendezeit sind wir aber ein "richtiger" Fernsehsender.

In Ihrer Medienmitteilung heisst es, das Programm von Elevator-TV umfasse Informationsbeiträge, Serien, Spielfilme, Dokumentationen und Unterhaltungssendungen und bediene damit "eine attraktive Marktlücke". Die gleichen Inhalte bieten doch auch die anderen Sender...

Die Bezeichnung "Marktlücke" bezieht sich auf die Schweizer Unterhaltung. Es gibt hier nur das Schweizer Fernsehen, welches solche anbietet. Dies aber nicht jeden Tag und meistens für ein Zielpublikum von 3 bis 80 Jahren. Elevator-TV wird Unterhaltung für ein jüngeres Publikum senden, eher vergleichbar mit ProSieben. "Ein roter Teppich für..." würden wir beispielsweise nie machen. Schweizerdeutsche Unterhaltung mit einer etwas schnelleren und frecheren Ansprache ist etwas, das es bis jetzt wenig gibt. Darin sehen wir eine Marktlücke.

Welche speziellen Schweizer Formate bietet Elevator-TV?

Das Programm werden wir im Frühling im Detail vorstellen. Dann wird auch über die Schweizer Formate informiert. Wir haben uns auch noch nicht für alle definitiv entschieden. Elevator-TV befindet sich noch ein Dreivierteljahr vor dem Sendestart. In dieser Zeit können noch viele gute neue Ideen entstehen. In diesem schnelllebigen Business kann kein Programmplaner jetzt schon definitiv sagen, was auf seinem Sender nach dem Sommer zu sehen sein wird.

Gleichzeitig soll die Tonspur Ihres TV-Senders als Radioprogramm verbreitet werden. Was versprechen Sie sich davon?

Im Konzessionsgesuch definiert man alle gewünschten Verbreitungsarten Die Radio übertragung ist nicht zentral. Wir sind ein TV Sender der sein Programm auch als Tonspur übertragen kann.

Sie wollen 20 Angestellte beschäftigen. Sind alle Mitarbeiter schon rekrutiert?

Torsten Prenter (Programmchef und stellvertretender Geschäftsführer von Elevator-TV) und ich verfügen je über ein Netzwerk aus erfahrenen TV Machern. Einige Schlüsselpositionen sind desshalb schon besetzt. Einige freie Jobs gibt es noch und Topleute sind natürlich willkommen. Es bewerben sich jedoch so viele Leute spontan, dass es nicht lange dauern dürfte, bis alle Positionen besetzt sind. Ich habe auch heute wieder dreissig Blindbewerbungen bekommen.

Können Sie da schon Namen nennen?

Die Personalien werden wir bekannt geben, nachdem die Mitarbeiter bei ihren momentanen Arbeitgebern gekündigt haben und die letzte freie Stelle besetzt ist.

Erhalten alle Mitarbeiter eine Festanstellung, oder gibt es ein Praktikanten-Modell à la U1-TV?

Unser Modell sieht vor, dass in jeder Abteilung mindestens ein Experte beschäftigt wird, der diese Funktion bereits erfolgreich ausgeführt hat. Je nach Abteilung kommen noch Assistenten-, Praktikanten- und Volontariatsstellen dazu. Praktikanten sind im TV Business jedoch essentiell, da unser Geschäft von jungen frischen Ideen lebt. Die richtige Mischung aus Erfahrung und Innovation macht es aus. Wichtig ist, dass man den Praktikanten und Volontären eine Gelegenheit bietet, wirklich etwas zu lernen, sonst nützt man die Leute nur aus. Wir werden daher ein internes Ausbildungsprogramm aufbauen, welches diese Leute durchlaufen. Die Praktika werden auf sechs Monate befristet sein. Anschliessend wird über eine Weiterbeschäftigung entschieden.

Wo werden die Studioräumlichkeiten eingerichtet?

Da wir unsere Schweizerdeutschen Inhalte, bis auf wenige Ausnahmen, extern produzieren lassen, brauchen wir keine speziell hohen Räume für ein eigenes Fernsehstudio. Daher ist jedes Bürogebäude Grundsätzlich geeigent. Wir schauen uns zur Zeit nach geeigneten Räumlichkeiten um.

Welches sind Ihre mittelfristigen Ziele im Fernsehmarkt mit Elevator-TV?

Mittelfristig wollen wir uns in die Bandbreite der einstrahlenden Deutschen Vollprogramme einreihen. Dies soll in einer wirtschaftlich nachhaltigen und gesunden Form geschehen.

(Interview: Stefan Wyss)


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