04.03.2003

Einigung zwischen Bakom und "Schawi"

Am Freitag fand bei Roger Schawinskis früherer Firma Belcom eine Durchsuchung in polizeilicher Begleitung statt. Das Bakom verlangte Akteneinsicht in die Tele24-Buchhaltung des Jahres 2001, der Verdacht lautete auf Unterschlagung von Abgaben. Am Montag erläuterte "Schawi" auf "persoenlich.com" seine Sicht der Dinge. -- Warum heute der Konflikt bereits beigelegt ist und wie es aus Sicht des Bakoms dazu kam, erklärt nun Vizedirektor Martin Dumermuth (Bild). Das Interview:
Einigung zwischen Bakom und "Schawi"

Herr Dumermuth, was sagen Sie zum Vorwurf von Roger Schawinski, die ganze Durchsuchungsaktion sei unverhältnismässig gewesen?

Das war überhaupt nicht unverhältnismässig. Wir hatten einfach keine Einsicht in die Akten von Tele24. Nun haben wir uns mit Herrn Schawinski geeinigt und bekommen ohne Entsiegelungsverfahren für eine bestimmte Zeit Einblick in die besagten Ordner.

Das heisst, der Streit ist geschlichtet.

Ja -- und Roger Schawinski zieht seine Beschwerde vor Bundesgericht zurück.

Trotzdem: war es dann nötig mit der Polizei einzufahren?

Der Blick hat von einer "Razzia bei Schawinski" geschrieben, das ist komplett falsch. Es war auch keine Durchsuchung durch die Polizei. Unsere Leute hatten lediglich einen Beschlagungsbefehl und zwei Polizisten in Zivil versiegelten die Ordner.

Schawinskis Tele 24 hat Ende November 2001 seinen Betrieb eingestellt, Ihre Kontrollen finden über ein Jahr später statt. Warum dauerte es so lange?

Im Zusammenhang mit dem Gebührensplitting kontrollieren wir verschiedentlich die Buchhaltung kleinerer Radiosender. Dabei überprüfen wir auch die Deklaration für die Konzessionsabgaben. Damit nicht der Vorwurf auftaucht, das Bakom gehe ausschliesslich auf die Kleinen los, wollten wir diese Abgabeerklärung auch einmal bei einem Grossen -- nämlich von Tele Züri und Radio 24 -- untersuchen. Dabei sind Unklarheiten aufgetaucht, die auch Tele 24 betreffen.

Rein zufällig?

Ja, wir können Schawinski zur Zeit keinen konkreten Vorwurf machen. Es gibt einfach ein paar Unklarheiten bezüglich der Werbeeinnahmen, die wir jetzt überprüfen.

Wenn jetzt ein solcher Fehler in der Buchhaltung bestände, was wären die Konsequenzen?

Man müsste abklären, ob diese Fehler gezielt sind. Im Notfall müsste Tele 24 nachzahlen. Rein theoretisch wäre auch ein Strafverfahren möglich, aber wie gesagt, das ist alles Theorie.

Das heisst, nun herrscht wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Aber Ihr Verhältnis zu Roger Schawinski ist und war gespannt. Handelt es sich um eine Abrechnung?

Persönlich hatten wir nie ein gespanntes Verhältnis. Von Abrechnung kann denn auch keine Rede sein. Niemand hat Interesse einen Krieg zu führen. Die Darstellung in der Presse war völlig überrissen.

Vermissen Sie Roger Schawinski ein bisschen, wie er Ihnen unterstellt?

(lacht) Nein, nicht direkt. Aber das Bakom wäre zweifelsohne froh, wenn es noch zusätzliche Medien wie Tele 24 gäbe.


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