15.09.2022

MQR 2022

«Entscheidend ist, ob man gewinnt oder nicht»

Watson ist die Nummer eins bei den Boulevard- und Pendlerformaten im aktuellen Medienqualitätsranking. Chefredaktor Maurice Thiriet über diesen Erfolg, den Stellenwert von Medienrankings, den künftigen CH-Media-CEO Michael Wanner und die Login-Allianz.
MQR 2022: «Entscheidend ist, ob man gewinnt oder nicht»
«Die Qualitätsrankings geben bei allen unvermeidlichen methodischen Schwächen einen Anhaltspunkt, wo man bezüglich eines gewissen Katalogs von Qualitätsanforderungen steht», sagt Watson-Chefredaktor Maurice Thiriet. (Bild: zVg)

Herr Thiriet, herzliche Gratulation, Watson konnte seine Qualität beim Medienqualitätsranking deutlich steigern und liegt bei den Boulevard- und Pendlerformaten an der Spitze. Was bedeutet Ihnen diese Klassifizierung?
Sie freut uns sehr und ist eine schöne Bestätigung für die vielen Mütter und Väter dieses Erfolgs, der ja schon bemerkenswert ist. Zwar ist Watson als «Boulevard- und Pendlerzeitung» eingestuft, bewegt sich in Sachen Qualität und Relevanz der Berichterstattung aber im Bereich der «richtigen», beziehungsweise «seriösen» Tageszeitungen, soweit diese Unterscheidung überhaupt statthaft ist.

Inwiefern haben Sie die Qualität von Watson erhöht?
Wir haben uns konsequent bemüht, unsere Inhalte formal so aufzubereiten, dass sie passend in allen Kanälen zu allen Leuten kommen. Wir haben enorme Fortschritte gemacht im Bereich des Data Driven Journalism rund um die Covid-Dashboards und wir trennen die Kommentierung strikt von der Berichterstattung.

Stört Sie die Kategorie «Boulevard- und Pendlerformate»?
Ja, weil jedes Format, das auf dem Handy konsumierbar ist, letztlich ein Pendlerformat ist. Und weil ein Definitionsmerkmal von Boulevard Negativkampagnen sind, die wir nicht machen. Aber die Kategorisierung kann man jetzt auch mal ausblenden, sie führt ja nicht zu einem Abschlag in den Bewertungen. Der Dank für die Platzierung gebührt der ganzen Redaktion und den Product-Leuten, die, insbesondere in der akuten Pandemie-Phase, über lange Zeit in allen digitalen Kanälen in allen denkbaren Storytelling-Formaten eine Top-Leistung abgeliefert haben.

«Wir investieren massiv im Bereich Social/Video/Audio»

Welchen Stellenwert haben solche Medienrankings?
Das kommt ja wie bei allen Auszeichnungen immer darauf an, ob man sie gewinnt oder nicht. Wenn man sie gewinnt, haben sie einen sehr hohen Stellenwert. Alle die noch nie gewonnen haben, finden sie natürlich völlig unbedeutend. Im Ernst: Die Qualitätsrankings geben bei allen unvermeidlichen methodischen Schwächen einen Anhaltspunkt, wo man bezüglich eines gewissen Katalogs von Qualitätsanforderungen steht. Als einzelnes Medium, aber auch als Branche insgesamt.

Beim Jahrbuch Qualität der Medien des Fög waren Sie nie so gut klassifiziert. Woran liegt das?
Die beiden Untersuchungen sind nicht eins zu eins vergleichbar. Zwar wird die Inhaltsanalyse des Q-Ratings ebenfalls von den Wissenschaftlern des Fög und mit dem Codebuch und nach den Methoden des Fög durchgeführt. Das Jahrbuch Qualität der Medien, auf das Sie ansprechen, analysiert mittlerweile aber auch den Output auf sozialen Medien, wo eher subjektiv relevante Themen dominieren. Oder Soft News, wie es die Medienforscher nennen. Die geben Abzug.

Welche Neuigkeiten sind bei Watson geplant?
Wir investieren massiv im Bereich Social/Video/Audio, um unsere journalistischen Inhalte und Werbedienstleistungen in allen nachgefragten Storytelling-Formaten und Social-Kanälen verbreiten zu können. Weiter werden wir uns im Bereich Visuals und Data Journalism verstärken.

«Es gibt keine eigene Gattung Online-Journalismus»

In welche Richtung entwickelt sich der Online-Journalismus in der Schweiz?
Es gibt keine eigene Gattung Online-Journalismus. Journalismus ist Journalismus, er muss die Leute erreichen und sich in der Form kanalgerecht anpassen, um das zu schaffen. Die digitalen Kanäle nehmen dabei natürlich weiter an Bedeutung zu, während diejenige anderer Kanäle abnimmt.

Geschäftsleiter Michael Wanner wird 2023 CEO von CH Media. Was bedeutet dieser Abgang für Sie?
Als Abgang würde ich das nicht bezeichnen. Er ist zwar ab nächstem Jahr CEO von CH Media, aber als solcher immer noch für Watson zuständig, da wir in den Konzern integriert werden. Ich denke also, ich kann immer noch Facetime mit Michael Wanner kriegen. Ich muss einfach noch rausfinden, wo man sich anmelden muss.

Wird Watson jetzt auch nach Aarau oder ins Leonardo ziehen?
Nein, Watson bleibt am Standort bei der Hardbrücke.

Und behalten Sie auch künftig Ihren Widerstand gegen die Login-Allianz bei?
Watson hat nie Widerstand gegen die sogenannte Login-Allianz geleistet, wir haben lediglich unsere Vorbehalte zu einer Login-Pflicht formuliert. Die hätte uns einerseits in unserem Wachstum, auf das wir zum fraglichen Zeitpunkt angewiesen waren, stark gebremst und wäre andererseits unserem Credo, hürdenlosen Zugang zu Journalismus für alle zu garantieren, zuwidergelaufen.


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