03.03.2006

Belgien

Erste Zeitung auf elektronischem Papier startet

200 Abonnenten testen die Revolution.

Die belgische Wirtschaftszeitung de Tijd (Die Zeit) will den Zeitungsmarkt revolutionieren. Ab April testen 200 Abonennten die Zeitung auf elektronischem Papier, wie die Welt berichtet. Das Lesegerät heisst "Iliad", ist 1.6 Zentimeter dick, 390 Gramm schwer und hat DIN A5-Grösse. Entwickelt wurde es von der Philips-Tochter iRex Technologies. Das Display besteht aus 8.1 Millionen mikroskopisch kleinen, in Flüssigkeit schwimmenden Kügelchen, je zur Hälfte schwarz und weiss gefärbt. Die Kugeln lassen sich durch elektrische Ladung gezielt drehen und zu Mustern, Buchstaben oder Bildern formen. Durch eine besondere Niedrigenergietechnik hält die Batterie bei drei Lesestunden täglich eine Woche. Man kann auch Musik im MP3-Format und Text sowie pdf-Dokumente darauf speichern.

Der echte Vorteil gegenüber einem PDA oder einem E-Book-Reader liegt laut der Welt in der Qualität des elektronischen Papiers, die auf dem Konzept der amerikanischen Firma E-Ink beruht. "Der Bildschirm ist flimmerfrei, reflektiert nicht und sieht aus wie echtes Papier", meint Projektmanager Peter Bruynseels bei de Tijd. Die Tageszeitung ist verkleinert auf dem 12 x 16 Zentimeter grossen Bildschirm zu sehen. Mit einem Stift lassen sich die Artikel hochzoomen.

Interaktivität soll Mehrwert bringen

Wissenschafter der belgischen Universität Leuven begleiten das Projekt. Ihr Ziel ist es zu ermitteln, ob die neue Technik wirklich in der Praxis anwendbar ist und von den Lesern angenommen wird. Erst nach einer Evaluierungsphase will der Verlag entscheiden, ob die E-Zeitung weitergeführt wird. Dies wird gemäss der Welt frühestens Ende Jahr sein. Als Zielgruppe hat die belgische Zeitung börseninteressierte Leser im Visier, die viel unterwegs sind und sich für neue Technik begeistern. "Sie sollen auch im Zug oder im Auto ihre eigene Aktienliste speichern und wie die Zeitung mehrmals täglich aktualisieren können", sagt Bruynseels.


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