26.05.2024

SRG-Generaldirektion

Erstmals eine Frau an die Spitze gewählt

Die Delegiertenversammlung der SRG hat Susanne Wille zur neuen Generaldirektorin gewählt. Sie folgt auf Gilles Marchand, der das Medienunternehmen seit 2017 leitet. Die 50-Jährige wird ihre Funktion am 1. November 2024 antreten.
SRG-Generaldirektion: Erstmals eine Frau an die Spitze gewählt
Susanne Wille heisst die neue SRG-Generaldirektorin. Die heutige SRF-Kulturchefin löst Gilles Marchand ab. (Bild: SRG/Severin Nowacki)

Auf einen Mann aus der Romandie folgt eine Frau aus der Deutschschweiz. Die Delegierten der SRG haben am Samstag auf Vorschlag des Verwaltungsrats Susanne Wille zur neuen Generaldirektorin der SRG gewählt. Wille leitet seit 2020 die Abteilung von Schweizer Radio und Fernsehen SRF in Basel.

Die Wahl Willes zeichnete sich in den letzten Wochen ab, nachdem sich zahlreiche Figuren mit einem entsprechenden Leistungsausweis aus dem Rennen genommen hatten. Wille wurde seit Bekanntwerden von Gilles Marchands Rücktritt im Januar als mögliche Nachfolgerin und Favoritin gehandelt. Sie wird ihre Funktion am 1. November 2024 antreten. Sie sei ab sofort in die strategischen Schlüsselprojekte eingebunden, sagte SRG-Präsident Jean-Michel Cina bei der Vorstellung der neuen Generaldirektorin.

«Aufgabe wird auch sein, die SRG zu verändern»

«Ich übernehme die neue Aufgabe im vollen Bewusstsein um die Herausforderungen, die anstehen», sagte Susanne Wille nach ihrer Wahl. Sie wolle mit guten Argumenten aufzeigen, was die SRG ausmache und warum es sie brauche. «Meine Aufgabe wird es aber auch sein, das Unternehmen zu verändern», so Wille weiter (hier das Interview mit der künftigen Generaldirektorin).

In der Deutschschweiz kennt man Wille als Fernsehjournalistin. Nach Studium und Start beim Regionalfernsehen im Aargau präsentierte sie ab 2001 bis 2020 das Nachrichtenmagazin «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens SRF. Zwischenzeitlich wechselte sie zur «Rundschau». Daneben moderierte sie grosse TV- und Publikumsveranstaltungen wie das Swiss Economic Forum SEF oder den SwissAward. 2020 stieg die heute 50-Jährige zur SRF-Kulturchefin am neuen Standort im Meret-Oppenheim-Hochhaus in Basel auf (persoenlich.com berichtete). Dort leitet sie eine Abteilung mit rund 220 Personen. Bei der SRG, der sie bald vorsteht, arbeiten 7200 Angestellte.

Um sich für die neue Aufgabe fit zu machen, absolvierte Wille am IMD in Lausanne einen betriebswirtschaftlichen Masterstudiengang. Das mache sie, «um neue Impulse fürs Management zu bekommen und zu sehen, was man aus der Privatwirtschaft und anderen Branchen und Industrien mitnehmen kann». Das sei gerade wegen der Technologie als wichtigem Treiber von Veränderungen entscheidend, sagte sie im März als Jurymitglied des SEF.WomenAward in einem gesponserten Beitrag für die NZZ.

Kann auch unpopuläre Entscheide treffen

Bei SRF konnte sie ihre Managementqualitäten in den letzten Jahren bereits mehrfach unter Beweis stellen. Zuerst 2017, als sie in der Newsroom-Projektgruppe für den Umbau der Redaktionen am Standort Leutschenbach mitwirkte, danach als Mitglied im operativen Projektteam des Transformationsprojekts «SRF 2024». Dabei traf sie auch Entscheide, die intern und extern auf Kritik und Unverständnis stiessen, wie etwa die Streichung der wöchentlichen Literatursendung «52 beste Bücher». Man werde «neue Wege gehen» und genau schauen, «welches literaturaffine Publikum wir über welche Kanäle und in welcher Form am besten erreichen können», so Wille im Oktober 2020 zur WOZ.

Als SRG-Direktorin wird Susanne Wille keine Sendungen mehr streichen. Aber sie wird wohl entlang politischer und regulatorischer Vorgaben das Angebot insgesamt reduzieren müssen. Denn die Zeichen stehen auf Abbau. Mit dem Vorschlag von Bundesrat Albert Rösti für eine Senkung der Haushaltsabgabe und der Halbierungsinitiative stehen gleich zwei Vorhaben im Raum, welche die Mittel für die SRG beschneiden wollen.

In den kommenden Jahren muss die neue Generaldirektorin sowohl stark nach innen als auch stark gegen aussen wirken (siehe auch «Hier ist die neue Generaldirektorin gefordert»). Die SRG befindet sich weiterhin in einem Transformationsprozess. Die Herausforderung besteht darin, das lineare Radio- und Fernsehangebot weiter für ein weiterhin grosses Publikum zu pflegen und gleichzeitig die digitalen Angebote auszubauen. Wenn das mit weniger Geld als bisher geschehen soll, dann erfordert dies eine Konzentration der Ressourcen und einen Verzicht auf bisherige Sendungen und Formate. Der politische Prozess mit Gebührenanpassung und Konzessionserneuerung dauert bis mindestens 2029.

Nathalie Wappler gibt Stellvertretung ab

Gegenüber der Amtszeit von Gilles Marchand nehmen die Aufgaben der SRG-Spitze damit eher noch zu. Um diese Last abzufedern, steht der Direktorin eine Stellvertretung zur Seite. Unter Marchand war das SRF-Direktorin Nathalie Wappler. Sie werde diese Funktion zugunsten einer neuen Vertretung aus einer anderen Sprachregion freigegeben und konzentriere sich voll auf SRF und ihren Beitrag in der Geschäftsleitung der SRG, teilt SRF mit.


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KOMMENTARE

Regula Bührer Fecker
26.05.2024 08:26 Uhr
Herzliche Gratulation an Susanne Wille; viel Energie für die grosse Aufgabe und Mut zum Anpacken.
Christine Daborn
25.05.2024 14:42 Uhr
Bin ja mal gespannt, ob und wie stark sich Frau Wille in der Zwischenzeit durch all ihre Weiterbildungen entwickelt hat. In Ihrer Zeit bei "10 vor 10" hatte sie sich deutlich als SVP Feindin hervorgetan.

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