06.02.2006

Maike Juchler

"Es gibt keinen Inserateschwund"

Laut Tages-Anzeiger gehörte die Weltwoche 2005 zu den grössten Verlierern im Werbemarkt Schweiz. Um fast ein Viertel soll die Zahl der Anzeigenseiten im vergangenen Jahr zurückgegangen sein. Wird die Weltwoche von seiner Konkurrenz zunehmend abgehängt? Oder ist unter dem neuen Chefredaktor Jürg Wildberger bereits eine Trendwende spürbar? "persoenlich.com" bat Weltwoche-Verlagsleiterin Maike Juchler um Stellungnahme. Das Interview:
Maike Juchler: "Es gibt keinen Inserateschwund"

Frau Juchler, gemäss dem Tages-Anzeiger gehört die Weltwoche zur den grössten Verlierern des vergangenen Jahres und soll massive Verluste bei den Anzeigen erlitten haben. Was stimmt daran?

Das stimmt so nicht. Die gesamte News- und Themenpresse hatte kein zufriedenstellendes 2005. Gemäss AIS haben wir im 2004 10 Prozent und im 2005 21 Prozent Inseratevolumen verloren. Facts hat im gleichen Zeitraum 2004 30 Prozent und 2005 11 Prozent gegenüber Vorjahr verloren. Insgesamt bewegen wir uns auf dem gleichen Level. Das zeigt sich auch in der Inseratestatistik Schweizer Presse 2005: Facts kommt auf 766 Seiten, die Weltwoche auf 708 Seiten). Sowohl die Weltwoche als auch das Facts hatten einen starken Mitbewerber, nämlich das Magazin (2005: 637 Seiten), welches im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Inseratevolumen zulegen konnte.

Wo sehen Sie die Gründe für den Inserateschwund?

Das ist ihre Behauptung. Es gibt keinen Schwund, sondern eine Verlagerung zugunsten Magazin und Sonntagspresse. Je nach Kunden und deren Strategie gibt es unterschiedliche Prioritäten bei der Belegung der Titel. Fahren die Kunden mehr Qualitäts- und Tiefenstrategien, dann profitiert die Weltwoche. Wir erhalten seit Ende letzten Jahres diesbezüglich positive Zeichen aus dem Anzeigenmarkt und sind überzeugt, dass die Weltwoche sich als Qualitätstitel im 2006 durchsetzen kann.

Facts hat der Weltwoche dem Vernehmen nach im vergangenen Jahr einige grosse Anzeigenkunden weggeschnappt. Wie wollen Sie diese wieder zurückholen?

Da sind Sie falsch informiert. Weltwoche und Facts bewegen sich inseratemässig auf ähnlichem Level und werden sich im 2006 gegen das Magazin behaupten. Die Weltwoche ist traditionell aufgrund der Positionierung stärker im Bereich der Uhren/Foto/UE und das Facts ist etwas stärker im Bereich Telekommunikation und Mode. Es gibt also keine Kampagnen, die wir zurückholen müssten.

Wie entwickeln sich die Leserzahlen der Weltwoche?

Die Leserschaftszahlen der Weltwoche sind sehr stabil und steigen wieder an. Die Entwicklung der Weltwoche die letzten 3 Jahre bewegt sich im Vertrauensbereich: 434'000, 439'000, 418'000. Facts hingegen hat deutlich Leser verloren: 521'000, 471'000, 438'000.

Und wie hat die Leserschaft auf den neuen Chefredaktor Jürg Wildberger reagiert? Wie entwickeln sich Abo- und Kioskverkauf seit seinem Amtsantritt?

Sehr positiv. Es zeigt sich eine gute Akzeptanz sowohl bei den Lesern als auch bei den Kioskkäufern.

Können Sie diese Zugewinne auch an Zahlen festmachen?

Ja sicher, warten sie die nächsten Mach- und Wemf-Zahlen ab.

Sie haben die Weltwoche übernommen, nachdem der Titel verlagsseitig über ein halbes Jahr lang praktisch führungslos war. Welches waren Ihre wichtigsten Schritte, seit Sie die Verlagsleitung übernommen haben?

Ja sicher, warten sie die nächsten Mach- und Wemf-Zahlen ab.


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