27.05.2005

"Es wäre vermessen weitere Entlassungen auszuschliessen"

Die Espace Media Groupe hat mitgeteilt, für das Geschäftsjahr 2004 könne, trotz stagnierender Werbeausgaben in der Schweiz, ein gutes Resultat vorgewiesen werden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass in der Redaktion der zur Espace gehörenden Berner Zeitung Stellen abgebaut werden. BZ-Chefredaktor Andreas Z’Graggen spricht im Interview mit "persoenlich.com" über Gründe und Folgen.
"Es wäre vermessen weitere Entlassungen auszuschliessen"

Herr Z'Graggen, Die Berner Zeitung baut in der Redaktion sechs Stellen ab. Welche Gründe haben zu diesem Schritt geführt?

Richtig ist, dass sechs Mitarbeiter die BZ verlassen. Dies entspricht aber nicht dem Abbau von sechs ganzen Stellen, da einige Kolleginnen und Kollegen nur in einem Teilzeitverhältnis angestellt sind. Gekündigt wurde dabei zwei Angestellten, die insgesamt 1.5 Stellen besetzten. Bei den anderen vier Abgängen handelt es sich um Stellenwechsel. Diese Positionen werden vorläufig nicht neu besetzt. Der Grund für den Abbau ist das rückläufige Inseratenaufkommen. Damit hat allerdings die ganze Zeitungsbranche Probleme. Nur wird bei uns jeweils schnell reagiert und nicht lange zugewartet. Darum zeigt man mit dem Finger denn auch oft zuerst auf die BZ.

Ist der Stellenabbau auch gleichbedeutend mit einem Leistungsabbau?

Natürlich, sonst hätten diese Leute ja nichts gearbeitet.

Hängt der Abgang von Wirtschaftschef Ueli Hoch mit diesen Massnahmen zusammen? Wer wird sein Nachfolger?

Da besteht kein Zusammenhang. Ueli Hoch verlässt die BZ auf eigenen Wunsch. Er wird vorläufig nicht ersetzt. Interimistisch hat Stefan Schnyder die Ressortleitung übernommen.

Die Espace Media Groupe hat sich an der Jahresmedienkonferenz mit der Entwicklung der Berner Zeitung in Solothurn zufrieden gezeigt. Wie sieht es mit der Entwicklung im Stammgebiet aus?

Ich nehme an, sie reden von der Auflage. Diese steigt in Solothurn weiterhin, während sie in den übrigen Verbreitungsgebieten eher stagniert.

Was ist der Grund für die Stagnation?

Vor allem die Konkurrenz durch die Pendlerzeitung 20 Minuten. Die spüren wir jetzt auch in Bern immer mehr.

Wie muss sich die Berner Zeitung verändern, um wieder das benötigte Inseratenaufkommen zu erreichen?

Alle Ideen nützen nichts, wenn es den Kunden nicht gut geht. Wichtig ist ein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung. Zudem entpuppt sich das Internet immer mehr als bedeutender Konkurrent jetzt auch im Anzeigengeschäft. Also müssen wir auch hier angebotsmässig noch mehr präsent sein

Welches ist die Strategie der BZ für die nächsten fünf Jahre?

Gedanken zur Zukunft machen wir uns dauernd. Entwickeln müssen wir uns fraglos in die multimediale Richtung, wofür wir mit unseren verschiedenen Medien aber recht gut positioniert sind.

Haben Sie Vorgaben vom Verwaltungsrat, die sie erreichen müssen?

In erster Linie ist es die Einhaltung des Budgets. Da ist man rigoros. Aber mit dem kann ich leben, weil ich sonst ziemlich freie Hand habe.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Bund entwickelt, der jetzt auch unter dem Dach der Espace Medien erscheint?

Ausgezeichnet und zwar für beide Seiten. Die Espace Medien sind am Bund beteiligt und erbringen für diesen verlegerische Leistungen, die entsprechend entschädigt werden. Wir drucken den Bund, auch das ist für uns attraktiv. Auch bei den Inseraten hatte die Kooperation für beide positive Auswirkungen. Zudem fallen beim Bund per Saldo wesentlich tiefere Kosten an, was insgesamt dazu geführt hat, dass die Zeitung dank der Hilfe durch den Konkurrenten BZ aus den massiv roten Zahlen geführt werden konnte. Redaktionell bestehen kaum Kooperationen, aber gutnachbarliche Verhältnisse, was ebenfalls ein Fortschritt ist.

Sind längerfristig noch weitere Entlassungen geplant?

Es wäre vermessen weitere Entlassungen auszuschliessen, geplant sind aber keine.


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