Herr Passen, wie zufrieden sind Sie mit den neuen Leserzahlen der Blick-Titel?
Neu ist relativ, der Erhebungszeitraum dauerte nur bis Oktober 2008. Grundsätzlich sind wir aber sehr zufrieden.
Auch mit dem "SonntagsBlick", der als einziger Sonntagstitel in der Deutschschweiz nicht zugelegt, sondern Leser verloren hat?
Diese Zahlen muss man differenziert betrachten. Wir haben beim "SonntagsBlick" vor einem Jahr die Erhebungsmethode gewechselt und die Bundnutzungsmethode eingeführt. Es wird also nicht mehr nur abgefragt: haben Sie den "SonntagsBlick" gelesen? Es wird explizit gefragt: welchen Zeitungsbund haben Sie gelesen? Durch diese "schärfere" Messung haben wir mit einem Rückgang der Leserzahlen des "SonntagsBlicks" ohne Magazin rechnen müssen. Insgesamt sind wir aber mit den 1'070'000 Lesern äussert glücklich.
Dies müssen Sie jetzt auch jedem Werbekunden erklären?
Die neue Messmethode bietet dem Anzeigenkunden vor allem eines: mehr Transparenz. Der Hauptteil des "SonntagsBlick" -- also der erste und zweite Bund -- hat zwar tatsächlich leicht weniger Leser, als bei der letzten Erhebung. Trotzdem: Der "SonntagsBlick" hat in der ganzen Schweiz über eine Million Leser, das ist ein hervorragender Wert. Vor allem auch, da neue Konkurrenten in den Markt eingetreten sind.
Hat "Sonntag" der AZ Medien dem "SonntagsBlick" Leser abjagen können?
Ich weiss ganz genau, wie viele Exemplare weniger wir im Einzugsgebiet von "Sonntag" verkaufen. Ehrlich gesagt, macht mich dieses Wissen nicht nervös. Wir nehmen die Zeitung aber ernst. Inhaltlich macht die Redaktion von "Sonntag" einen guten Job.
Der "Blick" hat die Leserzahl halten können. Sind Sie froh, dass der Abwärtstrend gestoppt werden konnte?
Natürlich haben wir in den vergangenen Jahren Leser verloren. Im Vergleich zu anderen Bezahlzeitungen hat sich der "Blick" in den letzten 10 Jahren aber gut gehalten. Über die Konsolidierung freuen wir uns selbstverständlich.
Der "Blick" schreibt aber noch Gewinn?
Der "Blick" und die Blick Gruppe sind erfolgreich unterwegs.
Was unternehmen Sie gegen die sinkenden Einnahmen?
Mit der konsequenten Umsetzung der One Brand Strategie bieten sich für den Werbemarkt attraktive, neue Möglichkeiten. Insbesondere im Online-Bereich werden wir bald neue Werbeformen zur Verfügung stellen und die Marke "Blick" erreicht die unterschiedlichsten Zielgruppen.
Mit dem "Blick"-Konzept ist man offensichtlich nicht zufrieden, Die Zeitung kehrt auf das 50 Jahre-Jubiläum zum Grossformat zurück, der Sport bekommt wieder einen separaten Bund.
Stopp! Entschieden ist noch gar nichts.
Ringier Schweiz-Chef Marc Walder hat aber bestätigt, dass es diese Pläne gibt.
Es stimmt, dass wir uns mit der künftigen Gestaltung und Konzeption des "Blick" beschäftigen. Die Änderung des Formates ist eine Variante. Definitiv ist für mich eine Änderung aber erst, wenn diese von der Geschäftsleitung Schweiz beschlossen und vom Verwaltungsrat abgesegnet wurde. Und soweit sind wir noch nicht.
Mit der Rückkehr zum Grossformat könnte sich der "Blick" physisch wieder von den Gratiszeitungen abgrenzen.
Die Differenzierung des "Blick" gegenüber anderen Zeitungen ist tatsächlich ein Thema. Sieht man, was sich momentan alles im Tabloid-Format tummelt, ist das grosse Format verlockend. Die Kraft des Bildes und der Schlagzeile kann eine Boulevardzeitung über das grössere Format besser transportieren. Nur mit dem Format allein schaffen sie jedoch noch keinen wirklichen Unterschied.
Hat Ringier eingesehen, dass es keinen Sinn macht, mit einem Gratisblatt zu konkurrenzieren?
Als der "Blick" zum Tabloid wechselte, gab es mit "20 Minuten" erst eine Gratispublikation in diesem Format. Die "Inspiration" für die Formatumstellung lieferte der Erfolg der Pendlerzeitung im Werbemarkt. Vielleicht hat der "Blick" als Tabloid-Zeitung seine Einzigartigkeit verloren. Zudem ist der "Blick" keine Pendlerzeitung. Unsere Zeitung wird daheim, im Büro und im Restaurant gelesen. Wir sind also nicht aus Platzgründen an ein bestimmtes Format gebunden.
Muss der "Blick" wieder selbstbewusster werden? Man hatte teilweise das Gefühl, dass Ringier zu sehr eine Antwort auf "20 Minuten" sucht.
Wir müssen nicht auf andere Titel schauen, wir müssen dem "Blick"-Leser das bieten, was er von seiner Zeitung erwartet. Und das ist starker Boulevardjournalismus.
Die kleinsten Sorgen scheint man mit dem "Blick am Abend" zu haben.
Was heisst hier Sorgen? Die noch junge Publikation hat seit ihrer Lancierung stetig stark zugelegt und zählt in Basel, Bern und Zürich täglich 313'000 Leserinnen und Leser. Tendenz weiter stark steigend. Der Blick am Abend macht mir wirklich Freude.
Welche Entwicklungen werden beim "Blick am Abend" voran getrieben?
Aufgrund des Publikumserfolges hat die Geschäftsleitung entschieden, das Distributionsgebiet zu vergrössern. Der "Blick am Abend" wird ab August auch in Luzern und Zug sowie in St. Gallen und den umliegenden Gemeinden erhältlich sein.
Lesererfolg in Ehren, aber der "Blick am Abend" ist nicht profitabel. Ab wann muss die Abendzeitung Rendite abwerfen?
Natürlich gibt es einen realistischen Business-Plan und wir nehmen uns genügend Zeit. Wie gesagt, sind wir gut unterwegs. So gut, dass nun eben diese Gebietsexpansion beschlossen wurde.
Gibt der "Blick am Abend" mit provokativen Schlagzeilen wie "Der hässliche Deutsche" den Takt für den gewünschten "starken Boulevard" der Blick Gruppe vor?
Mittlerweile betreiben hierzulande viele Boulevardjournalismus -- die einen mehr, die anderen weniger. Die "Mutter des Boulevards" in der Schweiz hat sich dagegen etwas vom klaren Boulevard zurückgezogen. Der "Blick" muss wieder präziser für diese Art von Journalismus stehen und Gesprächsthemen liefern. Eine zweite "Bild Zeitung" wird der "Blick" aber sicher nicht.
Ringier baut zurzeit am Newsroom. Wird es nur noch eine einzige Redaktion für alle Titel geben oder werden einfach alle Redaktionen im gleichen Raum sitzen?
Es wird nie einfach nur eine einzige Redaktion für alle Kanäle des Blicks geben. Das detaillierte Konzept des Newsroom wird zurzeit gemeinsam mit den Chefreaktoren ausgearbeitet. Dabei werden verschiedene Varianten geprüft. Die unterschiedlichen Positionierungen der einzelnen Titel wollen wir unbedingt aufrecht erhalten, das ist oberstes Gebot. Darum ist davon auszugehen, dass weiterhin jeder Titel einen eigenen Chefredaktor haben wird. Wichtig ist, dass der Newsroom so umgesetzt wird, dass er wirklich optimal auf den die heutigen Leser- und Userbedürfnisse eingehen kann.
Wann soll der Newsroom in Betrieb genommen werden?
Anfang nächsten Jahres.
(Interview: Stefan Wyss)

