Herr Durisch, Sie sind nun auch Chefredaktor von Facts. Warum wagen Sie dieses Abenteuer?
Das Team der SonntagsZeitung arbeitet ausgezeichnet, alle wichtigen Posten sind mit guten Leuten besetzt. Aus diesem Grund konnte ich mich nach dem Rücktritt von Stefan Barmettler mit dem Projekt Facts schnell anfreunden. Ich finde es höchst spannend, Facts weiter zu entwickeln.
Facts befindet sich momentan in einer sehr schwierigen Situation. Haben Sie schon Vorstellungen, wie Sie das Blatt auf Kurs bringen?
Der Wochenmarkt ist eng besetzt; die Situation bei Facts ist indessen nicht schwieriger als bei Cash, der Bilanz oder der Weltwoche. Ich sehe nicht ein, weshalb man mit diesem Titel nicht ein mindestens so gutes Ergebnis erzielen kann wie etwa mit einer Bilanz.
Die Bilanz hat aber im Gegensatz zu Facts kein Imageproblem.
Facts hat zwar wechselvolle Jugendjahre hinter sich, aber es ist doch ein interessanter Brand; er steckt voller Möglichkeiten.
Wo liegt das Problem von Facts?
Facts ist solider geworden, setzt aber noch zu wenig Wegmarken. Facts muss zum Leuchtturm unter den Wochenmedien werden.
Wird es personelle Wechsel geben?
Die Redaktion hatte einige Abgänge zu verzeichnen -- es ist mein Ziel, diese Lücken mit qualifizierten Leuten zu besetzen.
Zeitschriftenchefin Uli Rubner hat auch publizistisches Mitspracherecht, von dem sie bekanntlich Gebrauch macht. Dies dürfte für einen Chefredaktor nicht ganz einfach sein. Verstehen Sie Ihre Führungsaufgabe auch als Teamwork?
Die Entwicklung eines Titels kann nur in guter Zusammenarbeit mit dem Verlag erfolgreich sein, über Positionierung und Marketing muss Einigkeit herrschen. Was das redaktionelle Alltagsgeschäft anbelangt, da bin ich allein zuständig.
Sie wollen in Zukunft sowohl Facts wie die SonntagsZeitung leiten. Ist dies überhaupt möglich? Besteht nicht die Gefahr, dass ein Blatt ständig benachteiligt wird?
Bei der SonntagsZeitung führen meine beiden Stellvertreter das Alltagsgeschäft. Publizistisch begleite ich die SonntagsZeitung, bespreche mit den Ressortleitern die grossen Linien und von Fall zu Fall heikle Recherchen. Ich bin in alle strategischen Entscheidungen involviert und in Personalfragen. In nächster Zeit beschäftigt mich Facts aber bestimmt viel intensiver.
Die Facts-Redaktion soll die neue Lösung kritisch aufgenommen haben. Wie wollen Sie diese Skepsis aus dem Weg räumen?
Ich habe Ihnen erklärt, warum ich das Doppelmandat für möglich erachte. Es ist mir bewusst, dass ich jetzt den Tatbeweis liefern muss.
Wenn Sie einen Primeur haben, wem geben Sie diesen, Facts oder der SonntagsZeitung?
Das werde ich situativ beurteilen müssen. Wie ein Vater zweier Kinder fühle ich mich für beide Titel verantwortlich und werde versuchen, in diesem Punkt zum Wohle beider zu entscheiden.
Und wenn Sie einen potentiellen Anzeigenkunden besuchen, welches Blatt empfehlen Sie?
Ich bin primär für den Inhalt verantwortlich, wir haben bei beiden Titeln beste Anzeigenteams.
Tragen Sie sich schon mit der Idee, ganz zu Facts zu wechseln?
Nein.
Wie sieht Ihre zeitliche Belastung in Zukunft aus?
Gross. Und im nächsten Jahr ein Grossteil bei und für Facts.

