Herr Boselli, Friday ist seit einem Jahr auf dem Markt. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Mehr als zufrieden! Wir haben alle Ziele, die wir vor der Lancierung auch unseren Werbekunden kommuniziert haben, erreicht. "Friday" ist im Bezug auf die Zielgruppe, Auflage und Leserstärke eine absolute Punktlandung.
Hat sich der Wechsel von "Week" zu "Friday" gelohnt?
Natürlich. "Friday" hat nach nur einem Jahr doppelt so viele Leser wie "Week" und vom Umsatz wollen wir gar nicht reden.
"Friday" hat laut eigener Zählung 412'000 Leser. Wann werden die angepeilten 660'000 Leser erreicht?
Diese "eigene Zählung" ist eine offizielle, WEMF-zertifizierte Studie. Und da wir auch das übrigens genau so vorhergesehen mit jedem "Friday" drei Leser erreichen, werden wir bei 220 000 verteilten Exemplaren unser Ziel mittelfristig erreichen. Die schrittweise Erhöhung auf 220 000 Ex erfolgt bis Ende 2010, was sich mit der gewohnten Verschiebung dann in den MACH-Basic-Zahlen im Jahr darauf niederschlägt. Ende Oktober jedenfalls erhöhen wir die Auflage bereits einmal auf 172 000 Exemplare.
53 Prozent der Friday-Leser sind weiblich. Ist dieser Wert für eine auf Frauen ausgerichtete Publikation nicht etwas gar tief?
Angestrebt haben wir 60 Prozent Frauen - doch 53 ist auch sehr gut. Es war auch nie unser Ziel, ein Frauenmagazin zu machen, sondern ein People- und Lifestyle-Magazin für junge, urbane, modebewusste Frauen und Männer. Denn heute interessiert sich ein 20-jähriger Mann genauso für Mode, Stars und (Männer-)Kosmetik wie eine gleichaltrige Frau.
Zum redaktionellen Inhalt: Sind Sie mit den Eigenleistungen zufrieden?
Ich bin mit dem Job, den die beiden Redaktionsleiterinnen Kerstin Netsch und Sabine Eva Wittwer mit ihrem Team Woche für Woche abliefern, sehr zufrieden. Doch wir sind natürlich selbstkritisch und fragen uns ständig, wie wir noch besser werden können.
Wo steht "Friday", wenn Sie das Heft mit Konkurrenzprodukten wie SI Style vergleichen?
Friday ist Pixie Lott, Bianca Gubser und Robert Pattinson, die SI Style ist Julia Roberts, Madonna und Nicole Kidman.
Unter Journalisten hört man oft, dass "Friday" eigentlich eine nette PR-Broschüre sei. Stört Sie dieses Image?
Das sind vermutlich dieselben Journalisten, die heute noch behaupten, "20 Minuten" würde nur Agenturmeldungen abdrucken. Also die Journalisten, die uns den Erfolg neiden und wider besseren Wissens alte Klischees kolportieren.
Im Code of Conduct der Schweizer Presse heisst es: "Im Umgang mit bezahlter Werbefläche in den Print- und Online-Medien gilt das Prinzip der Transparenz gegenüber dem Publikum. Für den Medienkonsumenten muss immer klar erkennbar sein, ob die Inhalte redaktionellen Ursprungs oder kommerziell als Werbefläche platziert und von den Dritten bezahlt sind." Finden Sie, dass Friday diese Trennung vollumfänglich erfüllt?
Ja, das macht "Friday". Und trotzdem hat die 20 Minuten-Gruppe den Code of Conduct nicht unterschrieben. Denn tricky wird dieses Regelwerk ja erst da, wo es heisst, dass "jede Form von Sponsoring" deklariert sein muss. Dass man diese Grenze in einem Magazin wie "Friday" nicht kristallklar ziehen kann, ist offensichtlich: Wenn wir einen neuen Lippenstift vorstellen, tun wir das, weil das unsere Leserinnen interessiert und trotzdem haben wir den Lippenstift nicht gekauft, sondern haben ihn zur Verfügung gestellt bekommen. Ist das jetzt Sponsoring?
Viele Seiten befassen sich mit Produkteneuheiten. Viele Bilder stammen, so die Deklaration, von PR-Agenturen. Verdient Friday damit Geld?
Nein, tun wir nicht. Wichtig ist nicht in erster Linie, woher das Bild kommt, sondern wer darüber entscheidet, ob es ins Heft gerückt wird. Diese Entscheidung liegt immer bei uns.
"Friday" ist auf Hochglanz-Papier gedruckt. Stört es Sie nicht, wenn "Friday" abends in den Trams rumliegt?
Das Erfreuliche bei "20 Minuten Friday" ist eben genau, dass es nicht herumliegt. Das Magazin wird von den Lesern sehr "wertig" behandelt und viele schreiben uns sogar, sie würden "Friday" seit der ersten Nummer sammeln.
Die Krise nagt an der Substanz von so mancher Zeitung. Wie stark spüren "20 Minuten" und "Friday" die Krise?
Natürlich spüren wir auch bei "20 Minuten" die Krise und erreichen nicht mehr die Umsätze wie 2008. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau der Medienverbund 20 Minuten ist kerngesund. Und mit "Friday" gelingt es uns sogar, in diesen mageren Zeiten einen Hochkonjunktur-Businessplan einzuhalten.
Weniger Pendlerzeitungen buhlen um die Gunst der Werber. Macht sich die Bereinigung im Gratiszeitungsmarkt bezüglich Werbeeinnahmen bemerkbar?
Wir haben die Konkurrenz kaum gespürt und spüren deshalb auch ihren Wegfall kaum.
Laut Wemf ist das Wachstum im Gratiszeitungsmarkt nicht mehr so stark. Hat die Marke 20 Minuten den Zenit erreicht?
Irgendwann sicher, ja. Aber wenn wir in der letzten MACH-Basic mit der Zeitung von 1,365 Milionen Leserinnen und Lesern noch einmal gut 3,5 Prozent auf 1,417 zulegen und unsere bezahlte Konkurrenz das als "Wachstum bei den Gratiszeitungen gebrochen" interpretiert, finden wir das schon sehr speziell. Doch wichtig ist: Wir werden mit 20 Minuten Online, mit unseren mobilen Diensten und mit Friday noch munter weiterwachsen.
Abschlussfrage: Viele Zeitungen haben Relaunches hinter sich. Planen Sie bei "20 Minuten" oder "Friday" auch Veränderungen im Layout/Konzept?
Bei "20 Minuten" kommt es, bedingt durch die Fusion von "20 Minutes" und "Le Matin bleu", ab dem Montag, 2. November zu einem sanften Redesign. Und bei "Friday" werden wir uns in nächster Zeit sicher auch einmal Gedanken machen, wie wir das Heft noch weiterentwickeln können.
(Interview per Mail: Christian Lüscher)

