30.09.2019

SRF

Fünf Fragen nach dem Aus von «Schawinski»

SRF-Direktorin Nathalie Wappler begründet das Ende von «Schawinski» mit fehlendem Geld. Ausschlaggebend seien andere Gründe, heisst es in den Sonntagszeitungen. Ein Blick in die Kommentare zeigt: Überraschend viele wünschen sich den 74-jährigen Talker zurück.
SRF: Fünf Fragen nach dem Aus von «Schawinski»
«Schawinski» als Thema der Sonntagszeitungen, hier die «NZZ am Sonntag» und der «Sonntagsblick». (Bild: persoenlich.com)
von Edith Hollenstein

1. Wer wird «Schawinski» vermissen?

In allen grossen Schweizer Sonntagszeitungen sind zum Aus von «Schawinski» Artikel und Kommentare erschienen. Dabei zeigt sich überraschend: Die meisten Kommentatoren kritisieren SRF für die Absetzung. «Schawinski ist mit seinen 74 Jahren immer noch ein Phänomen: hellwach, blitzschnell, scharfsinnig. Aber auch wohltuend unberechenbar. Er machte Fernsehen in über 300 Sendungen noch zum Ereignis. Über seinen Talk sprach die Nation», schreibt TV-Redaktor Peter Padrutt im «Sonntagsblick». Er werde Schawinski vermissen. «Gerade weil wir uns manchmal so schön über ihn aufregen konnten», schreibt Padrutt und liegt damit auf einer ähnlichen Linie wie «persönlich»-Verleger Matthias Ackeret in seinem Kommentar vom Freitag.

Bildschirmfoto 2019-09-29 um 11.24.38

Bildschirmfoto 2019-09-29 um 11.24.51

Unglücklich mit dem Entscheid ist auch die «Sonntagszeitung»: Dort hat Markus Somm seine wöchentliche Kolumne Schawinski gewidmet: «Gewiss, Schawinski ist kein einfacher Gesprächspartner. Ich spreche aus Erfahrung: Er ist blitzschnell, er ist aggressiv, er stellt Fragen, die sich als vorgezogene Antworten herausstellen.» Doch wer Debatten wolle, komme ohne Standpunkt nicht aus. Auch in dieser Hinsicht unterscheide sich Schawinski «so wohltuend von den so hübsch frisierten Moderatoren, die inzwischen unsere real existierenden Medien bevölkern, deren Wortmeldungen genauso hübsch frisiert sind und die mit Zuckerzungen ein Zuckerprogramm verbreiten, das nicht nährt, sondern Hunger auslöst», schreibt Somm.


2. Warum wurde «Schawinski» abgesetzt?

Die Kommentatoren sind sich in einem weiteren Punkt einig: Sie sehen die Begründung von SRF, es handle sich um eine Sparmassnahme, als Vorwand. Somm schreibt: «Kaum eine Sendung ist billiger und rascher produziert, kaum eine Sendung erregte mit weniger Aufwand so viel Aufmerksamkeit. Mit anderen Worten, was SRF offiziell verlautbaren liess, hat mehr mit einer nordkoreanischen Informationspolitik zu tun als mit der Wahrheit – und gerade die eigenen Journalisten würden sich nie damit zufriedengeben, wenn etwa die UBS oder die Novartis so kommunizierte. Es wirkt unehrlich und unplausibel», schreibt Markus Somm in der «Sonntagszeitung». Genauso sieht es der «Sonntagsblick»-Kommentator: «Natürlich ist das ein Witz, eine Schutzbehauptung: 15'000 Franken kostete seine Sendung nur. Man könnte anderswo sparen: beim Comedy-Murks am Sonntagabend zum Beispiel, der Millionen verschlingt».

Mehr Details und Hintergründe kennt die «NZZ am Sonntag». Direktorin Nathalie Wappler sei kein Fan der Talkshow, das sei ein «offenes Geheimnis». Auch andere SRF-Kadermitarbeiter seien der Meinung, dass sich die Sendung, die seit 2011 ausgestrahlt wird, überlebt habe. Laut Francesco Benini von der «NZZ am Sonntag» wirft Leutschenbach Schawinski vor, dass seine Talkshow zu wenig ergiebig sei. «Schawinski» habe im ersten Halbjahr 2019 im Durchschnitt 79'000 Zuschauer erreicht; der Marktanteil liegt bei tiefen 12,5 Prozent.


3. Wird «Schawinski» ersetzt?

Ebenfalls in der «NZZ am Sonntag» ist zu lesen, dass SRF auf eine Nachfolge von Schawinski verzichte. «Ob es in Zukunft einen neuen politischen Talk geben wird, ist offen», so SRF-Sprecherin Andrea Wenger. Sie weist darauf hin, dass das Schweizer Fernsehen mit der «Arena» und dem «Rundschau Talk» weiterhin politische Talksendungen im Programm habe.

Bildschirmfoto 2019-09-29 um 11.23.02

Sollte das Schweizer Fernsehen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin suchen, sei das ein schwieriges Unterfangen. «Wenn SRF unter dem Eindruck steht, Schawinksi ersetzen zu können, ist das bemerkenswert. Denn Schawinksi habe nie irgendjemanden geschont: Ob Gegner oder Freund, vor Schawinskis Skalpell waren alle gleich», schreibt Somm.

Der Sobli erwartet nicht, dass Schawinski ersetzt wird. «SRF hat keine richtige Talkshow mehr im Programm. Die Zeit der alten weissen Männer ist vorbei. An ihre Stelle treten geschliffene, moderate Gesichter. Austauschbar, aber verlässlich. Tschüss Schawinski, hallo Gähnfernsehen», schreibt Padrutt.

 




4. Wann kommt die letzte Sendung?

Anfang Jahr oder sonst im Frühling 2020. So schreibt es SRF in der Mitteilung über das Aus vom Freitag. Der Grund für den unbestimmten Zeitpunkt liege auch in den künftigen Berufsplänen des Medienunternehmers. Wann auch immer definitiv Schluss ist: Roger Schawinski macht sich jedenfalls bereits Gedanken über den allerletzten Gast, wie er am Freitagmittag im Interview mit persoenlich.com erklärte: «Daran studiere ich tatsächlich schon herum, habe aber noch keine optimale Lösung gefunden».



5. Was macht Schawinski stattdessen? Was für berufliche Pläne hat er?

Ob er per Anfang Jahr oder erst im Frühling 2020 aufhört, sei deshalb unklar, weil Schawinski «ein Engagement an einer Universität in Aussicht habe, möglicherweise in den USA», schreibt die «NZZ am Sonntag». Wie Autor Benini weiss, hätte Schawinski dies gerne zugleich mit der Absetzung seiner Sendung kommuniziert. Aber einige Medien, darunter offenbar der «Sonntagsblick», wie der Sobli selber schreibt, hätten Wind davon bekommen, so dass SRF die Neuigkeit nicht länger zurückhielt, sondern sie am Freitag als Mitteilung veröffentlichte.

Hierzu recherchierte die «Sonntagszeitung» Hintergründe. Das Vorgehen sei mit SRF-Direk­torin Nathalie Wappler persönlich abgegesprochen gewesen – und zwar bereits im Mai bei einem gemeinsamen Treffen. Die TV-Direktorin habe Schawinski dabei eröffnet, dass das SRF seinen Vertrag, der jährlich erneuert werden musste, nicht mehr verlängern werde.



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Victor Brunner, 03.03.2020 16:53 Uhr
    Das Problem: SRF wird vom ganzen Volk und Unternehmen mit Zwangsgebühren finanziert und muss NIEMANDEM Rechenschaft ablegen! Frau Wappler und ihre Adlaten können schalten und walten wie sie wollen und das Wellnesszentrum Leutschenbach nach ihren Vorstellungen gestalten! Schawinski war hervorragend, peinlich, diktatorisch, saufrech, aber meistens sehenswert! Im Gegensatz zu Sendungen wie G&G, Garage 21, oder die langweilige ARENA mit den immer langweiligen PolitikerInnen mit den Modulsätzen!
  • HansBlatter, 03.03.2020 15:24 Uhr
    Ich habe keinen Fernseher Her Schawinski Ihre interesante Sendung schaue ich immer auf dem Inernet Warum hat das por and pity SRF diese ineresante Sendung ab 23 März nicht mehr im Programm????? Herr Schawinski Sie als inovativer und kreativer Unternehmer machen Sie diese Sendung als selbstandiger Unternehmer Machen Sie es wi Christoph Blocher machen Sie bitte diese interesante Sendung als TELE SCHAWINSKI ich bin sicher der Erfolg wäre garantiert und würde erst noch dem poor and pity SRF Beine machen Fruendliche Grüsse und in freudiger erwartung weiterhin diese interesante Sendung zu sehen grüsst Hans Blatter
  • Mary Geering, 04.10.2019 19:12 Uhr
    Logischer letzter Gast: Ein Spiegel.
  • Beat Aebi, 01.10.2019 22:24 Uhr
    50 Jahre Schawinski im Schweizer Fernsehen ist genug.......ich finde, es ist Zeit für frischen Wind. U20-jährige haben keine Ahnung mehr, wer dieser Mann ist. Er sollte endlich in den Ruhestand treten.
  • Urs Schumacher, 01.10.2019 12:16 Uhr
    Bravo, ich kann Andre und Eberhard nur beipflichten mit ihren Kommentaren über den nationalen Besserwisser! Seit der Sendung mit Daniele Ganser ist er für mich gestorben. Er ist ein opportuner Kapitalist welcher anscheinend keine Fragen mehr zum Weltgeschehen hat. Ganser, Jebsen u. andere sind Menschen die Hintergründe recherchieren aufdecken, zur Diskussion stellen. Der etablierte Medienhaufen in der Schweiz hält natürlich zusammen.... gibt als Wiederkäuer den verlogenen Newsbrei aus USA ans schlafende Volk weiter. Die wahren Verschwörungstheoretiker sind im Grunde genommen sie. Sie vertreten den Weihnachtsmann - die Erde ist eine Scheibe...und so solls bleiben!
  • Dörflinger André, 30.09.2019 15:17 Uhr
    Gottseidank wird diese Schawi-Aergersendung bald abgesetzt! Es war wirklich höchste Zeit, denn die schaute ich mir schon lange nicht mehr (ganz) an. Mehrmals hab' ich das den Betroffe-nen sogar brieflich mitgeteilt, denn per Email kommt sowas nie an. Schawi kanns nun mal nicht > den Gegenüber anständig be-fragen, nein, er flösst ihm gar noch die verquer gewünschte Antwort ein, um ihn dann erst zu überschwatzen: Er ist ein Egomane wie er im Buche steht > unbelehrbar besserwisserisch.
  • Peter Eberhard, 30.09.2019 09:15 Uhr
    Jetzt wäre die Gelegenheit, Schawinskis Selbstdarstellung durch eine GESPRÄCHS-Sendung zu ersetzen, in der der Moderator/die Moderatorin dem Gast Gelegenheit gibt, einen Gedanken zu Ende zu führen statt diesem ständig ins Wort zu fallen und sich selbst zu inszenieren. Dann hätten nämlich auch die Zuschauer etwas davon. Ich erinnere mich mit Wehmut an Günther Gaus (ARD), bei dessen Sendungen noch die Inhalte im Zentrum standen statt des ständigen "Ich weiss es besser".
  • Agnès Laube, 30.09.2019 08:46 Uhr
    Ältere weisse Männer trauern einem älteren weissen Moderator (74) nach, der noch das symbolisierte, was ‚echte Kerle‘ ausmacht: Aggressivität, Respektlosigkeit, Überheblichkeit. Es wäre schön, wenn einer, der die Medienlandschaft auch sehr bereicherte, in Würde abtreten könnte. Dieses Sendeformat hat sich überlebt.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang20200926

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.