Michael Wanner, AZ Medien übernimmt die NZZ-Anteile an der CH Media Holding per 1. April (persoenlich.com berichtete). Woher kommt das Geld dafür?
Die Transaktion ist solide finanziert. Einen substanziellen Teil der Finanzierung haben wir durch den Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Immobilien sichergestellt. Den Rest finanzieren wir über den laufenden Cashflow, weshalb es wichtig bleibt, dass wir unser Geschäft weiterhin profitabel betreiben.
Wie hoch war der Kaufpreis für die 35 Prozent?
Über die finanziellen Einzelheiten haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.
«Das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll»
Folgt nun im Herbst ein Stellenabbau, um die Übernahme zu refinanzieren?
Das ist nicht geplant. Wir haben im zurückliegenden Geschäftsjahr ein deutlich verbessertes Ergebnis erzielt. Diese positive Entwicklung haben wir uns in den letzten drei Jahren hart erarbeitet. Bei den Kosten zeigt sich, dass die Sparanstrengungen richtig und notwendig waren. So konnten wir die angestrebte finanzielle Gesundung erfolgreich abschliessen. Das Marktumfeld bleibt jedoch anspruchsvoll und ein striktes Kostenmanagement unerlässlich.
CH Media heisst das Joint Venture aus NZZ-Mediengruppe und der AZ Medien. Folgt bald die Umbenennung auf AZ Medien?
Unser Unternehmen wird weiterhin CH Media heissen. Auch unsere Ambition bleibt unverändert: Wir wollen das führende private Medienunternehmen der Deutschschweiz sein – mit klarer journalistischer DNA, starker regionaler Verankerung und unternehmerischer Eigenständigkeit.
Welche strategischen Entscheide waren durch die Doppelaktionärsstruktur bisher erschwert?
Es ist einfach für beide Seiten der richtige Zeitpunkt gekommen, wieder eigene Wege zu gehen. Das Joint Venture mit der NZZ war trotzdem goldrichtig. In einem strukturell rückläufigen Markt war die Bündelung der Kräfte ein logischer Schritt. Dank unserer Grösse konnten wir Skaleneffekte nutzen und gleichzeitig die Qualität steigern. Bestes Beispiel ist unsere Mantelredaktion.
«Das macht die Übergabe an die nächste Generation sicher etwas leichter»
Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt für die vollständige Übernahme?
Der Schritt war beidseits seit Längerem geplant. Das 2018 geschlossene Joint Venture hat seine Aufgabe erfüllt und war für beide Medienhäuser wertvoll. Die vollständige Rückführung des Unternehmens in Familienbesitz ist auch im Kontext des Generationenwechsels zu sehen, den wir gerade vollziehen. Für meinen Vater schliesst sich ein Kreis: Das Unternehmen ist wieder vollständig im Familienbesitz, das macht die Übergabe an die nächste Generation sicher etwas leichter.
Titel wie das St. Galler Tagblatt oder die Luzerner Zeitung kamen ursprünglich von der NZZ. Jetzt gehören sie Ihnen allein – ändert das etwas an der redaktionellen Ausrichtung dieser Marken?
Nein.
Was ändert sich für die Radio- und TV-Sender durch die vollständige Übernahme?
Tele1 und TVO waren nicht Teil der 35-Prozent-Beteiligung, sie gehören der NZZ. CH Media erbringt für beide Sender weiterhin redaktionelle und technische Dienstleistungen. Für Mitarbeitende und Publikum ändert sich nichts. Eine mögliche Übernahme in unsere Regionalsender-Familie wäre erst ein Thema, wenn die sogenannte 2+2-Regel fällt. Diese Regel limitiert heute die Anzahl konzessionierter Sender pro Unternehmen.
Laut Mitteilung plant CH Media ein neues Digitalangebot. Können Sie schon etwas verraten?
Dazu werden wir zu gegebener Zeit informieren.
Lesen Sie auch das erst kürzlich erschienene ausführliche Interview mit Michael Wanner zum Generationenwechsel bei CH Media.

