Wie grausam Medien Gewaltszenen darstellen und wie man darüber diskutiert, hat sich seit dem Altertum nicht verändert. Zu diesem Schluss kommt der Historiker Martin Zimmermann von der Universität München in einem kürzlich erschienenen Sammelband. "Die Diskussionen, ob man extreme Formen der Gewalt wie etwa die Folter bei Hinrichtungsopfern thematisieren soll oder nicht, ziehen sich durch die gesamte Geschichte des Abendlandes. So wie man bereits in Griechenland oder Rom darüber diskutierte, ist die Frage auch heute noch aktuell und wird in Zukunft immer bestehen bleiben", so der Autor gegenüber pressetext. Gegenüber der Darstellung extremer Gewalt sei generell Skepsis angebracht, da dabei in erster Linie Emotionen angesprochen statt Informationen vermittelt werden.
Extreme Gewalt ist heute in den Medien so präsent wie früher, so die These des Münchner Historikers. Die Darstellung etwa von Kriegshandlungen erfolge heute jedoch kontrollierter und mechanischer als früher, was auf einen Funktionswandel der Medien zurückzuführen sei. "Früher prahlte man mit Gräuelhandlungen der eigenen Soldaten und berichtete penibel, wie viele Tote und Verwundete es gab. Das war eine Chiffre dafür, dass man selbst stark genug war, um sich zu behaupten." Statt dem Sieg im Blutrausch stehe heute die legitime Selbstverteidigung im Vordergrund der Darstellung. "Zahlen über Verwundete auf eigener Seite lässt man aus dem Spiel, wie auch die Tötung von Menschen so gut wie nie vorkommt. Der Tod wird in Geschütznebel verhüllt und auf TV-Bildern vernimmt man nur donnerbegleitete Lichtblitze in der Dunkelheit."
Die Diskussion darüber, ob bestimmte Darstellungen von Gräueltaten angemessen seien, wurden oft von den Autoren selbst eingeleitet. Zwei verschiedene Standpunkte seien dabei stets aktuell geblieben. "Eine Seite wehrt sich davor, extreme Gewalt zu verschweigen, da dadurch die Reflexion ermöglicht werden soll. Die andere sieht in dieser Darstellung reine Affekterregung und macht sich für eine nüchterne Darstellung der Hintergründe stark. Aus der Beobachtung der Diskussion im Laufe der Geschichte schliesst Zimmermann, dass bei der Darstellung extremer Gewalt Skepsis stets angebracht sei. (pte)

