17.08.2003

Locarno

Goldener Leopard überraschend an Pakistan

Holly Hunter ausgezeichnet, Amiguet ohne Preis.

Die Internationale Jury des 56. Filmfestivals Locarno hat den Goldenen Leoparden, den Hauptpreis des Festivals, überraschend an den pakistanischen Film "Silent Water" von Sabiha Sumar vergeben. Der erste Spielfilm der 42-jährigen Pakistanin, der als letzter Wettbewerbsbeitrag lief, gehörte nicht zu den Favoriten. Die Jury habe aber einstimmig entschieden, sagte das Festival auf Anfrage.

"Silent Water" ("Khamosh Pani") ist eine pakistanisch-französisch-deutsche Koproduktion. Sumar hat in den USA und in Grossbritannien studiert und für das britische Fernsehen gearbeitet. "Silent Water" spielt 1979 zur Zeit der Umwandlung von Pakistan in einen islamischen Staat. Sumar erzählt, basierend auf wahren Gegebenheiten, die Geschichte einer Mutter, deren 18-jähriger Sohn mehr und mehr vom islamischen Fundamentalismus fasziniert ist. Mit wenig Mitteln und in eindringlichen Bildern schildert sie das Leben in einem Staat zwischen Tradition und Moderne.

Die weiteren Preise gehen an die Wettbewerbsbeiträge aus Rumänien, Bosnien-Herzegovina und den USA, die alle als Favoriten gehandelt worden waren. Den zweiten Preis, ein Silberner Leopard, hat die Jury der bosnischen Tragikomödie "Gori Vatra" von Pjer Zalica zugesprochen. Beleuchtet werden Leben und Treiben in einer bosnischen Kleinstadt. Der angekündigte Besuch des US-Präsidenten Clinton versetzt die Bewohner in hektische Aktivitäten. Regisseur Zalica sorgt mit bizarrer Komik für Spannung. Zudem begeistern die Intelligenz der Dialoge und der Situationsbeschreibungen.

Der Silberne Leopard für das beste Erstlings- oder Zweitlingswerk geht an "Thirteen" von Catherine Hardwicke aus den USA, die zwei pubertierende Girlies beobachtet. Die Schauspielerin Holly Hunter erhält für ihre eindrückliche Interpretation der überforderten Mutter einen Darstellerinnenpreis.

Die weiteren Darstellerinnen-Preise gehen an Diana Dumbraya im Erstlingsfilm "Maria" von Calin Netzer aus Rumänien, der zudem den Spezialpreis der Jury erhält, und an Kirron Kher im Gewinnerfilm "Silent Waters" aus Pakistan. Dumbraya spielt eine junge Mutter, die, um ihre sieben Kinder ernähren zu können, als Prostituierte arbeiten muss. Alle drei Darstellerinnenpreise gehen also, wie Festivaldirektorin Irene Bignardi bemerkte, an "Mütter in Schwierigkeiten". Der Leopard für den besten Darsteller geht an Serban Ionescu, den Hauptdarsteller im rumänischen Film "Maria".

Schliesslich hat die Jury noch Lobende Erwähnungen an den japanischen Wettbewerbsbeitrag "The Hairdresser" von Masahiro Kobayashi und den iranischen Film "Tiny Snowflakes" von Ali-Reza Amini vergeben. Leer ausgegangen ist der einizge Schweizer Beitrag in Wettbewerb, "Au sud des nuages" des Westschweizers Jean-François Amiguet. Ebenfalls ohne Preisgewinn blieb der südkoreanische Film "Spring, Summer, Fall, Winter and Spring" von Kim Ki-duk, der den grössten Applaus des Festivals erhalten hatte und als Favorit galt.


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