Google springt auf den Trend der boomenden Internet- Kurzmitteilungen auf - und will Ordnung in die Informationsflut bringen. Der neue Dienst "Google Buzz" soll nicht nur die Nachrichten von Bekannten eines Nutzers verfolgen, sondern sie auch nach Relevanz auswählen. Auf mobilen Geräten mit GPS-Ortung - wie Handys mit Googles Betriebssystem Android - würde zum Beispiel der Aufenthaltsort berücksichtigt, erläuterten Google-Manager zur Vorstellung des Projekts am Dienstag in San Francisco.
Google Buzz baut auf die Mail-Dienste GMail und Googlemail des führenden Suchmaschinen-Betreibers auf. Es ist ein direkter Vorstoss ins Geschäft des populären Kurzmitteilungs-Dienstes Twitter und des weltgrössten Online- Netzwerks Facebook. Um gegen die etablierten Konkurrenten zu Punkten, will Google mehr Komfort bieten. So sollen Bilder und Videos, die sich normalerweise hinter Link- Verweisen verstecken, automatisch geöffnet werden. Nachrichten, die viele Nutzer für interessant befanden, sollen in der Liste automatisch höher auftauchen als belanglose Informationen.
Twitter integriert
Mitteilungen aus Twitter sollen auch bei Google Buzz einfliessen, hiess es. Aus dem Google-Dienst Informationen bei Twitter reinstellen dürfte man aber erst in späteren Versionen können. Integriert sind auch Foto-Dienste wie Flickr und Picasa. Facebook fehlt dagegen in der Liste der genannten Partner. Die schnellen Kurznachrichten sind ein Trend, der die Kommunikation im Internet immer stärker prägt. So wurde der stete Strom der "Updates" immer wichtiger für die inzwischen rund 400 Millionen Facebook-Nutzer, die so über das Leben ihrer Online-Freunde auf dem Laufenden bleiben.
Twitter wuchs 2009 schnell und hat nach neuesten Schätzungen zwischen 25 und 30 Millionen Nutzer - die Zahlen gehen jedoch zum Teil weit auseinander. Googles Mail-Angebote besuchen laut dem Marktforscher Comscore pro Monat 176 Millionen Nutzer. Google war bereits zuvor auf den Mitteilungs-Trend eingeschwenkt: Twitter- Nachrichten tauchen inzwischen immer häufiger in Echtzeit bei Suchanfragen auf. Mit Google Buzz startet der Internet-Konzern jedoch erstmals ein umfassendes Produkt.
Letztlich geht es um die Aufmerksamkeit der Nutzer: Nur wer Zeit auf einer Website verbringt, kann auch durch Werbung angesprochen werden - und Internet- Werbung ist die zentrale Einnahmequelle von Google. Der permanente Strom von Nachrichten der Facebook-Freunde bindet die Millionen Nutzer derzeit zum Beispiel auf der Seite des Online-Netzwerks, bei dem Google- Konkurrent Microsoft die Werbung verkauft. (sda)

