14.01.2009

Gaza-Medienblockade

Heftige Proteste bei Medienorganisationen

Andauernde Zensur bringt Medienteams auf kreative Ideen.

Das weiter andauernde Verbot der israelischen Regierung, ausländische Nachrichtenkorrespondenten in den Gazastreifen vorzulassen, löst in den Reihen der internationalen Medienorganisationen zunehmend heftige Proteste aus. Seit dem Start der militärischen Kampagne gegen die Hamas vor mittlerweile mehr als zwei Wochen gestattet die Israel Defence Force lediglich humanitären Hilfsorganisationen die Überquerung der Erez-Kreuzung, die die Grenze zum palästinensischen Autonomiegebiet markiert.

"Das Ausmass der Einmischung und Behinderung durch die israelische Mediensperre ist beispiellos und sehr frustrierend", stellt Dominic Wagthorn, Korrespondent für den Nahen Osten beim britischen Nachrichtensender Sky News, gegenüber dem "Guardian" fest. "Wir halten alle an zu verstehen, dass Gaza gegenwärtig ein Kriegsgebiet ist. Deshalb erlauben wir auch keinen freien Zugang zu dieser Region", rechtfertigt ein Sprecher der israelischen Botschaft in London das Vorgehen.

Um ein Ende der Sperrung des Gebiets herbeizuführen, hat Reporter ohne Grenzen (ROG) kürzlich einen Aufruf an die israelische Regierung gestartet, der mittlerweile bereits von über 100 internationalen Medienvertretern unterzeichnet worden ist. "Die israelische Regierung zensuriert den Krieg", kritisiert auch David Mannion, Chefredakteur beim kommerziellen britischen TV-Sendenetzwerk ITV. Die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press würden zwar auch weiterhin Bildmaterial aus dem gesperrten Gazastreifen liefern können. Da er mit seiner gesamten Nachrichten-Crew an der Grenze festhänge, sei es aber nahezu unmöglich, den tatsächlichen Wahrheitsgehalt der zu Tage geförderten Informationen zu überprüfen.

"Wenn Israel behauptet, dass die Hamas ihre Raketen aus einem Schulgebäude abfeuert, dann lasst uns hinein, um das zu verifizieren. Offen gesagt ist es ziemlich erbärmlich für eine Demokratie, wenn sie uns davon abhält, diese Region für eine Berichterstattung zu betreten", fasst Mannion die Kritik der internationalen Medienvertreter vor Ort zusammen.

Die Hartnäckigkeit der Medienblockade des Gazastreifens durch die israelische Armee hat einige internationale Medienteams auf kreative Ideen gebracht, wie sie doch noch an Nachrichtenmaterial aus dem gesperrten Gebiet kommen können. So beschäftigt der britische Sender Channel 4 einem Bericht des "Guardian" zufolge inzwischen ein eigenes palästinensisches Team von Kameraleuten und Produzenten, die direkt vor Ort angeheuert worden sind, um aus der hermetisch abgeriegelten Gaza-Region zu berichten. (pte)


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