Sie lösen Pierre Lamunière als CEO ab, Ihr früherer Vorgesetzter wird aber Präsident der Edipresse-Gruppe bleiben. Wer hat bei Edipresse nun wirklich das Sagen?
Pierre Lamunière und ich werden auch künftig sehr eng zusammenarbeiten. Die Verteilung der Kompetenzen ist dabei klar geregelt. Lamunière geht ja nicht in den Ruhestand, sondern bleibt Präsident des Verwaltungsrates und auch Verleger. Ich bin im Gegenzug für alle operativen Angelegenheiten zuständig.
Welche Entscheidungen müssen Sie mit Herrn Lamunière absprechen?
Akquisition oder Neulancierungen sowie wichtige Relaunches von grösseren Titeln gehören in die Entscheidungsgewalt des Verlegers. Ich bereite die Projekte vor, letztendlich aber liegt die Entscheidung beim Verwaltungsrat. Die Zusammenarbeit zwischen Lamunière und mir beginnt früh. Wichtige Schritte werden nur unternommen, wenn wir beide finden, dass sie zu unserer Strategie passen. Die Erstkontakte geschehen dabei immer gemeinsam. Wir sprechen zudem die Kontrolle der Ergebnisse und der Zielsetzungen miteinander ab, ebenso wichtige Personalentscheide wie die Ernennung der Country-Manager und der Chefredaktoren der grösseren Titel.
Man hört, Edipresse wolle neu eine deutschsprachige Version der Frauenzeitschrift Femina herausgeben. Was ist dran an den Gerüchten?
Wir würden es schon begrüssen, ein Pendant zu Femina in der Deutschschweiz herauszugeben. Jedoch möchten wir dies nicht alleine tun. Der effizienteste Weg wäre es, wenn wir Femina einer grossen Zeitung beilegen könnten.
Mit welchem Verlag würden Sie gerne eine Partnerschaft eingehen?
Konkrete Gespräche haben noch nicht stattgefunden. Für uns interessant sind jene drei Verlage, die Sonntagszeitungen herausgeben. Ein jeder hat eine eigene Strategie, doch nicht für jeden ist eine Zusammenarbeit mit uns von höchster Priorität.
Wie wichtig ist Ihnen denn ein Engagement in der deutschen Schweiz?
Wir besitzen ein natürliches Interesse an diesem Markt und könnten uns einen Markteintritt gut vorstellen. Jedoch stellt dieser Schritt für uns keine Obsession dar, sondern vielmehr eine von mehreren Wachstumsoptionen. Die deutsche Schweiz betrachten wir im Übrigen wie einen ausländischen Markt, zumal sprachliche Schwierigkeiten bestehen. Der Markt ist überdies weitgehend gesättigt und weist nicht ein Potential auf, das mit anderen Ländern in Europa vergleichbar ist. Trotzdem: Wir betrachten die Marktentwicklung sehr aufmerksam und erwägen mögliche Opportunitäten.
Vor zwei Wochen hat die Weko grünes Licht für die Homegate-Kooperation mit Tamedia gegeben. Wie weit geht die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verlagshaus?
Wir machen uns Gedanken über weitere Partnerschaften im Rubrikengeschäft, etwa im Stellenanzeigenmarkt. Entschieden ist aber noch nichts, was über die Zusammenarbeit im Immobiliengeschäft hinausgeht.
Sind noch andere Kooperationen in Aussicht?
Tamedia verfügt im Stellenanzeigenmarkt über Jobwinner, wir besitzen in der Romandie jobup.ch. Eine Zusammenarbeit dieser beiden Plattformen auf nationaler Ebene wäre erstrebenswert. Ebenso sehe ich Kooperationsmöglichkeiten auf dem Kaderstellenmarkt.
Und in redaktioneller Hinsicht?
Wir haben zuvor über das Frauenmagazin Femina gesprochen. Tamedia besitzt die Sonntagszeitung... Warum also nicht? Doch sprechen Sie darüber besser mit Martin Kall. Nicht zu vergessen ist im Übrigen unsere Partnerschaft mit Ringier für die Zeitung Le Temps. Die Verbindungen zur Tamedia haben also keinen exklusiven Charakter.
Die grossen deutschen Verlage drängen in den osteuropäischen Markt, wo Edipresse eine ganze Reihe von Titeln besitzt. Haben Sie eine Chance gegen diese Konkurrenz zu bestehen?
Ja das glauben wir schon. Wobei der Wettbewerbsdruck in einigen Ländern aufgrund der deutschen Anbieter tatsächlich stark zugenommen hat. So etwa in Polen, einem Markt, welchem die deutschen Verlage offensichtlich höchste Priorität einräumen. Es wird also nicht einfach sein, unsere Marktposition zu halten. In einer ganzen Reihe von Ländern wie der Ukraine, Rumänien oder Russland, bekommen wir im Gegensatz dazu die deutsche Konkurrenz kaum zu spüren.

