29.04.2010

Tablet-Markt

Hewlett-Packard kauft Palm

Komplette Neuausrichtung der mobilen Strategie.

Der Krimi um den maroden Smartphone-Pionier Palm ist vorüber. HP kauft das Unternehmen um 1,2 Milliarden Dollar. Das gab der riesige Computerkonzern mit über 300'000 Angestellten in der Nacht auf Donnerstag bekannt. Mit dem Kauf richtet HP seine mobile Strategie neu aus (Lesen sie dazu nächste Woche auf "persoenlich.com" exklusiv das ausführliche Interview mit dem europäischen Marketingverantwortlichen Hajo Blingen). Denn mit den bisher unter ihrem Wert geschlagenen Palm Pre und Pixi kann HP nicht nur vielversprechende Smartphone-Modelle in sein Portfolio integrieren. Das ebenfalls von Palm entwickelte mobile Betriebssystem webOS könnte HP auch den Einstieg in die Tablet-Welt ebnen.

webOS statt Windows und Android

"HP versucht seit längerem mehr oder minder erfolglos, einen Fuss in die Smartphone-Welt zu setzen. Mit webOS eröffnet sich für HP nun die Chance, mit einem eigenen leistungsstarken Betriebssystem fernab von Android oder Windows auch im Tablet- und Netbook-Segment zu punkten", kommentiert Gartner-Analystin Carolina Milanesi im Gespräch mit pressetext. "Über Nacht wird diese Strategie sicher nicht aufgehen. Der Kauf ist als Investition auf lange Sicht zu werten."

Der letztlich doch überraschende Verkauf an HP - zuletzt waren vor allem HTC, Lenovo und Dell im Gespräch - ist symptomatisch für eine grundlegend veränderte Computerbranche. Was der einstmals reine Computerhersteller Apple mit der Erweiterung seines Portfolios um iPod und iTunes sowie aktuell dem iPhone und iPad bereits seit Jahren vormacht, wird nun auch für Computerhersteller wie HP und Dell eine zunehmende Notwendigkeit, um in der digitalisierten mobilen Welt erfolgreich zu bleiben.

IT-Zukunft ist mobil

"Am grossen Trend Mobility kommt kein Hersteller vorbei. Die Leute wollen Computertechnologien auf verschiedensten Endgeräten nutzen und mobilen Zugang haben. HPs Ansatz unterscheidet sich insofern von anderen Herstellern, dass sie offensichtlich selber über das Know-how verfügen und die Geräte selbstständig entwickeln wollen", meint Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Macquarie, gegenüber pressetext. Dass es HP in Bezug auf seine mobile Strategie nun ernst meine, sei aufgrund der nicht unerheblichen Investition jedenfalls klar ersichtlich.

Als grösste Herausforderung, um gegenüber Apple, aber auch der Android-Plattform bestehen zu können, gilt neben der Usability und entsprechenden Produkten vor allem aber das dahinter stehende Ökosystem, sprich Applikationen und eine Entwicklerbasis. "Hier sehe ich die größte Herausforderung für HP. Letztlich ist auch Palm daran zerbrochen, dass man aufgrund der geringen User-Zahlen einfach zu wenige Applikationsentwickler für die eigene Plattform gewinnen konnte", sagt Gartner-Analystin Milanesi. (pte)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen