14.07.2020

Serie zum Coronavirus

«Ich besuche keine Mediaagenturen mehr»

Folge 85: Rainer Kuhn hat trotz Krise die zweite Ausgabe seiner Zeitschrift The Influencer herausgegeben. Im Interview spricht er über das nachhaltigste Medium Print und seine Testimonial-Jobs.
Serie zum Coronavirus: «Ich besuche keine Mediaagenturen mehr»
«Wenn etwas wirklich Einfluss haben will, dann muss es gedruckt sein»: Rainer Kuhn. (Bild: Jan Hedlund)
von Matthias Ackeret

Herr Kuhn, Ihre Zeitschrift «The Influencer» ist nun zum zweiten Mal erschienen. War es ein grosser Hosenlupf?
Nein. Inhaltlich und formal sowieso nicht. Und dank den Leuten von Schweiz Tourismus am Ende auch finanziell nicht.

Wie hat sich die Influencerszene in der Coronazeit entwickelt?
Keine Ahnung. Die Influencerszene interessiert mich nicht so.

Sie schreiben auf Ihr Magazin «print only». Ist dies nicht ein Widerspruch zum Influencergewerbe?
Das Influencergewerbe interessiert mich ebensowenig wie die Influencerszene. The Influencer ist ein Interviewmagazin. Mich interessieren Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben, abseits des Mainstreams, wie sie geworden sind, was sie sind, wieso sie machen, was sie machen, woher sie kommen und wohin sie wollen. Es geht ums Verstehen, um Inspiration. Und wenn etwas wirklich Einfluss haben will, dann muss es gedruckt sein. Es gibt kein nachhaltigeres Medium als Print.

index1_1

Wie vertreiben Sie Ihr Heft?
Am Kiosk und über unsere Website.

Sie haben in den neunziger Jahren «Kult» erfunden. Inwiefern hat sich für Sie die Medienlandschaft verändert?
Gute Medien sind rar geworden.

Anzeigenmässig?
Der Werbemarkt hat sich definitiv von der Leserschaft verabschiedet. Das Ganze ist ein datengetriebenes, seelenloses Konzernbusiness geworden. Ich besuche keine Mediaagenturen mehr.  

Sie selber sind in verschiedenen Werbekampagnen zu sehen, unter anderem für Welti Furrer aber auch für Wallis Tourismus. Wie waren die Reaktionen darauf?
Wie die Reaktionen halt so sind: «Hey, ich hab dich in dieser Werbung für .... gesehen!». Bei der Welti-Furrer-Kampagne war ich Dali. Da hat mich keiner erkannt.

Wie verläuft Ihre Musikkarriere mit Beglinger?
Ich schreibe zurzeit keine neuen Songs. Mach ich dann wieder, wenn mir was neues einfällt.

Wo verbringen Sie Ihre Ferien? Wohl im Wallis.
Auch.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Der Verlust der öffentlichen Debatte und der damit zusammenhängende Zerfall der Gesellschaft.

 


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier. 

 

 



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang20200813

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.