21.08.2009

"Ich bin eine Sexbombe, genau wie Shawne Fielding oder Patty Boser"

Seit Ende letzten Jahres gibt es in der Schweiz den direkten und PR-freien Promiklatsch: Mit klatschheftli.ch haben Amber Steele und BJ Hyatt einen Blog ins Leben gerufen, der vor Missen und Mistern kein Blatt vor den Mund nimmt. Das Portal hat einen regelrechten Blitzstart hingelegt und kann im Juli 2009 bereits über 25'000 Unique Clients vorweisen. "persoenlich.com" hat sich mit den Machern über die Motivation, öffentlich über Prominente zu lästern, und über die Daseins-Berechtigung des Blogs unterhalten: "Was glanz&gloria nicht sagen darf, sagen wir". Das Klatsch-Interview:
"Ich bin eine Sexbombe, genau wie Shawne Fielding oder Patty Boser"

Was reizt eine 29-jährige Unternehmerin und einen 50-jährigen Medienberater daran, über Promis abzulästern?

Amber Steele: Ich bin nicht Unternehmerin, aber lassen wir das...

- BJ Hyatt: Ich bin nicht Medienberater, aber lassen wir das...

- AS: Geschichten und dazu ein Glas Proseccöli sind einfach meine Welt

- BJ: Was uns daran reizt? Also reizen tut uns eigentlich gar nichts. Wir machen das im Dienste der Gesellschaft. Jemand muss ja mal die Wahrheit ans Licht bringen.

Gibt es in der Schweiz nicht schon genug Klatschpresse?

BJ: Das ist doch alles Kuschel-Klatsch. Wenn du nett bist zu mir, bin ich nett zu dir. Guteidgenössische Konkordanz.

Wie entstand die Idee, einen Klatsch-Blog wie klatschheftli.ch ins Leben zu rufen?

AS: Uns war langweilig. Ein grauer Dezember-Nachmittag und im Fernsehen lief auch nichts Rechtes. Kein Rosamunde Pilcher-Film, keine Ärzte-Serie, rein gar nichts.

- BJ: Also fröhnten wir etwas unserem Hobby – Domains registrieren. Da stiessen wir doch glatt auf klatschheftli.ch. Diese Domain mussten wir einfach haben.

- AS: Und so ergab sich eins ums andere. Blog einrichten, schreiben, fertig.

Im Juli 2009 verzeichnete klatschheftli.ch bereits 25'000 Unique Visitors. Die Userzahlen sprechen für sich. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

BJ: Ganz einfach, Klatsch. Gemäss Michael Horx, Deutschlands bekanntestem Zukunfstforscher, ist die Boulevardisierung der Medien ein unaufhaltsamer Trend – Boulevard 2.0 nennt er das.

- AS: Und Facebook hat uns enorme Dienste erwiesen, um klatschheftli.ch rasch und nachhaltig bekanntzumachen. Deshalb auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön an Mark Zuckerberg.

Wie ist das Feedback generell. Kommt Ihre Arbeit gut an?

BJ: Anscheinend schon, sonst wären wir ja nicht so schnell gewachsen. Die Reaktionen sind weitgehend positiv, teils geradezu euphorisch. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass viele Leute unseren eher schrägen "sense of humour" nicht wirklich teilen.

- AS: klar gibt es immer wieder den einen oder anderen Kostverächter. Oder auch solche, die schlicht die Pointe übersehen. Aber wir wollen es ja auch nicht allen recht machen. Im Grunde schreiben wir immer noch für uns – aus reinem Spass an der Sache.

Ihr schreibt nicht Euren eigenen Namen unter Eure Promi-Attacken, sondern agiert als Pseudonyme. Feigheit oder Marketing-Strategie?

AS: Feigheit, nichts als Feigheit!....Nein, natürlich nicht. Wir wollten Kunstfiguren aufbauen, die auch als solche wahrgenommen werden.

- BJ: Ich kann eigentlich nur jedem empfehlen, sich sein alter ego aufzubauen. Das hat eine geradezu therapeutische Wirkung. Damit lässt es sich so richtig schön spielen.

- AS: Aber selbstverständlich stehen wir zu dem, was wir schreiben.

Gegenüber der "SonntagsZeitung" haben Sie einmal gesagt, die virtuellen Charaktere Amber Steele und BJ Hyatt seien viel interessanter als Sie selbst. Was ist denn so spannend an Euren Pseudonymen?

AS: Warum fragen Sie uns nicht, was denn an unseren richtigen Personen so langweilig ist? Wir wüssten es eigentlich auch nicht...

- BJ: Eben, die Möglichkeit, zu spielen. Die Möglichkeit, sich eine in der Phantasie erdachte Aura zuzulegen. Die Amber, das ist doch eine richtig überdrehte Tussi, die sich von Proseccöli und Latte Macchiatöli ernährt. Und auch sonst gerne mit dem "jö härzig"-Faktor spielt.

- AS: Und der BJ als Ritter mit seinem tollen Schwert ist so wunderbar absurd. Ohne jeglichen Hintergrund. Die zwei Kunstfiguren Amber Steele und BJ Hyatt sind eigentlich richtige Freaks. Und die sind nun mal spannender, als wir Normalsterblichen.

Amber Steele, der Name stammt von einer Pornodarstellerin. Warum wählten Sie gerade diesen als Pseudonym?

AS: Ich bin eine Sexbombe, genau wie Shawne Fielding oder Patty Boser.

BJ Hyatt ist eine Anlehnung an den berühmt berüchtigten US-Promiblogger Perez Hilton. Ihr Vorbild?

BJ: Nicht wirklich. Ich kenne den nur vom hören sagen. Promis interessieren mich eigentlich überhaupt nicht. Aber weil ich wusste, dass die USA ihren Hilton haben, erfand ich für die Schweiz den Hyatt.

Warum schreiben Sie denn ausgerechnet über Promis, wenn diese Sie überhaupt nicht interessieren?

AS: Eben, genau deshalb.

- BJ: Was uns amüsiert, ist das ganze Drumherum, diese z.T. schon krankhafte Selbstinszenierung. Auffallen um jeden Preis.

Haben Sie sich von den US-Klatschbloggern inspirieren lassen?

AS: Ja, und von den kanadischen auch.

- BJ: Also wenn, dann nur sehr begrenzt. Die Idee entstand ja wirklich aus dem Nichts, ohne jeglichen Plan, ohne Ziele, ohne bestimmte Absicht. Einfach so und nur zum Spass.

- AS: dass wir so schnell Erfolg haben könnten, daran haben wir nicht einmal im Entferntesten gedacht.

Ist die Schweiz für solchen Blog-Klatsch wie er in den USA zelebriert wird überhaupt tauglich? Ist die Schweiz nicht zu klein?

AS: Für einen Medienbranchendienst wie persoenlich.com ist die Schweiz ja auch nicht zu klein. Und sagen Sie uns jetzt nicht, dass Ihr Name Corinne Bauer nicht eine Anlehnung an Shooting-Cervelatpromi Corinne Müller sei.

- BJ: Die Schweiz ist doch eigentlich für alles zu klein. Und gerade deshalb existierte wohl ein vergleichbares Format noch gar nicht. Aber für unser Hobby – und klatschheftli.ch ist ja nichts anderes als das – reicht uns der Schweizer Markt alleweil.

Sie sind noch nicht lange im Geschäft. Kommentieren Sie einfach, was in den anderen Medien so geschrieben wird, oder haben Sie auch Ihre Quellen und ab und zu Primeurs?

BJ: Wir kommentieren nicht, was in anderen Medien geschrieben wird, wir übersetzen. Was z.B. glanz&gloria vermutlich nicht sagen darf, sagen wir. Teils schreiben wir die Geschichten einfach neu, teils erfinden wir sie auch. Aber natürlich so, dass das auch klar ersichtlich ist.

- AS: Je länger, je mehr, werden uns immer wieder Geschichten gesteckt oder Bilder zugesandt. Aber auch selbst sind wir schon auf Geschichten gestossen, die als Primeurs von anderen Medien aufgegriffen worden sind.

Zum Beispiel?

AS: Die Geschichte zur Miss 1291, eine Facebook Gruppe für eine der Miss Schweiz 2009 Kandidatinnen. Oder die YouTube Videos von Lauriane Gilléron und Nadine Vinzens. Oder auch die Trennung von Cécile Bähler.

Sie sind langsam selbst berühmt, wie schaffen Sie es, unscheinbar und von den Promis unerkannt zu bleiben?

BJ: Man kennt Amber Steele und BJ Hyatt. Also schicken wir an die Anlässe immer unsere Erfinder. Und die kennt jetzt wirklich kein Promi, weil die sich für Promis persönlich gar nicht interessieren.

- AS: Nach ein, zwei Proseccöli erkenne ich mich selbst fast nicht mehr, wie sollte mich da jemand anderes erkennen?

Haben Sie schon Einträge im Nachhinein abgeändert, weil sich Agenten von Prominenten beschwerten?

AS: Ja, aber nicht immer sind es Agenten, die sich bei uns melden. Manchmal sind es auch die Promis selbst. Damit wir das aber machen, muss schon ein triftiger Grund vorliegen.

- BJ: Geändert haben wir bis jetzt eigentlich nur einen Beitrag, als reine Goodwill-Aktion, denn ehrverletzend war an diesem Beitrag, wie behauptet, rein gar nichts. Das wurde wohl als Einladung verstanden, weitere solche Forderungen zu stellen, worauf wir dann nicht mehr eingegangen sind, weil völlig unbegründet. Zwei oder drei Beiträge von anderen Autoren haben wir gelöscht, weil sie von Personen handelten, die keine öffentlichen Personen sind.

Den Missen ist auf dem Blog mit "Missen Dissen" eine eigene Kategorie gewidmet. Besteht die Schweizer Prominenz praktisch nur aus Missen?

AS: Sie haben es erfasst: Missen und Money Girls. Aber vergessen Sie bitte die Mister nicht. Für sie gibt’s ja auch die Rubrik "Misters Disters".

- BJ: Das ist natürlich schon ein zentrales Thema für uns. Was in dieser kleinen Alpenrepublik an Missen und Mister gewählt wird, das geht doch auf keine Kuhhaut. Richtig amüsant wird es aber dann, wenn z.B. eine Miss Zentralschweiz Finalistin oder ein Mr. Bern Finalist in den Olymp unserer Nationalwurst erhoben wird.

- AS: Genau, das ist immer ein gefundenes Fressen und zeigt, wie arm die Schweiz eigentlich an echten Promis ist.

(Interview: Corinne Bauer)


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