05.07.2021

SRF 10vor10

«Ich bin ich»

Franziska Egli ist seit über einem halben Jahr im Moderationsteam von «10vor10». Ein Gespräch über den Wechsel auf die andere Seite der Kamera, Hass im Netz bei der «Arena» und den Vergleich mit Eva Wannenmacher.
SRF 10vor10: «Ich bin ich»
Franziska Egli leitet die Redaktion der «Arena». Seit Ende November 2020 moderiert sie ausserdem im Turnus mit Arthur Honegger, Bigna Silberschmidt und Urs Gredig SRF «10vor10». (Bild: SRF/Oscar Alessio)
von Loric Lehmann

Frau Egli, Sie haben wie Ihre Kollegin Bigna Silberschmidt mitten während der Pandemie die Tätigkeit als «10vor10»-Moderatorin aufgenommen. Bei ihr war es während der ersten Welle, bei Ihnen während der zweiten. Wie war das?
In Bezug auf Corona stellte sich bereits etwas Routine ein. Es war schon nicht mehr so wie in der ersten Welle, als die Umstände für das Team neu und ungewohnt waren. Die Maskenpflicht war schon etabliert, das Arbeiten von zu Hause aus war ebenfalls geregelt. Die Situation war, so speziell sie auch immer noch ist, damals schon nicht mehr so speziell.

Was für Rückmeldungen bekamen Sie?
Ich bekam viel positives Feedback, aber natürlich auch negatives. Wie: Bewegen Sie Ihren Kopf weniger (lacht). Ratschläge, die mir auch halfen. Aber auch Rückmeldungen von Leuten, denen ich offenbar weniger gefallen habe. Das ist halt immer auch Geschmackssache.

Der Blick hat über Sie geschrieben, Sie seien sehr bescheiden, würden sich «hinter die Nachrichten stellen und nicht davor» (persoenlich.com berichtete). Ausserdem verglich sie der Journalist mit Eva Wannenmacher. Was halten Sie von solchen Vergleichen?
Wie soll ich sagen. Ich bin ich. Und Eva Wannenmacher ist Eva Wannenmacher.

«Man ist natürlich exponierter»

Sie sind schon seit 13 Jahren für SRF tätig. Erst bei «Schweiz aktuell», dann bei der «Arena», deren Redaktion sie seit 2018 leiten. Wie gestaltete sich dieser Wechsel auf die andere Seite der Kamera?
Die Moderation von «10vor10» ist natürlich schon ganz etwas anderes. Ob man jetzt die Stimme im Knopf im Ohr von jemandem ist oder ob man selber dort steht: Das ist nicht der gleiche Job. Er ist aber genauso anspruchsvoll und wichtig. Und man ist natürlich exponierter.

Wie war der Wechsel zwischen den Formaten?
Die «Arena» ist eine Wochensendung, bei der man Woche für Woche für die bestmögliche Sendung am Freitag arbeitet. Man hat Zeit für ausführliche Recherchen und gleichzeitig kann währenddessen viel passieren bis Freitag. Während «10vor10» thematisch viel breiter ist, nur schon, weil der Auslandteil dazukommt. Dann die Tagesaktualität, die die Newssendung auszeichnet: Das sind ganz andere Bedingungen.

Für Ihre Tätigkeit bei «10vor10» sind Sie 20 Prozent angestellt, während die Redaktionsleitung der «Arena» 80 Prozent umfasst. Wie gut gehen diese Tätigkeiten nebeneinander?
Es funktioniert sehr gut, auch weil Sandro Brotz die Redaktionsleitung während meiner Abwesenheit als Stellvertreter ausführt. Ich kann mich während meiner Moderationstätigkeit voll und ganz auf ihn verlassen und mich nur darauf fokussieren.

«Wenn man sich aus dem Fenster lehnt, muss man auch mit Reaktionen rechnen»

Hat sich Ihr Blick durch Ihre Erfahrungen vor der Kamera auf die Arbeit für die «Arena» geändert?
Nicht unbedingt. Als ich bei der «Arena» 2013 angefangen habe, machten Urs Wiedmer und Sonja Hasler die Moderation. Später habe ich dann Jonas Projer als seine Stellvertreterin eng begleitet. Ich war stets sehr nahe an diesen Leuten dran. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man diese Empfindungen vor der Kamera selber hat und diesen Druck selber spürt. Grundsätzlich hat sich mein Blick auf das Geschehen vor der Kamera aber nicht komplett verändert.

Ende April sorgte ein kontroverser Tweet von Sandro Brotz für harsche Kritik in den sozialen und auch den klassischen Medien. Daraufhin sprach sich Brotz gegen Hass im Netz aus. Spüren Sie das nun auch stärker, dass Ihnen mehr Hass entgegenschlägt, seit Sie mehr im Licht der Öffentlichkeit stehen?
Im Gegensatz zu ihm bin ich nicht so präsent auf Social Media. Wie er das macht, finde ich super. Klar, es ist aber halt auch so, dass, wenn man sich aus dem Fenster lehnt, man auch mit Reaktionen rechnen muss. Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Ton seit Corona nochmals um einiges rauer geworden ist, das bekomme ich auch bei der «Arena» mit.

Und Sie selber?
Mich betrifft es weniger. Ich bin aber nicht wegen diesem Hass auf Social Media so wenig präsent, sondern weil ich mit diesen zwei Tätigkeiten für SRF und einem kleinen Kind zu Hause schlicht nicht wüsste, wann ich dies auch noch tun sollte.

«Man soll niemals nie sagen»

Diese Social-Media-Präsenz braucht wohl viel Zeit.
Das wird oft unterschätzt, der Aufwand ist immens. Ausserdem finde ich, wenn man präsent ist, soll man auch mit den Zuschauenden in einen Dialog treten. Was meine Kolleginnen und Kollegen tun, kann ich im Moment also aus zeitlichen Gründen schlicht nicht leisten.

Sie sagen also, dass Sie gar nie so stark im Kreuzfeuer stehen, weil Sie sich in den sozialen Medien nicht so exponieren?
Ich glaube, je präsenter man auf diesen sozialen Plattformen ist, desto mehr Reaktionen löst man dort auch aus. Positiv wie negativ.

Zum Schluss: Ihre Vorgängerin Susanne Wille war insgesamt gut 13 Jahre Moderatorin bei «10vor10». Schaffen Sie das auch?
Mir macht diese Tätigkeit wahnsinnig Spass und Freude, auch mit diesem tollen Team. Dabei gibt es aber immer auch äussere Umstände, die bei einem Job eine Rolle spielen. Man soll niemals nie sagen. Aber ich arbeite jetzt auch schon lange bei der «Arena» und mache dies immer noch sehr gerne. Wieso nicht auch bei «10vor10»?



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