Am 26. Januar wird Ihre Sendung "Persönlichkeitstest" im ZDF ausgestrahlt. Werden Sie die aufgezeichnete Sendung mit Ihrer Familie im TV schauen?
Nein, das werde ich nicht tun. Ich geniessen den freien Abend...
Wie kam es zum Engagement im ZDF?
Ich wurde von Thomas Gottschalk zusammen mit Marco Rima als Kandidatin in der Sendung "Die Cleversten" eingeladen. Der Auftritt war eigentlich ein Witz, denn ich habe in der zweistündigen Sendung nicht mehr als ein, zwei Sätzchen gesprochen. Trotzdem meldete sich der Sender danach bei mir und erklärte, dass ich in "Die Cleversten" positiv aufgefallen sei. Ich antwortete lachend, es sei ja wunderbar, positiv aufzufallen, ohne etwas zu sagen. Trotzdem fragte man mich darauf, ob ich ein Interesse hätte, die Sendung zu moderieren. Ich bejahte und erhielt wenig später dann den Zuschlag, ohne dass ich an einem Casting hätte teilnehmen müssen.
Was reizt Sie an einem Karrieresprung nach Deutschland: das grössere Publikum, das neue Umfeld oder die Gage?
Das Geld ist es sicher nicht. Das ZDF bezahlt keine astronomischen Gagen. Es ist ein Mix aus mehreren Ursachen: Zum einen die neue Atmosphäre, ich freue mich, das eigene Gärtchen zu verlassen. Dann ist in Deutschland tatsächlich alles ein paar Schuhnummern grösser, so die Anzahl Zuschauer, die man erreichen kann. Dazu kommt die persönliche Herausforderung: Erstens, ist das Format ziemlich neu für mich, zweitens aber auch die Sprache. Hochdeutsch ist und bleibt für uns Schweizer eine Fremdsprache. Man kann nicht im gleichen Masse aus dem Vollen schöpfen wie im Schweizerdeutschen.
Ist man da als Moderatorin nervös bei der Aufnahme der Sendung?
Ja natürlich. Ich war sogar wahnsinnig nervös.
Wie lautet das Sendekonzept von "Persönlichkeitstest"?
Formell gesehen ist es eine Quizsendung. Ich stelle aber keine Richtig/Falsch-Fragen, sondern Persönlichkeitsfragen, wie man sie aus den Frauenzeitschriften kennt. Diese wurden von einem Psychologen entwickelt. Die Gäste werden nicht schon im Voraus wissen, wenn ich diese Antwort gebe, dann bin ich dieser Typ etc. Weil die Sache nicht ganz so transparent ist, macht sie natürlich auch mehr Spass.
Ob Ihr Format weitergeführt wird, hängt vom Erfolg der Pilotsendung ab. Wie lautet die Vorgabe?
Es gibt nicht einfach einen Richtwert und dann wird mit dem Daumen nach oben oder nach unten gezeigt. Es geht dem ZDF nicht nur um die Quote, sondern auch um den Response der Zuschauer im Allgemeinen. Der Sender will nach der Sendung eruieren, ob die Zuschauer "Persönlichkeitstest" tatsächlich sehen möchten, oder die Sendung nach der erstmaligen Sendung nicht bereits Ihren Unterhaltungswert verliert. Alles ist offen.
Sie sind nicht die erste SF-Moderatorin, die es zu einem deutschen Sender zieht. Würden Sie -- im Gegensatz etwa zu Roman Kilchsberger -- von der Fernsehdirektorin grünes Licht für ein längerfristiges Auslandengagement erhalten?
Das wäre abzuklären. Die Situation von Roman Kilchsberger unterschied sich erheblich von der meinen: Kilchsberger wollte dieselbe Sendung, die er auf SF moderiert, auch in Deutschland machen. Damit hätte er "Deal or no deal" auf SF konkurrenziert. Dies ist bei mir nicht der Fall. Deshalb erhielt ich auch grünes Licht für diese eine Sendung. Ob dies aber auch bei weiteren Sendungen so wäre, kann ich nicht beurteilen.
Sie scheinen auf Sendungen mit Glamour und Promis abonniert. Hätten Sie auch Lust, das Genre zu wechseln?
Ich werde das immer wieder gefragt. Dabei nehme ich die Glamour- und Promiwelt auf eine andere Weise wahr als der Zuschauer. Ich schubladisiere meine Sendungen nicht so sehr. Für "Einfach luxuriös" etwa reise ich ja auch mit dem Rucksack nach Cuba. Und ich sitze mit Jeans und Wollpullover in die Kabine und kommentiere den Concours dEurovision. Jedenfalls mache ich meine Abendsendungen sehr gern. Und mein Image hat mich nie gestört. Einmal etwas anderes zu machen und für einmal nicht im Abendkleid die Showtreppe hinunterzugehen -- dagegen hätte ich auch nichts.
Übt die Glamourwelt einen besonderen Reiz auf Sie aus?
Ich habe eine gesunde Distanz dazu. Ich kann mich gut bewegen auf diesem Parkett, aber es ist nicht meine private Welt. Ich unternehme sozusagen einen Arbeitsausflug in diese Welt -- und dies übt für mich einen grossen Reiz aus. Der Swiss Award am kommenden Samstag etwa stellt eine grosse, schöne Herausforderung für mich dar. Ob ich nun dabei das lange Abendkleid trage, oder einen Hosenanzug spielt für mich überhaupt keine Rolle.
Die Sendung "Ein roter Teppich für..." wurde in der Presse stark kritisiert, das sind Sie nicht gewohnt. Tut das weh?
Es ist auf keinen Fall lustig eine Sendung zu moderieren, die nicht genügend Quote hat. An der Sendung wurde aber vor allem das Konzept bemängelt, dafür bin ich nicht direkt verantwortlich. Indem ich das sage, will ich mich aber nicht aus der Verantwortung stehlen. Ich kann problemlos zugeben, dass die erste Ausgabe von "Ein roter Teppich für..." nicht optimal war. Meines Erachtens haben wir uns aber mit der zweiten Sendung stark verbessert. Die Reaktionen waren auch entsprechend besser. Und in der folgenden Sendung werde ich natürlich alles geben. Aber wenn die Einschaltquoten nicht besser werden, nehme ich nicht an, dass man uns alt werden lässt am Bildschirm.
War das Engagement beim roten Teppich rückblickend gesehen gar ein Fehler?
Ach, wissen Sie, irgendwann werden Fehler auch zu guten Erfahrungen. Mir wird ja manchmal fast vorgeworfen, dass bei mir alles glatt läuft. Es muss halt sein, dass man sich auch mal durch etwas durchwursteln muss. Da habe ich keine Probleme damit.
Letzte Frage: Am Samstag moderieren Sie die Swiss Awards. Wen würden Sie als Schweizer/in des Jahres wählen?
Meine Schweizerin des Jahres ist Lea Wyler. Die ehemalige Schauspielerin hat vor 25 Jahren in Nepal das Kinderhilfswerk "Rokpa" gegründet und holt dort Kinder von der Strasse, gibt ihnen medizinische Versorgung, Schulbildung und Wärme. Wyler ist eine sehr aussergewöhnliche Person, dabei wusste ich bis vor kurzem gar nicht, dass es sie gibt. Für mich ist Sie ein Engel des Alltags.

