11.01.2006

Schawinski

"Ich werde nicht Kolumnist bei Ringier"

Rückblick auf zwei Jahre Sat.1.

Sat.1-Chef Roger Schawinski verrät im Gespräch mit der HandelsZeitung, dass er beruflich nicht mehr in die Schweiz zurückkehren will. Der Schweizer Medienmarkt sei zu eng, so Schawinski. Gute Medienleute könnten in Deutschland ihre Stärken besser ausspielen als im engen Schweizer Markt.

Seit zwei Jahren leitet Schawinski nun Sat.1. In dieser Zeit konnte der Abstand zum grössten Konkurrent RTL verkleinert werden. "Unser Ziel ist es nicht, mit einem einzelnen Sender RTL zu überholen, sondern mit beiden Sendern in der ersten Liga zu wachsen. Diese Strategie hat sich ausgezahlt", so Schawinski.

Den Wechsel vom Unternehmer zum Manager hat Schawinski ohne grössere Schwierigkeiten geschafft. Er könne sich jedoch vorstellen, später wieder Unternehmer zu werden. "Ganz sicher werde ich nicht wie Gerhard Schröder Kolumnist beim Blick", sagt er im Gespräch mit der HandelsZeitung. Im Gegenteil: "Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in der Schweiz in den Medien tätig zu sein". Das sind klare Worte des Schweizer Medienpioniers. Die Schweiz sei medienmässig eine "beklemmende Welt".

Er sei gerne in Deutschland. Er sei dabei, wenn Geschichte geschrieben werde. Er lebe in der spannendsten Stadt Europas: Berlin. Nebenbei, so Schwawinski, entwickle sich die deutsche Hauptstadt zur kulturellen Hauptstadt für die Schweiz. Berlin sei ein kulturelles, medienmässiges und zum Teil auch politisches Zentrum der Schweizer, die sich hier sehr wohl fühlen. Als Beispiele nennt er Roger Köppel, der die Welt führt, Catherine Mühlemann bei MTV und sich selber bei Sat.1.

Digitale Festplattenrecorder sind keine Gefahr für Fernsehwerbung

Das Fussball-WM-Jahr 2006 will Schawinski zum "WM-Jahr der Gefühle" ummodeln. Sat.1 hat keine WM-Rechte, weshalb auf ein Alternativprogramm gesetzt werden muss. So will er romantische Komödien, Comedy und "andere Programme, eher für Menschen die sich nicht für Fussball begeistern" zeigen.

Zu einer möglichen Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag nimmt Schawinski aufgrund der noch laufenden Gespräche keine Stellung. Das Problem der Schleichwerbung, von dem auch Sat.1 betroffen war, spricht er jedoch offen an. Auf die Frage, ob Schleichwerbung nicht ein Trend sei, der immer stärker Einzug halte, sagt Schawinski: "Im Gegenteil. Die Fälle haben zu einem Umdenken in der gesamten deutschen TV-Branche geführt. Wir haben strenge Regeln eingeführt. Wir sollten aus der Epoche der Heuchelei rauskommen und Lösungen finden, die in einem weltweiten Medienmarkt praktikabel sind."


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