13.01.2005

Achille Casanova

"Ich will die Freiheit der Medien schützen"

Der neue Ombudsmann von SR DRS und SF DRS heisst Achille Casanova. Der bisherige Vizekanzler und Bundesratssprecher tritt sein neues Amt im August kommenden Jahres an. Kritik an seiner Wahl kommt von Seiten der SVP: Sie stellt die Unabhängkeit des CVP-Mitglieds Casanova in Frage. Gegenüber "persoenlich.com" nimmt der 64-Jährige Stellung zu den Vorwürfen der SVP und sagt, was ihn an der neuen Aufgabe reizt. Das Interview:
Achille Casanova: "Ich will die Freiheit der Medien schützen"

Herr Casanova, was reizt Sie an Ihrer neuen Funktion?

Ich verstehe mich als Brücke zwischen Programmschaffenden und Publikum. Ich finde es sehr faszinierend zu vermitteln, zu schlichten, zu beurteilen und auf die Argumente der einen und anderen Partei einzugehen.

Weshalb treten Sie als Bundesratssprecher zurück?

Der Hauptgrund für meinen Rücktritt ist, dass ich nächstes Jahr 65 Jahre alt werde. Ich habe beim Bund also bald das Pensionsalter erreicht. Deshalb habe ich mich entschieden, diesen Zeitpunkt als Opfer der Altersguillotine zu wählen.

Hat das schlechte Klima in der Regierung Ihren Entscheid begünstigt?

Überhaupt nicht. Ich bin weder müde noch amtsmüde. Und ich freue mich weiterhin, in den kommenden sieben Monaten meine schöne Tätigkeit ausüben zu dürfen.

Bisher vermittelten Sie zwischen Politik und Medien. Künftig werden Sie zwischen Medien und Publikum vermitteln. Wo sehen Sie Ähnlichkeiten, wo Unterschiede?

Bei der Vermittlung zwischen Behörden und Medien war ich institutionell auf der Seite der Behörde. Bei der Vermittlung zwischen Programmschaffenden und Öffentlichkeit muss ich neutral sein. Ich hoffe, einerseits die Freiheit der Medien gegen ungerechtfertige Vorwürfe schützen zu können. Auf der anderen Seite will ich die professionelle Seite der Medien stärken.

Die SVP hat am Entscheid des Publikumsrats kritisiert, die CVP-Mitglieder Casanova und Walpen seien zu stark miteinander verbandelt. Wie unabhängig sind Sie?

Was die SVP bzw. ihr Generalsekretetär gesagt hat, ist "Chabis". Herr Walpen war in die Wahl gar nicht einbezogen. Ich wurde vielmehr vom bisherigen Ombudsmann Otto Schoch für das Amt vorgeschlagen. Meine Unabhängigkeit in Frage zu stellen, nachdem dies in den vergangenen 24 Jahren niemand getan hat, finde ich schade.

Sie waren 24 Jahre Bundeshaussprecher. Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Es hat sich sehr viel geändert. Sowohl in der Polit- als auch in der Medienlandschaft. In der Politik stelle ich eine stärkere Polarisierung fest. Konzeptionelle Lösungen zu finden, wird immer schwieriger. Diese Entwicklung spiegelt sich natürlich auch im Bundeshaus. In der Medienlandschaft haben neue Medien Einzug gehalten, das Tempo der Information hat stark zugenommen.


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