Herr Meyer, die "Basler Zeitung" baut 22 Vollstellen ab. Wie viele Personen und welche Bereiche sind betroffen?
Die Stellen sind auf 27 Mitarbeiter verteilt. Es trifft vorwiegend die Redaktion mit den nebengelagerten Bereichen wie Korrektur, Layout und Produktion. Auf Verlagsseite gibt es keine Änderungen. Die beschlossenen Aktivitäten beziehen sich auch ausschliesslich auf die Printausgabe der BaZ.
In der Mitteilung heisst es, "Ziel der Aktivitäten ist die Erhaltung des bisherigen Qualitätstandards der BaZ". Wie soll das mit 22 Vollzeitstellen weniger möglich sein?
Im ersten Bund mit den nationalen und internationalen Meldungen werden wir die Eigenleistung reduzieren müssen. Künftig setzen wir dort vermehrt auf Informationen von Nachrichtenagenturen. Die Anmutung, das Layout und die Blattstruktur ist davon aber nicht tangiert.
Sie fokussieren also ihre Eigenleistungen auf die regionale Berichterstattung?
Ja. Dies ist für einen Titel, der sich als Regionalzeitung versteht, auch die richtige Strategie.
Der Wochenende-Bund wird eingestellt. Planen Sie dafür eine 7. Ausgabe?
Nein, es bestehen keine Pläne für eine Sonntagszeitung. Wir haben die Herausgabe geprüft. Nach unseren Kalkulationen rechnet sich eine Sonntagsausgabe für die BaZ aber zurzeit nicht und ist daher auch kein Thema.
Ist nur die Wirtschaftslage für die sinkenden Erträge verantwortlich oder gibt es nach der Trennung von der Publicitas auch Probleme bei der Eigenvermarktung?
Die Eigenvermarktung hat nichts mit den Sparmassnahmen zu tun. Im Gegenteil: In der gegenwärtigen Situation, in der niemand wirklich sagen kann, welchen Einfluss die Wirtschaftslage auf die Werbevolumen haben wird, sind wir froh, dass wir uns in Eigenregie vermarkten. Wir glauben es könnte sich gerade jetzt als grosser Vorteil erweisen, dass die BaZ direkten Zugang zu ihren Kunden hat und nicht auf die Abwicklung eines Dritten angewiesen ist.
Sie sagen, niemand weiss, wie sich die Werbevolumen entwickeln. Der Stellenabbau ist also eine vorsorgliche Massnahme?
Das ist richtig. Die Massnahmen sind im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Zukunftsaussichten zu sehen. Die Stellenanzeigen haben sich bereits extrem zurückgebildet. Bei den kommerziellen Inseraten muss man das leider auch befürchten, obwohl diese im Dezember 08 noch über dem Vorjahr lagen.
Wie gross ist das Stück des Kuchens, das die BaZ im eigenen Haus an Newsnetz und "News" verliert?
Ich will nicht abstreiten, dass eine gewisse Kannibalisierung bemerkbar ist. Aber in allzu grossem Ausmass findet diese nicht statt. Die Frage ist mehr, wie würde es sich auswirken, wenn wir an Newsnetz und "News" nicht beteiligt wären. Und da gibt es eine einfache Antwort: Der Platz wäre sowieso besetzt, nur würden die Einnahmen in fremde Kassen fliessen.
Wie sieht es denn mit Synergien aus. Steht ein gemeinsamer Newsroom von BaZ, bazonline und "News" zur Diskussion?
Ja, ein solches Projekt läuft gegenwärtig.
Tamedia prüft, ob der "Tages-Anzeiger" künftig den Mantel für den "Bund" liefern wird. Macht es für eine Regionalzeitung Sinn, wenn der Mantel aus einer völlig anderen Gegend kommt?
Diese Überlegungen haben wir uns in der Vergangenheit -- unabhängig von der aktuellen Analyse -- als alternatives Szenario auch schon gemacht. Man muss bedenken, dass es auch in einem Mantel von nationalen und internationalen Nachrichten eine lokale Sichtweise gibt. Darum ist eine Mantellösung mit einem Partner aus einer völlig anderen Region mit anderen Gegebenheiten und Auffassungen -- wie beispielsweise St. Gallen oder Zürich -- sehr schwierig. Bei der "Mittelland Zeitung" funktioniert dieses Modell, weil es sich insgesamt doch um eine geographisch geschlossene Region handelt -- eben das Mittelland.
Merkt die BaZ auch unabhängig von der Wirtschaftslage die Veränderungen in der Medienlandschaft?
Natürlich kann man die Verschiebung in Richtung Online-Medien nicht aufhalten. Interessanterweise sind die Auflagen der Zeitungen aber trotz allem noch relativ stabil. Allerdings sinken die Leserzahlen. Es scheint als würden die einzelnen Exemplare in der Familie nicht mehr gleich oft weitergegeben, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Die Krux an der Sache ist, dass man die Verluste im Printbereich derzeit noch nicht mit den Online-Aktivitäten kompensieren kann.
(Interview: Stefan Wyss)

