21.02.2020

Hinter den Kulissen

Interviews, wie sie nicht im Lehrbuch stehen

Im zweiten Teil der Pressereise zu «Sing meinen Song» trifft persoenlich.com auf Gran Canaria die Stars. Was als geordnete Interviewreihe angekündigt wurde, fühlte sich jedoch an, wie ein Gespräch mit einer Ameisenkönigin beim Eierlegen. Ein Ausschnitt aus 45 Minuten Gesprächen im Gewusel.
Hinter den Kulissen: Interviews, wie sie nicht im Lehrbuch stehen
persoenlich.com wollte von den sechs Gästen der Show wissen, wie sie die Zeit auf Gran Canaria erleben. Zum Interview kam es aber nur mit fünf. (Bilder: zVg.)
von Loric Lehmann

Nachdem wir Presseleute am Morgen den Soundcheck von Seven beiwohnen durften (persoenlich.com berichtete), zwischenzeitlich vom Set wieder weggefahren wurden – da wir ja wichtige Details verraten könnten – und nun wieder anwesend sein durften, stehen die Interviewtermine mit den Künstlern an. «Wir» sind: Tele-Journalist, Schweizer-Illustrierte-Journalistin, TeleZüri-VJ sowie persoenlich.com-Redaktor und Autor dieses Artikels.

Als wir gegen fünf Uhr nachmittags wieder in die – mittlerweile etwas kühlere – «Casa Leon» kommen, sagt man uns, die Stars hätten Pause und weist uns daher einen möblierten Bereich zu, wo wir warten dürfen müssen. Unter den Argusaugen von CH-Media-Marketingleuten wird kein falscher Schritt gewagt. Wir werden von den fünf Meter neben uns sitzenden Künstlern samt Entourage etwas kritisch beäugt, worauf sich immerhin zwei Manager von der Gruppe lösen und kurz mit uns plaudern. Ein Vorgespräch zu einem Interview sieht aber anders aus.

Später erfahren wir, dass Crew und Künstler vom Vortag extrem müde sind, da sie die ganze Nacht bis kurz vor Morgengrauen mit den Dreharbeiten beschäftigt waren. Die Stars lässt man während der Sendung eben so lange miteinander reden und singen, wie sie wollen. Und dies führt dazu, dass eine Sendung auch mal länger dauern kann als geplant, wie wir noch hören werden.

Die Couch ist unbedeckt

Nach einer Stunde warten bewegt sich die ganze Crew schliesslich Richtung Drehort: der Couch. Eben jenes Möbel, das im ersten Artikel bereits beschrieben wurde. Im Gegensatz zum Mittag sieht das Set jetzt aber komplett anders aus: Die schattenspendenden Zelte sind abgebaut, Dekorationen wie Pflanzen, Vasen und Kerzen sind ästhetisch drapiert. Ausserdem steht die Couch in ihrer ganzen unbedeckten dunklen Lederpracht vor uns.

Mittlerweile sind auch deutlich mehr Leute auf dem Set. Zur Erinnerung: Produktionsleiter Pea Weber erzählte uns am Morgen von über hundert Leuten, die permanent am Set sind. Ob nun alle anwesend sind, ist schwierig abzuschätzen, da immer wieder Leute auftauchen, etwas auf- oder abbauen, von jemandem etwas wollen oder jemanden suchen. Es sind auf jeden Fall viele.

«Keine Extrawürste mehr»

Meine Frage nach einem etwas lauschigeren Interviewort wird forsch abgelehnt: «Jetzt machen wir keine Extrawürste mehr, Loric», weist mich der Radio- und TV-Chef bei CH Media, Roger Elsener, in die Schranken. Die Nerven sind sichtlich angespannt. In einer Stunde wird auch schon gedreht. Nach und nach taucht ein Star auf, wird in die Maske geschickt oder muss sich nochmals umziehen. Wir haben nun 45 Minuten Zeit, die Stars zu interviewen – wenn sie denn da sind.

Ich schnappe mir gleich den Hardrockstar Marc Storace. Seine Erscheinung passt so gar nicht in das wilde, nervöse Treiben um uns herum. Gelassen und ruhig sitzt der 68-Jährige auf dem Sofa. Ich gehe zu ihm hin und stelle mich vor: «Hallo, mein Name ist Loric. Ich bin Redaktor bei persoenlich.com ...». «Loic?». «LoRRRic».

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So, Marc, gefällt es dir auf Gran Canaria?

Sehr schön. Ich war aber nur einmal schwimmen.

Ist es so stressig?
Der Zeitplan ist sehr eng. Meine freie Zeit nutze ich, um zu schlafen. Ein Schläfchen hier, ein Schläfchen da. Ich bin ein Nachtmensch und gehe normalerweise nicht vor zwei Uhr nachts schlafen. Mit Krokus haben wir oft erst um zehn oder elf Uhr abends einen Auftritt. Daher bin ich es nicht gewohnt, früh aufzustehen und zu frühstücken. Mein Biorhytmus etwas durcheinander deswegen.

Wie ist es so mit den Leuten?
Das ganze Team gibt alles. Das gibt auch Energie. Und es ist eine Ehre, hier mitzumachen.

Wie ist es für dich mit der Logistik? Ihr müsst ja immer wieder weggefahren werden, wenn ein anderer Star gerade Soundcheck hat, damit ihr die Lieder nicht hört.
Man muss die richtige Einstellung dazu haben. Einfach machen, was einem gesagt wird. Und immer darauf schauen, genug zu essen und zu schlafen.

«Ich bin schon angewiesen auf Betreuung»

Ich habe gehört, ihr durftet nur jemanden mitnehmen als Begleitung. Wie ist das für dich?
Das ist ok. Ich bin gerne alleine. Aber ich bin schon angewiesen auf Betreuung. Ich habe gestern zum Beispiel jemanden beauftragt, mir Zahnpasta kaufen zu gehen. Weil ich momentan wirklich keine Zeit dafür finde.

Mir wurde gesagt, beim deutschen «Sing meinen Song» waren keine Journalisten zugelassen. Wie fest stört es dich jetzt, trotzdem ein Interview zu geben?
Ich muss sowieso den ganzen Tag Quotes geben vor und nach der Show. Man wird also eh den ganzen Tag irgendetwas gefragt. Daher stört mich das gar nicht. Ausserdem rede ich gerne für die Schweiz, meiner Heimat, darüber, was wir hier machen und, dass das hier eben nicht nur eine «Cup of Tea» ist, sondern harte Arbeit.

Was erhoffst du dir von der Sendung für dich selber?
Es gibt noch einige Projekte, die ich gerne machen würde. Und mit dieser Sendung erreiche ich ein breites Publikum. Ich würde gerne auf mich aufmerksam machen, auch wenn sich Krokus bald auflösen wird. Aber ich tausche mich auch gerne aus mit den anderen Musikern hier. Das ist Life. Zuhause in der Stube nerve ich nur die Frau den ganzen Tag. Die Kinder sind ja auch schon draussen. Es sind also nur die Katze, ein paar Pflanzen und ich, die sonst da rumhocken.

Nach dem Gespräch merke ich, dass bereits eine Viertelstunde um ist – schon ein Drittel der Zeit! Marc Storace wirkt nicht nur gelassen, sondern spricht auch so. Nun lasse ich ihn in Ruhe und spreche Steff la Cheffe an, die sich gleich auf eines der Sofas gelegt hat und recht mitgenommen ausschaut.

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Steff, darf ich dich stören? Wie geht es dir gerade so?

Ein bisschen von allem. Müde, aufgedreht, aber auch freudig und entspannter als die ersten zwei Abende.

Gestresst und müde?
Siehst mich ja, wie ich da liege. Ich habe übrigens noch nie ein Interview im Liegen gegeben. Das ist neu.

Ich hab auch noch nie ein Interview gemacht, mit jemandem, der liegt (wir lachen). Wie gefällt es dir auf Gran Canaria?
Bis jetzt gut. Viel habe ich aber noch nicht gesehen. Gestern war ich auf einem Spaziergang. Da habe ich zwei Igeli gesehen.

Es ist also durchgetaktet, aber zu sowas kommt man trotzdem?
Das bedeutet einfach zwei Stunden weniger Schlaf.

«Wenn das Programm halb so dicht wäre, stelle ich mir so das Leben als Prinzessin vor»

Die Kameras sind ja überall versteckt, so dass ihr euch offenbaren könnt gegenseitig. Ist es wirklich so persönlich?
Die haben das noch recht geschickt eingefädelt (lacht). Musiker sind ja sehr emotionale Leute, besonders Sänger. Das ist noch ein anderes Kaliber als einer am Bass. Und wenn dann noch alle wenig schlafen, wird man sehr dünnhäutig.

Aber die Stimmung ist gut?
Sehr! Aber all die Gespräche haben auch Dinge gelöst bei den Leuten. Dann heult man zusammen.

Das wollen die Produzenten ja damit bezwecken.
Klar, Emotionen geben Einschaltquoten. Aber für uns ist das auch gut. Wir werden sehr gefordert, aber auch verwöhnt. Wenn das Programm halb so dicht wäre, stelle ich mir so das Leben als Prinzessin vor. Man ist in einem 5-Sterne-Hotel, hat ein feines Buffet, einen Pool, man wird schön gemacht und geschminkt, nachher wird man abgeholt am Abend und irgendwo hingebracht und dort singt man dann.

Und wie fest stinkt dir nun dieses Interview?
Ich habe den Widerstand aufgegeben. Ich gebe mich nur noch hin. Sonst wird man nur «gnieti». Gestern war ich so gnieti. Ich wollte nur noch meine Ruhe und einmal fünf Minuten nicht stressen.

«Eine super geile Stimmung»

Wie gefällt dir der Mix mit den Leuten?
Der Mix ist sehr gut. Wer auch immer die definitive Auswahl gemacht hat, hat das super gemacht. Man kann ja nie wissen, was passiert, wenn man dann alle Charaktere in einen Topf wirft und sie so durchschüttelt. Und das ist wirklich Magic. Eine super geile Stimmung. Auch mit all den hundert Leuten am Dreh.

Wie ist es denn für dich, wenn die Leute deine Songs performen?
Ich war noch nicht dran, daher weiss ich das noch nicht. Ich bin vor allem nervös, wenn ich liefern muss. Für meine eigene Show hoffe ich, dass ich entspannt bin. Ich habe einen neuen eigenen Song, der in der Zeit entstanden ist, wo wir die anderen Songs uminterpretiert haben. Da habe ich die Chance gleich genutzt, um aus einem Demo einen fertigen Song zu machen. Ich kann den Text aber noch nicht auswendig. Zum Glück haben wir einen Teleprompter.

Soso. Am flunkern. Sonst noch was?
Wir schlafen zu wenig. Es ist zu viel Programm. Aber trotzdem wird alles mit viel Fingerspitzengefühl sowie Respekt und Anstand gemacht.

Was machst du, wenns fertig ist?
Ferien.

Toll.
Ich bleibe zuhause bei meinen Pflanzen, meiner Katze und meinem Garten.

So. Dann lasse ich dich jetzt noch etwas in Ruhe liegen.

Ritschi läuft von der Maske her zum Sofa. Er macht mir einen entspannten Eindruck. Ich stell mich ihm vor und beginne mit dem Interview. Anders als bei den anderen muss ich ihm nicht alles aus der Nase ziehen, sondern merke, dass er gerne mit mir spricht.

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Ritschi, wie geht es dir?

Mir geht es sehr gut. Ich habe extrem gute Tage erlebt. Bis jetzt waren die anderen Künstler nur Kollegen, nun sind alles Freunde geworden. Gestern Abend war sehr emotional. Bevor ich ins Bett ging, musste ich allen schreiben, dass ich als anderer zurückgehe als ich gekommen bin. Das sind ja eigentlich die schönen Sprüche, die man im Fernsehen macht. Beim Dreh habe ich es aber nicht gesagt, darum musste ich es den anderen noch schreiben. Es ist wirklich eine einmalige Geschichte.

Gestern war dein Abend?
Gestern war Loco. Und Francine wurde sehr emotional nachher.

Na, dann lass uns nicht zu viel verraten. In Deutschland waren ja gar keine Journalisten erlaubt. Wie stark stört dich das jetzt, hier Interviews zu geben?
Es ist ein bisschen ein Geben und Nehmen. Für die Medien ist das natürlich interessant. Und mich stresst das überhaupt nicht. Ich nehme mir die Zeit dafür sehr gerne. Ich muss einfach vor der Sendung den Kopf wieder am Start haben. Letzte Nacht habe ich nur drei Stunden geschlafen. Daher kommt mir das Interview gelegen, um einfach kurz den Kopf frei zu machen. Aber da ist nicht jeder gleich.

Die Produktion will ja alles möglichst persönlich und familiär machen. Ist das wirklich so?
Vor drei Monaten haben wir uns getroffen und Seven hat damals eine lange Ansprache gehalten. Er hat gesagt, das werde etwas mit uns machen. Und ich habe mir da gedacht: Ach, hör auf. Wir sind ja alles Profis und kennen das. Aber wenn man dann hier ist, einen Song singt und sieht, was das bei dem Musiker auslöst, dann berührt einen das sehr.

Das Gespräch kommt gerade erst in Fahrt, als Ritschi doch nochmals in die Maske gerufen wird. Die Zeit läuft langsam ab. Das Gewusel um uns herum nimmt zu. Zweimal wird neben uns eine Vase umgestossen, weil jemand zu schnell daran vorbeiläuft. Während dem Gespräch mit Ritschi setzt sich Loco Escrito neben mich. Als Ritschi mich entschuldigend verlässt, komme ich mit dem Latin-Star ins Gespräch. Er wirkt etwas genervt.

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So, Loco, wie war es für dich, dass andere Leute deine Songs interpretieren?
Das hat mich gar nicht nervös gemacht. Eher, dass ich die Leute mit meinen Interpretationen nicht zufriedenstellen könnte. Wenn so viele gute Sänger vor einem sitzen, stresst das schon.

Wie ist für dich das familiäre Set?
Bei so einer Show gibt es ja immer die Gefahr, dass es etwas überspielt wirkt. Aber alle haben sich super gerne. Und wir nehmen neben all dem Musikalischen auch sonst viel mit.


Nun erwähne ich, dass beim deutschen «Sing meinen Song» keine externen Journalisten zugelassen waren. Ich frage ihn, wie das für ihn sei, nun trotzdem ein Interview geben zu müssen. Er zeigt sich wenig begeistert von der Anwesenheit der Medienschaffenden und sagt, nichts von den Interviewterminen gewusst zu haben. Auch Locos Manager bestätigt mir dies.

Nachdem ich aber mit Stefanie Heinzmann das eigentlich kürzeste Interview der Welt mache, klärt sich diese Angelegenheit:

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Liebe Steffi, ich habe gerade gehört, dass ihr gar nicht wusstet, dass heute Interviews mit externen Journalistinnen und Journalisten anstehen …
Ach, ich wusste es.

Was? Woher? Loco wusste das offenbar nicht.
Ich habe in die Planung geschaut. Weisst du, unsere Tage sind so voll. Ich hatte gestern einen 18-Stunden-Tag. Daher kann ich verstehen, dass einige nicht noch nachschauen gehen, was am nächsten Tag so ansteht. Aber ich habe gewusst, dass ihr kommt.

Ach so, dann bist du wohl besser vorbereitet als gewisse andere hier (Wir lachen). Und sonst wie gefällt es dir?
Ich kannte die meisten ja schon ein bisschen und habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass das so wird. Es ist wirklich unglaublich harmonisch.

Und schon werden wir getrennt. Nachdem bereits beim Beginn des Gesprächs die Regie durchgegeben hatte, dass wir «keine Spezialinterviews mehr» machen sollen, führt Seven Heinzmann von der Couch weg. Gleichzeitig sammeln die CH-Media-Marketingleute uns Medienschaffende ein und bringen uns schnurstracks vom Drehgelände weg. Somit entfällt das letzte Interview mit Francine Jordi. Wir Journalisten sind alle etwas frustriert, da wir uns das Ganze etwas anders vorgestellt hatten.



Im dritten und letzten Teil der «Hinter den Kulissen»-Serie zu «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» kommen die beteiligten Journalisten zu Wort.

Nachtrag: Auf Wunsch der Managements einzelner Künstler wurden einige Antworten nachträglich gestrichen.



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