"Was mailt mir heute eine gute Kollegin? 'Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das Leben ab 40 spannend wird.' Wie wahr.
'Alarm! Das Matterhorn bricht ab,' meldet Blick. Was niemand weiss: Die Katastrophe hat schon tags zuvor begonnen -- keine 500 Meter von der Blick-Redaktion entfernt. In einer lauschigen Gartenbeiz. Im kühlenden Schattenwurf einer mächtigen Platane. Päng! Ein tellergrosses Stück Rinde knallt auf mein hart verdientes Bier, heimtückische Permafrostpartikel zersprengen das unschuldige Glas, und ein wild schäumender Gerstensaft überflutet die sommererotische Endauswahl im Blick. Gottlob bleibt das Bibelzitat der Woche trocken. Ein Bild der Zerstörung. Ein Akt der Vorsehung.
Doch nicht genug damit -- jetzt das: Ich soll bei 33 Grad Celsius in 2000 Zeichen bitte recht persönlich werden, bittet 'persoenlich.com'. Und diese Arbeitsumverteilungsaktion tarnt sich harmlos als 'Sommer-Tagebuch'.
In Tat und Wahrheit macht man wohl Hitzeferien bei Hug & Prange, während der Büezer den Sommer verschwitzt. Ich eile von einer Analyse zur nächsten, durchmesse Leser- und Anzeigenmärkte, arbeite an diesem und jenem Projekt... und was tun die Leute vom Dotcom? Baden im Meer unseres Wohlwollens.
Da lobe ich mir einen intelligenten Souffleur. Hat nicht die Weltwoche wiederholt vor solchen Untugenden gewarnt? Vor der Profitsucht des Fremden? Vor der 'Invalidisierung' der Gesellschaft? Vor dem 'Öko-Stalinismus'? 'Der Erde geht es viel besser, als uns Umweltschützer weismachen wollen,' verkündete das Blatt zum Beispiel im April, und da war es im Glashaus an der Förrlibuckstrasse 70 in Zürich weiss Gott schon um die 19 Grad. Nur die guten Leute in der unteren Etage latschten unbeirrt im Birkenstock. 'Vor uns die Sintflut', betitelte der Beobachter seinen Umweltalarm: 'Katastrophen werden sich künftig vermehrt ereignen.' So frey sind Weltwoche- und Beobachter-Journalisten. Wer hätte das gedacht.
Hier deshalb ein herzhaftes Ahoi! an die frisch gewasserte Arche Noah der Medienvielfalt. Zwar wirkt sie als Gesamtbild noch etwas irritierend: Auf Deck die rechtsbürgerliche Speerspitze, im Laderaum der proletarische Verteidigungsring. In Luv die geistige Auffrischung, in Lee die moralische Erwärmung. Der eine driftet nach rechts, der andere rudert nach links. Und in die Kommandobrücke sieht man nicht.

