Weshalb will Ringier mit TV2ausgerechnet im schwierigen Markt der TV-Programmzeitschriften eine neue alle 14 Tage erscheinende Programmzeitschrift herausgeben?
Weil wir bei den Programmzeitschriften Marktführer bleiben wollen. Dafür müssen wir in allen Segmenten vertreten sein. Im Segment der TV-Magazine, die 14-tägig erscheinen, sind wir nun in der Schweiz mit die ersten. Und wir haben damit auch die erste TV-Zeitschrift, die alle wichtigen Digitalsender anbietet.
Wird der hauseigene Titel TELE durch das neue TV2 nicht ziemlich kannibalisiert?
Natürlich schiessen wir uns damit zuerst einmal ins eigene Knie. Aber wir werden hoffentlich der in- und ausländischen Konkurrenz mehr Auflage wegnehmen als uns. Deshalb ist das Produkt inhaltlich und optisch neben TELE positioniert. Wir greifen TELE damit also nicht frontal an.
Umso pikanter ist es, dass TV2 von der TELE-Redaktion gemacht wird.
Diese Modelle, dass eine Redaktion verschiedene Produkte herstellt, gibt es auch schon in Osteuropa. Die haben uns dazu inspiriert.
Nun wurden bei TELE erst kürzlich 8,3 Stellen abgebaut. Und jetzt sollen die Übriggebliebenen noch das Doppelte arbeiten?
Wir werden die personellen Strukturen natürlich wieder anpassen. Es wird eine leichte Erhöhung der Stellen geben. Zudem wird der Grossteil des Titels durch externe Lieferanten sichergestellt.
Und wenn nun die 14-tägige Erscheinungsweise zum Markt-Renner wird? Stellen Sie dann TELE ein?
Davon kann keine Rede sein. Keiner weiss, wie sich der Markt entwickelt und wie die Wettbewerber reagieren werden. Ich glaube aber, die gedruckte Programminformation wird schon noch einige Zeit relevant sein.
Die Frauenmagazine von RIngier boomen in Osteuropa, und bald gibt Ringier auch eines in Shanghai heraus. Warum nicht hier in der Schweiz?
Wer sagt denn, dass das bei uns kein Thema ist? Wir diskutieren das in allen erdenkbaren Variationen. Es wäre ja sehr überraschend, wenn wir nicht mal im eigenen Haus feststellen würden, welche Erfolge gewisse Formate im Ausland haben. Das schauen wir uns sehr genau an.
Immer wieder wird Ringier ein Interesse an den Titeln von Jean Frey angedichtet. TV Star, Beobachter, Weltwoche
Nun, Kaufen ist leider kein einseitiger Prozess. Sondern derjenige, der etwas hat, muss auch verkaufen wollen. Und daran scheitert es zur Zeit. Ich denke, wenn die Jean Frey zu verkaufen wäre, würden einige Schlange stehen. Auch Ringier. Jeder würde die gerne kaufen.
Auch einzelne Titel davon?
Natürlich!
Welche?
Ich finde TV Star gut, der Beobachter ist Klasse, die Bilanz macht Spass. Aber es ist immer die Abwägung, etwas selber zu machen oder zu kaufen. Ein Medienhaus sollte auch den Ansporn haben, Projekte selber zu entwickeln.

