28.09.2009

Russland

Journalist nach Drohungen untergetaucht

Reporter ohne Grenzen fordern Ende der Hasskampagne.

Wegen seiner Kritik an sowjetischen Kriegsveteranen hat ein russischer Journalist Drohungen erhalten und ist untergetaucht. Unbekannte hätten Drohanrufe gemacht und seien vor dem Haus von Alexander Podrabinek aufgetaucht. Die Drohanrufe habe er erhalten, nachdem seine Privatadresse und Telefonnummer auf den Internetseiten kremltreuer Jugendorganisationen veröffentlicht worden seien, sagte die Chefin des Nachrichtenportals Ej.ru, Olga Paschkowa, am Montag in Moskau.

Podrabinek wisse aber, wie man sich in einer solchen Situation verhalte, sagte Paschkowa. Sie hoffe, er habe sich gut versteckt. In einem Radiointerview sagte Podrabineks Frau, ihr Mann habe das gemeinsame Haus verlassen. Beide hätten aber nicht vor, das Land zu verlassen. Podrabinek hatte vor einer Woche auf Ej.ru einen Artikel veröffentlicht, in dem er den Entscheid der Moskauer Stadtverwaltung kritisierte, wonach ein Restaurant seinen Namen "Anti-Sowjet" ändern musste. Zuvor hatten sich sowjetische Kriegsveteranen über den Namen beschwert.

Podrabinek warf Veteranenverbänden vor, die "blutige, falsche und schändliche" Geschichte der Sowjetunion zu verteidigen. Auch Widerstandskämpfer gegen das Sowjet-Regime seien Helden. Die, die sich über den Namen des Restaurants schockiert zeigten, seien vermutlich "Aufseher in Gefangenenlagern und Gefängnissen" und "Henker in einem Exekutionskommando" gewesen.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte ein Ende der "Hasskampagne" gegen Podrabinek, in der es auch Mordaufrufe gegeben habe. Der 56-jährige Journalist verbrachte in der Sowjetzeit wegen regimekritischer Artikel einige Jahre in Haft. Er arbeitete zuletzt unter anderem für Ej.ru, die Oppositionszeitung Nowaja Gaseta und das französischen Auslandsradio RFI. RFI teilte mit, Podrabinek reagiere weder auf Telefonanrufe noch auf E-Mails. (sda)


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