24.01.2007

Journalistenlöhne halten mit Medienkonjunktur nicht mit

Medienschaffende verdienen im Schnitt pro Monat 7200 Franken brutto, wie aus einer Studie der Journalistenverbände hervorgeht. Überraschend: Frauen werden lohnmässig weniger stark diskriminiert als in anderen Branchen und freie Journalisten verdienen nur geringfügig weniger als fest Angestellte. Trotzdem halten die Gewerkschaften die Lohnentwicklung insgesamt für "bedenklich". "persoenlich.com" präsentiert die wichtigsten Resultate der Studie:
Journalistenlöhne halten mit Medienkonjunktur nicht mit

In der Medienhauptstadt Zürich, wo mehr als ein Drittel der Journalisten arbeitet, verdienen Medienschaffende am besten. Der Durchschnittslohn liegt hier mit 7644 Franken deutlich über dem nationalen Schnitt. Auch in Baselstadt (7429 Franken) sowie Waadt und Genf (7400 Franken) ist das Salär überdurschnittlich hoch. Die tiefsten Löhne dagegen erhalten Journalisten mit Abstand im Tessin: Sie verdienen monatlich im Schnitt rund 1000 Franken weniger.

Auffallend an der Studie, welche comedia, impressum, SFJ und SSM gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund durchgeführt haben, ist, dass die Lohndifferenzen zwischen Fernsehen, Radio oder Printmedien bescheiden sind. Erklären lassen sich die kleinen Unterschiede damit, dass der Arbeitsmarkt für Journalisten in der Schweiz unter den einzelnen Medientypen sehr durchlässig ist. Die besten Löhne werden bei den Fachzeitschriften, Nachrichtenmagazinen und Illustrierten bezahlt (7625 Franken), die tiefsten bei den Online-Medien (7000 Franken).

Grafik 3: Verteilung der Medienschaffenden nach Einkommensgruppen.

Zugleich hängt die Höhe des Salärs kaum von der Ausbildung ab: Zwar sind die Durchschnittslöhne bei den Hochschulabgängern (7542 Franken) und Absolventen einer höheren Berufsschule (7500 Franken) wie erwartet am höchsten. Aber ob jemand eine Fachhochschule, eine Berufslehre, oder eine unternehmensinterne Ausbildung abgeschlossen hat, spielt lohnmässig kaum eine Rolle zu. Wesentlich wichtiger als die Ausbildung ist die Berufserfahrung, was zeigt, dass Journalismus immer noch stark "on the Job" gelernt wird .

Interessanterweise verdienen laut der Studie die Freischaffenden mit einem Monatslohn von 7000 Franken nicht markant weniger als fest angestellte Redaktoren. Jedoch ist die Streuung bei den Freien wesentlich grösser. Fast ein Viertel der Freien verdient weniger als 5000 Franken im Monat, fast zwanzig Prozent jedoch erhalten mehr als 9000 Franken für eine Vollerwerbstätigkeit. Bei den fest Angestellten sind dies nur 10 Prozent.

Aus der detaillierten Studie wird ersichtlich, dass im Journalismus Berufserfahrung noch immer höher gewertet wird als eine formelle Ausbildung. So verdienen Medienschaffende mit zehn Berufsjahren einen Drittel mehr als Berufskollegen mit nur zwei Jahren Berufserfahrung. Im Vergleich dazu nimmt sich der Lohnunterschied zwischen Journalisten mit Universitätsabschluss und solchen mit Berufslehre mit acht Prozent gering aus. Der Schritt vom Redaktor zum Teamleiter bringt im Schnitt 700 Franken mehr Monatslohn ein.

Auch in den Medien werden die Frauen diskriminiert: Männer verdienen durchschnittlich 7400 Franken, das Monatseinkommen der Frauen beträgt dagegen bloss 7000 Franken. Mit einem identischen Qualifikationsprofil erhalten Männer in den Medien drei Prozent mehr Lohn. Die Unterschiede stufen die Studienverantwortlichen allerdings für den Hauptharst der Medienschaffenden zwischen 20 und 50 Jahren als bescheiden ein -- sie sind wesentlich geringer als in anderen Branchen. Was die Gewerkschaften allerdings beunruhigt: In der Altersklasse von 20 bis 30 Jahren sind die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich grösser als im Durchschnitt. "Wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen", sagt Stephanie Vonarburg von der Comedia gegenüber "persoenlich.com".

Grafik 2: Durchschnittslöhne von Frauen und Männern nach Altersklassen

Die Studie führt das insgesamt relativ hohe Lohnniveau – das gesamtschweizerische Mittel beträgt 5500 Franken -- auf das hohe Qualifikationsniveau zurück: Mehr als die Hälfte der Medienschaffenden verfügt über einen Hochschulabschluss. Anlass zu Euphorie gibt die Studie bei den Gewerkschaften indessen nicht: "Vergleicht man die Löhne der Journalisten mit anderen Berufen, sind sie keineswegs überrissen" findet Vonarburg. So verdient laut der Studie ein 40-jähriger Mittelschullehrer im durchschnittlich 2000 Franken mehr im Monat als ein Journalist.



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