08.04.2010

Israel

Journalistin wegen Spionage angeklagt

Wegen Preisgabe geheimer Armeeinfos vor Gericht.

Eine israelische Journalistin muss sich wegen Preisgabe geheimer Armeeinformationen und Spionagevorwürfen vor Gericht verantworten. Die 23-Jährige steht seit fünf Monaten unter Hausarrest, weil sie während ihres Militärdienstes 2000 geheime Dokumente kopiert haben soll. Dies berichteten israelische Medien am Donnerstag nach Aufhebung einer monatelangen Nachrichtensperre. Die ehemalige Soldatin Anat Kam habe die Geheimdokumente für ihre journalistische Arbeit verwendet und weitergegeben. Nach Medienberichten belegen sie, dass die Armee im Westjordanland gezielt Palästinenser tötet, statt sie festzunehmen.

Bereits im Januar sei gegen Kam Anklage wegen Spionage und Verletzung der Staatssicherheit erhoben worden, hiess es am Donnerstag. Die Journalistin, die zuletzt für die Online-Nachrichten "Wallah!" arbeitete, müsse mit einer langen Haftstrafe rechnen. Kam soll auch dem Journalisten Uri Blau von der israelischen Zeitung "Haaretz" geheime Armeedokumente zugespielt haben. Er hatte im November 2008 einen Aufsehen erregenden Bericht unter dem Titel "Lizenz zum Töten" geschrieben.

Darin wirft er der Armee vor, entgegen einer Entscheidung des höchsten Gerichts gezielt militante Palästinenser im Westjordanland zu töten, statt sie festzunehmen. In dem Artikel berichtete er über Inhalte geheimer Treffen im Büro des Militärkommandanten Jair Naveh, in dem Kam gedient hatte. Blau hält sich gegenwärtig in London auf und will erst nach Israel zurückkommen, wenn klar ist, dass er keine Festnahme zu befürchten hat. In einer Stellungnahme von "Haaretz" hiess es am Donnerstag, alle Artikel von Uri Blau seien damals dem Militärzensor vorgelegt worden und hätten dessen "volle Zustimmung" erhalten. (sda)


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