11.03.2003

Uni Zürich

Jugendliche verstehen immer weniger traditionelle Redewendungen

Journalisten und Werber überschätzen Adressaten.

Traditionelle Redewendungen werden in den Medien immer häufiger verwendet, aber von Jugendlichen immer weniger verstanden. Dies geht aus Untersuchungen des Zürcher Germanistik-Professors Harald Burger hervor. In Zeitungen und vor allem in der Werbung werde daher oft an den Lesern vorbeigeschrieben, sagte Burger am Dienstag in Mannheim. Dort nahm der Wissenschafter an der Eröffnung der 39. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache teil.

"Vor allem Werbetexter haben oft übertriebene Vorstellungen von dem, was sie ihren Adressaten zumuten können", sagte Burger. In einer Studie hatte er jugendlichen Versuchspersonen Texte aus Massenmedien vorgelegt, in denen Redewendungen wie "Öl ins Feuer giessen" oder "Den Nagel auf den Kopf treffen" vorkamen. "Leute unter 20 Jahren verstehen dabei weniger diese so genannten Idiome als ältere Menschen und lehnen sie zum Teil auch ab. Typische Begründungen der Jugendlichen waren demnach: "Was interessiert mich eine arme Kirchenmaus, wenn mich die Kirche nicht interessiert."

Zum Teil seien die Wendungen den Jugendlichen zu bildungssprachlich wie etwa die "Büchse der Pandora". Sie betrieben stattdessen eigene, oft sehr abenteuerliche Sprachspielereien. Als Beispiel nannte Burger Abwandlungen von "keinen Bock haben", die anderen Menschen wiederum nichts sagten.


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