Der Kanton Graubünden ist mit der Leistung des Radios und Fernsehens der italienischen Schweiz (RSI) seit Jahren nicht zufrieden. RSI informiere die italienischsprachigen Bündner ungenügend. Jetzt reichte der Kanton eine Aufsichtsbeschwerde beim Bund ein. Die RSI erfüllt aus Bündner Sicht ihren Konzessionsauftrag nicht. Die inhaltliche Versorgung der italienischsprachigen Täler Graubündens sei ungenügend, sagte der Anwalt des Kantons, Luca Tenchio, zu einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" vom Dienstag. Der Churer Anwalt verfasste die beim Bundesamt für Kommunikation Ende September platzierte umfangreiche Beschwerde.
Die RSI berichte schlichtweg zu wenig über das Geschehen im Bündnerland. Der Kanton intervenierte bei der RSI wiederholt ohne Erfolg, wie aus dem Beschwerdetext hervorgeht. Um seine Behauptung zu belegen, führte Graubünden während drei Jahren ein Monitoring der RSI-Sendungen. Das Problem wiege um so schwerer, als die rund 20'000 Italienisch-Bündner im Gegensatz zu den Deutschsprachigen und den Romanen über keine eigene Bündner Tageszeitung verfügten und im besonderen Masse auf die Berichterstattung der RSI angewiesen seien.
Berichterstattung aus ganz Graubünden gefordert
Entsprechend müsse die italienischsprachige Radio- und Fernsehanstalt über das Geschehen aus dem ganzen Kanton informieren und nicht nur aus seinem italienischen Teil. Doch selbst dort leiste die RSI zu wenig. Der Kanton stösst sich laut Tenchio auch daran, dass die RSI ihre finanzielle Bevorzugung innerhalb der SRG nicht an Italienisch-Bünden weitergibt. 4,2 Prozent der Schweizer Bevölkerung spreche Italienisch, die RSI verfüge aber über 21,9 Prozent der gesamten SRG-Mittel.
Die Solidarität der Schweiz mit ihrer italienischsprachigen Minderheit teile die RSI nicht mit den Italienisch-Bündnern, der Minderheit in der Minderheit. Während die RSI im Tessin über 1000 Angestellte beschäftige, seien gerademal sechs Journalisten für Informationen aus Graubünden zuständig. Die RSI sei wegen den Vorwürfen aus Graubünden daran, ihre Sendungen zu prüfen, sagte RSI-Kommunikationsleiterin Stefania Verzasconi zur Nachrichtenagentur SDA. Das Unternehmen wolle beweisen, dass die Anschuldigungen falsch seien. "Wir sind zuversichtlich aufzeigen zu können, dass die RSI den Konzessionsauftrag erfüllt", sagte Verzasconi. Als Beispiel verweist sie auf die vier in Chur stationierten Journalisten. Das seien gleich viele wie in Zürich. (sda)

