01.12.2008

"Der Bund"

"Katastrophe" verhindern

Nur Koopertion mit dem "Tagi" würde Vielfalt bewahren.

Espace Media hat am Montag angekündigt, dass die Berner Tageszeitung "Der Bund" ohne eine redaktionelle Zusammenarbeit mit einer anderen Zeitung keine wirtschaftlichen Perspektiven hat. Darum werden nun zwei Kooperationen geprüft. Zum einen steht eine redaktionelle Zusammenarbeit zwischen "Bund" und "Tages-Anzeiger" zur Diskussion. Alternativ wird eine Zusammenführung der Redaktionen von "Berner Zeitung" und "Bund" geprüft ("persoenlich.com" berichtete).

Für Roger Blum, Professor am Institut für Medienwissenschaft der Universität Bern, wäre es für die Bundesstadt "eine Katastrophe, wenn es nicht mehr zwei Zeitungen gäbe, die publizistisch im Wettbewerb stehen". Blum hofft deshalb auf die Option einer Kooperation mit dem "Tagi". Die beiden Zeitungen würden gut zueinander passen. "Auf diese Weise könnte in Bern die Vielfalt bewahrt werden", sagte Blum auf Anfrage. Die Lage für "Den Bund" sei seit langem prekär. Was ihm fehle, seien Wachstumsmöglichkeiten.

Medienwissenschafter Louis Bosshart von der Uni Freiburg sagte auf Anfrage, das Berner Modell mit zwei unabhängigen Tageszeitungen unter dem gleichen Dach sei "vornehm und edel". Jetzt aber habe der "Gentleman" Charles von Graffenried nicht mehr das Sagen und nun gehe die Medienkonzentration auch in der Bundesstadt wie anderswo weiter.

Im schlimmsten Fall droht 'vollständige Gleichschaltung'

Der Journalistenverband Impressum forderte Tamedia auf, die finanzielle Situation des ganzen Verlags und nicht nur einzelner Titel zu betrachten. Bestehe kein Zwang für das Gesamtunternehmen, müsse die Medienvielfalt Vorrang haben, hiess es in einer Mitteilung.

Die Mediengewerkschaft comedia will die Zeit bis zu einem Entscheid für Gespräche mit den betroffenen Redaktionen nutzen, wie Sprecherin Stephanie von Arburg sagte. Es gehe um publizistische Fragen und um die Erhaltung von Arbeitsplätzen.

Die SP des Kantons Bern stellt sich gegen die im schlimmsten Fall drohende "vollständige Gleichschaltung" der Printmedien auf dem Platz Bern. Auf dem Platz Bern brauche es für die politische Meinungsbildung im Kanton weiterhin zwei unabhängige Redaktionen. (sda)


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