30.04.2009

"Kein Qualitätsjournalismus ohne würdige Arbeitsbedingungen!"

Der 1. Mai als "Tag der Arbeit" hat seinen Ursprung in den USA. Dieses Datum wurde von amerikanischen Gewerkschaften 1886 gewählt, um mit einem Generalstreik die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden durchzusetzen. Die Schweiz gehört zu den wenigen europäischen Staaten, die seit 1890 eine ungebrochene Tradition der 1.-Maifeiern aufweisen. Gerade in einem Krisenjahr wie diesem, hat der Tag eine spezielle Bedeutung. Darum nehmen comedia, SSM und impressum die Verleger in ihren 1. Mai-Botschaften in die Pflicht. Die Worte zum "Tag der Arbeit":
"Kein Qualitätsjournalismus ohne würdige Arbeitsbedingungen!"

Roland Kreuzer, Kopräsident comedia

"Wer kollektiv geschützte und garantierte Arbeitsbedingungen hat, kann sich freier bewegen."

Der 1. Mai ist nicht ein Tag wie jeder andere, schon gar nicht im Krisenjahr 2009, denn die Medienbranche ist eine konjunktur- und krisenanfällige Branche. Die Abhängigkeit der Medien von Inserenten ist permanent gefährlich, und in Krisenzeiten wird der Rückgang der Werbegelder missbraucht, um aufzuräumen.

Geräumt werden aber nicht die prall gefüllten Geldspeicher der Medienbesitzer wie Coninx, Lamunière, Ringier, Lebrument und Co., sondern bezahlen sollen die Angestellten und die MedienkonsumentInnen. Wir sind jedoch nie und nimmer bereit, die von profitgierigen Marktgläubigen verursachte Krise auszubaden: Stellen, Arbeitsbedingungen und Qualität der Medien müssen die Krise überleben.

Sorgen macht auch die künftige demokratiepolitische Rolle der Medien in der Schweiz, weil durch die Übernahme von Edipresse durch Tamedia schon bald ein Drittel der bezahlten Tageszeitungen der Schweiz von einem einzigen Verleger herausgegeben wird. Eine solche Medienmachtkonzentration gibt es wohl kaum in einem andern demokratischen Land! Das darf uns nicht egal sein, das darf auch demokratisch gesinnten PolitikerInnen nicht egal sein. Freie Medien brauchen dringend Regeln und Massnahmen, die die Unabhängigkeit der Redaktionen von ihren Verlegern und Inserenten garantieren.

Zur Stärkung dieser Unabhängigkeit gehört ein Gesamtarbeitsvertrag für JournalistInnen. Wer kollektiv geschützte und garantierte Arbeitsbedingungen hat, kann sich freier bewegen. Es ist deshalb eine bodenlose Frechheit, wie die Verleger unter ihrem Anführer Hanspeter Lebrument sich seit fünf Jahren weigern, dieses demokratische und gewerkschaftliche Grundrecht GAV zu gewähren: Die innere Pressefreiheit gegenüber den Verlegern ist eine Grundlage für eine funktionierende Medienfreiheit!

comedia demonstriert heute zusammen mit den andern Gewerkschaften des SGB, den Frauen, den MigrantInnen und allen sozialen Kräften, weil es uns ernst ist und weil wir genug haben von den Ideologen der Deregulierung und des Profits!

Philipp Cueni, Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM)

"Mediengewerkschaften sind gefragt, sobald es brennt."

Tag der Arbeit -- klar doch: Die aktuelle Lage im Mediensektor zeigt, dass soziale Fragen auch für die Medienschaffenden relevant geworden sind. Dennoch: Kaum ein Medienschaffender läuft mit dem roten Maibändel in den Redaktionsräumen oder in den Studios herum, und auch die Beteiligung der Medienleute an den Kundgebungen ist meist gering. Machen die Mediengewerkschaften etwas falsch?

Kaum, denn sie sind gefragt, sobald es brennt. An den 364 Tagen ohne Reden und Transparente wird Beratung geboten, die Rechtslage abgeklärt, beim Arbeitgeber interveniert, es werden Vorschläge ausgearbeitet, Verhandlungen geführt. Gefragt sind Kompetenz und Hartnäckigkeit, oft auch Phantasie für neue Lösungen. Die Dossiers betreffen vertragliche Sicherheit, Arbeitszeitregelungen, Entlöhnung, Pensionskasse, Autorenrechte, aber auch Aus- und Weiterbildung, Medienfreiheit, Qualität im Journalismus, Berufsbilder, Medienpolitik.

An diese gewerkschaftliche Dauerarbeit darf am 1. Mai erinnert werden. Aber nicht aus Nostalgie, sondern angesichts der aktuellen Lage: Es werden Stellen gestrichen, Mitarbeiter entlassen. Der Druck auf die Arbeitssituation, auf die sozialen Standards und auf die Qualität nimmt zu, die Berufsperspektive ist unsicher -- auch für jene, welche vom Abbau (noch) nicht direkt betroffen sind. Und nicht zu vergessen: Nach wie vor bestehen in der Deutschschweiz weder im Print-Bereich noch (mit positiven Ausnahmen!) bei den privaten Radio- und TV-Stationen kollektive Vertragsregelungen.

Darauf müssen die Medienschaffenden reagieren. Deshalb braucht es ein Engagement aller Kolleginnen und Kollegen und der Gewerkschaften. Denn die Unternehmen müssen mit Nachdruck und vielleicht mit Druck überzeugt werden: Geregelte und gute Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung für die Qualität der Arbeit, also für die Qualität der Medien. Deshalb braucht es gerade in der angespannten wirtschaftlichen Situation hohe soziale Standards und Fairness gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und es braucht das Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft und damit auch zu Gesamtarbeitsverträgen in der ganzen Branche.

Beatrice Gurzeler, Rechtskonsulentin impressum - die Schweizer JournalistInnen

"Kein Qualitätsjournalismus ohne würdige Arbeitsbedingungen und eine funktionierende Sozialpartnerschaft!"

In einer freiheitlichen Demokratie sollten die Grundbedürfnisse aller gesichert sein. Zu diesen Grundbedürfnissen gehört das Recht auf Arbeit unter würdigen Arbeitsbedingungen. Dies gilt auch für Medienschaffende. Zu den Grundbedürfnissen gehört aber auch der Zugang zu qualitativ hochstehender, vielfältiger Information. Ausgedünnte Redaktionen können diese nicht mehr gewährleisten.

Journalistinnen und Journalisten haben sich in ihrem Kodex der unabhängigen Information verpflichtet. Damit soll der gesellschaftlich notwendige Diskurs gesichert werden. Denn eine soziale und freiheitliche Demokratie setzt voraus, dass jede und jeder Zugang zu guter und unabhängiger Information hat. Nur so ist es Bürgerinnen und Bürgern möglich, sich über komplexe Sachfragen eine eigene Meinung zu bilden. Um diese journalistischen Pflicht erfüllen zu können, benötigen Journalistinnen und Journalisten entsprechende berufliche Rahmenbedingungen.

Journalistinnen und Journalisten, die befürchten müssen, ohne wirtschaftliche Not des Arbeitgebers ihre Stelle zu verlieren, die um ihre Existenz bangen, die als Festangestellte dem wachsenden Anpassungs- und Leistungsdruck in den ausgedünnten Redaktionen ausgesetzt sind oder in prekäre und immer schlechter bezahlte Dienstleistungsverhältnisse gedrängt werden, sind verletzlich. Sie können die notwendige Unabhängigkeit und Qualität nicht garantieren.

Damit die Journalistinnen und Journalisten ihre Pflichten erfüllen können, benötigen sie entsprechende berufliche Rahmenbedingungen und eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft. Mit dem Beitritt zur Stiftung Schweizer Presserat haben die Schweizer Verleger den Journalistenkodex ausdrücklich anerkannt und sich ethisch zur Sozialpartnerschaft und zur journalistischen Arbeit in moralischer und materieller Sicherheit bekannt.

impressum fordert daher den Stopp von Stellenabbaumassnahmen ohne akute wirtschaftliche Not sowie die Erneuerung einer echten und konstruktiven Sozialpartnerschaft der Arbeitgeberverbände mit den Journalistenorganisationen.


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