26.07.2003

Berner Modell

Kommentatoren begrüssen Zusammenarbeit

Fragezeichen für weitere Zukunft -- Presseschau.

Die künftige Zusammenarbeit von Bund und Berner Zeitung stösst bei den Kommentatoren meistenteils auf Zustimmung. Fragezeichen werden aber bezüglich der langfristigen Überlebenschancen des Bunds gesetzt. Aus publizistischer Sicht sei die jetzt getroffene Lösung besser, schreibt die Aargauer Zeitung (AZ). Der Bund behalte seine Redaktion, die Pressevielfalt bleibe erhalten. Die Mittelland Zeitung, zu der auch die AZ gehört, hatte dem Bund ebenfalls ein Angebot unterbreitet. Es sei aber unsicher, ob das zu erwartende Defizit des Bunds von rund 10 Mio. Franken weggezaubert werden könne, indem das Traditionsblatt in den Inseratepool der Berner Zeitung (BZ) aufgenommen werde. BZ-Verleger Charles von Graffenried könne deshalb bald gezwungen sein, die Redaktionskosten beim Bund zu senken.

Letztlich auch ein Experiment

Bedenken melden auch andere Blätter der Mittelland Zeitung an. Das so genannte "Berner Modell" bleibe letztlich genauso ein Experiment wie die Beteiligung der Neuen Zürcher Zeitung am Bund, schreibt das Oltner Tagblatt. Die BZ sei einmal mehr ihrem Ruf gerecht geworden, nimmersatt und hartnäckig zu sein, schreibt das Langenthaler Tagblatt. Die Espace Media Group müsse nun beweisen, dass sie jene Grösse besitze, die sie für sich in Anspruch nehme. Zweifel meldet auch das Bieler Tagblatt an, das im Bereich Inland/Ausland seit 1998 mit der BZ zusammenarbeitet. Inserate im Zwangskombi BZ/Bund seien trotz vieler Synergien sehr teuer. Da könne der Appetit wachsen, auch die Redaktionen ganz oder teilweise zusammenzuführen.

BZ: im Interesse aller

Zufriedenheit herrscht dagegen bei den beiden neuen Partnern: Dieser Entscheid sei im Interesse aller: der Mitarbeiter, der Leser, der Inserenten, der Aktionäre und der Vielfalt der Meinungspresse, schreibt die Berner Zeitung. Es sei allerdings ein mutiger Entscheid. Vieles müsse gelingen, damit die Zusammenarbeit erfolgreich werde: Die Ökonomie müsse mitspielen, das Verlagsmanagement müsse zwei sich konkurrierende Publikationen gut positionieren, die Redaktionen müssten weiterhin ihre unabhängige Linie verfolgen können und die Besitzer müssten die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.

Wenn die Beteiligten ihr Wort halten würden, sei die neue Zusammenarbeit nicht der Anfang vom Ende, schreibt der Bund. Damit der Bund überleben könne seien jedoch eine Leserschaft gefragt, die kontroverse Standpunkte akzeptiere und Besitzer, die bereit seien, die unabhängige Tradition des Blattes weiterzuführen. Rundum zufrieden zeigt sich das Thuner Tagblatt, das wie die BZ von der Espace Media Group herausgegeben wird. Der «Bund erhalte nun einen ähnlichen Status wie das Thuner Tagblatt und der Berner Oberländer. Man könne dem Bund versichern, damit bisher gut gefahren zu sein.

Walliser Bote: Leser entscheiden


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