09.07.2020

Presserat

Kritik an der Wahl von Susan Boos

Die Wahl der ehemaligen Wochenzeitung-Chefredaktorin zur Presseratspräsidentin sei «kein kluger Entscheid» und «ein Schuss ins Knie», schreibt Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche. Journalist Alex Baur ist anderer Meinung.
Presserat: Kritik an der Wahl von Susan Boos
Ab 2021 ist sie Presserats-Präsidentin: Susan Boos. (Bild: Fabian Biasio)

Ab Januar 2021 übernimmt Susan Boos das Präsidium des Schweizer Presserats. Der Stiftungsrat hat die ehemalige Wochenzeitung-Chefredaktorin letzte Woche gewählt (persoenlich.com berichtete). Laut Medienjournalist Kurt W. Zimmermann ist die Wahl «kein kluger Entscheid», wie er in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche schreibt. 

Boos sei im Stiftungsrat umstritten gewesen. Der Verlegerverband sowie der Klub der Schweizer Chefredaktoren, die im Presserat einsitzen, hätten ihre Vorbehalte gehabt. Doch da die Mediengewerkschaften Syndicom, Impressum und SSM im Stiftungsrat die Stimmenmehrheit haben, sei Boos problemlos gewählt worden. 

Dies wertet Zimmermann als «Schuss ins Knie», wie er schreibt. Denn damit verschärfe sich das Problem der brüchigen Akzeptanz des Presserats in der Medienbranche. Manche bürgerlichen Blätter würden sich darum weigern, ein Urteil des Presserats abzudrucken, wenn sie eine Rüge einfangen würden. Sie würden dahinter eine politische Motivation vermuten. Mit der neuen Präsidentin mache der Presserat es seinen Skeptikern noch leichter.

Anderer Meinung als Zimmermann ist Weltwoche-Journalist Alex Baur. Auf Twitter schrieb er am Donnerstag: «Wir sollten Susan Boos eine Chance geben»:


Boos selbst sieht im Vorwurf, der Presserat sei linkslastig, kein Problem. «Der Presserat setzt sich mit berufsethischen Fragen auseinander. Rechts-links spielt dabei interessanterweise keine Rolle», sagt sie im Interview mit persoenlich.com . Das sehe man gut, wenn man einige der jüngeren Entscheide anschaue. Es geht um Beschwerden, wo sich JournalistInnen von JournalistInnen unfair behandelt fühlten. Die Entscheide würden sehr differenziert argumentieren, aber nie einem Rechts-links-Schema folgen. (wid/cbe)



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Kommentare

  • Robert Weingart , 09.07.2020 18:15 Uhr
    Neidisch, Herr Zimmermann? Auf dem Abstellgleis Weltwoche ist es wohl einsam.
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