05.07.2020

Schweizer Presserat

«Eine Imagekorrektur wäre sicher gut»

Susan Boos, Publizistin und Journalistin bei der linken Wochenzeitung WOZ, wird Präsidentin des Presserats. Was hat sie vor? Und was bedeutet es, wenn bald die Chefredaktoren den Beitrag nicht mehr zahlen sollten? Wir haben nachgefragt.
Schweizer Presserat: «Eine Imagekorrektur wäre sicher gut»
«Wenn die Leute wahrnehmen, was der Rat wirklich tut, ergibt sich der Rest», sagt Susan Boos. Sie übernimmt per 2021 das Präsidium des Presserats. (Bild: Fabian Biasio)
von Edith Hollenstein
Frau Boos, herzliche Gratulation zur Wahl! Sie hätten mit Ihrer zukunftsgerichteten Vorstellung, wie sich der Presserat weiterentwickeln könnte, überzeugt, schrieb der Presserat am Freitag. Was für eine Zukunftsvision haben Sie denn präsentiert?
Ideen sind das eine – sie müssen sich aber auch umsetzen lassen. Wer Neues verspricht, sollte liefern können. Und dafür muss ich erst wissen, was innerhalb des Presserates schon angedacht wurde und wie es mit den verfügbaren Ressourcen aussieht. Deshalb bin ich im Moment sehr zurückhaltend, in der Öffentlichkeit den Ideengenerator anzuwerfen. Mein Wissenstand ist noch zu gering, um konkreter zu werden. Fragen Sie bitte in sechs Monaten nochmals.
 
Ein grosses Problem des Presserats ist das Geld. Wo denken Sie, werden künftig die Mittel herkommen?
Es ist kein Geheimnis, dass im neuen Mediengesetz auch eine finanzielle Unterstützung des Schweizer Presserats vorgesehen ist. Wenn das kommt, dürfte sich die Situation etwas entspannen. Geld vom Staat löst aber nicht einfach alle Probleme. Der Stiftungsrat des Schweizer Presserats garantiert die freiwillige Selbstregulierung – dank der heute breiten Trägerschaft. Die muss gehütet werden, um die Unabhängigkeit des Presserates zu wahren. 
«Rechts-links spielt interessanterweise keine Rolle»
Offenbar wird sogar die Konferenz der Chefredaktoren mit grosser Wahrscheinlichkeit ihren Beitrag streichen. Wie einschneidend wäre das?
Zur finanziellen Seite kann ich mich nicht äussern, weil ich es noch nicht beurteilen kann. Es wäre aber auf jeden Fall ein schlechtes Signal. Was genau die Argumente der Konferenz der Chefredaktoren sind, weiss ich auch noch nicht.  
 
Werden Sie künftig Allianzen mit anderen Akteuren suchen?
Keine Ahnung. Doch wenn es im Sinn und Geist des Presserats ist, warum nicht. 

Dem Presserat wird nachgesagt, ein eher linkes Gremium zu sein – gerade auch weil die Gewerkschaften im Stiftungsrat vertreten sind. Braucht es eine Imagekorrektur oder ist das gar nicht nötig?
Eine Imagekorrektur wäre sicher gut – aber andersrum. Der Presserat setzt sich mit berufsethischen Fragen auseinander. Rechts-links spielt dabei interessanterweise keine Rolle. Das sieht man gut, wenn man einige der jüngeren Entscheide anschaut. Es geht um Beschwerden, wo sich JournalistInnen von JournalistInnen unfair behandelt fühlen. Die Entscheide argumentieren sehr differenziert, folgen aber nie einem rechts-links Schema. Leider werden die Entscheide selten gelesen. Das lässt sich verbessern. Wenn die Leute wahrnehmen, was der Rat wirklich tut, ergibt sich der Rest.
«Beschwerden werden auch oft abgewiesen. Die sind es genau so wert, beachtet zu werden»
Was ist bis jetzt Ihre Erfahrung mit dem Presserat, wurden Sie oder Ihre Redaktion einmal gerügt?
Ich persönlich nicht, die WOZ-Redaktion schon, wenn auch selten. Kritischer Journalismus muss etwas risikieren. Dabei passieren auch Fehler. Die Frage ist nun nicht, ob man Fehler macht – sondern wie man mit Fehlern umgeht. Korrigiert man sie? Publiziert man Entscheide des Presserats? Oder entzieht man sich der berufsethischen Auseinandersetzung? Beschwerden werden aber auch oft abgewiesen. Die sind es genau so wert, beachtet zu werden. Was wünschen sich JournalistInnen in Zeiten der grossen Fake-News-Verwirrung mehr als die offizielle Anerkennung, guten Journalismus gemacht zu haben? Das tut der Presserat eben auch, nicht nur Rügen und Schelten.

Werden Sie sich stärker öffentlich zu Wort melden als Ihr Vorgänger Dominique von Burg?
Dominique von Burg wurde als Romand in der Deutschschweiz einfach nicht gross zur Kenntnis genommen. Das wird für mich sicher einfacher. Wichtig wird aber sein, auch künftig starke Stimmen zu haben, die den Presserat in der Westschweiz und im Tessin vertreten. 

Daneben schreiben Sie derzeit an einem Buch. Was ist der Inhalt?
Um die Verwahrung. Es geht der Frage nach, wie man mit gefährlichen Straftätern umgehen soll. Wie man rausfindet, wer gefährlich ist. Und was es hiesse, wenn Leute präventiv weggesperrt werden.


Susan Boos hat die Fragen schriftlich beantwortet. 


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