Herr Bollmann, die Pendlerzeitung News wird per sofort eingestellt. Warum?
News hat sich, trotz des grossen Einsatzes der Redaktion und der Verkaufsmannschaft, im Werbemarkt nicht durchsetzen können. Wir befinden uns in der grössten Wirtschaftskrise seit 50 Jahren. Gleichzeitig werden in der Schweiz so viele Pendlerzeitungen pro Kopf gedruckt wie in keinem anderen Land der Welt. Es hat schlicht keinen Platz für einen zweiten Titel in Zürich. Der Markt ist völlig übersättigt.
Der Zeitpunkt überrascht. Eine Entscheidung wurde Ende Dezember erwartet. Warum jetzt?
Wir haben in den letzten Monaten verschiedene Wege geprüft. Unter anderem auch ein Zwangskombi mit dem Tages-Anzeiger. Die Resultate dieser Analysen zeigen eindeutig, dass der Werbemarkt eine Preiserhöhung um 20 Prozent, trotz eines besseren Preis-Leistungsverhältnisses, nicht goutiert hätte.
Hätte man die Zeitung nicht schon früher einstellen können, z.B. als die Partner in Bern und Basel abgesprungen sind?
Nein. Wir wollten die Chance packen, News ganz auf den Grossraum Zürich auszurichten und in den Tages-Anzeiger-Medienverbund zu verknüpfen.
Wie entscheidend war der Ausstieg von BaZ-Verleger Matthias Hagemann aus dem gemeinsamen Zeitungsprojekt?
Dieser Schritt hat uns gezwungen, uns von der nationalen Ausrichtung, die News bis dahin hatte, zu verabschieden. Der Schritt war aber eine Chance, den Verbund mit dem Tages-Anzeiger zu prüfen.
Hat News die Daseinsberechtigung nicht schon damals verloren, als ".ch" eingestellt wurde?
Nein. Ein Mitbewerber war zwar verschwunden, aber wir sahen es nochmals als Chance für News.
In der Presse war immer wieder die Rede, dass News jeden Monat einen einstelligen Millionenbetrag Verlust schrieb. Was kostete Tamedia letztlich das News-Abenteuer?
Neue Medien kosten immer Geld. Das war bei 20 Minuten nicht anders. Die Verluste waren am Schluss deutlich geringer, aber genaue Zahlen will ich nicht bekannt geben.
Prüften Sie die Option, aus News ein "News am Abend" oder "Tagi am Abend" zu machen?
Wir haben alle Optionen geprüft. Das waren wir auch dem Team schuldig, das sich in den letzten zwei Jahren sehr für News eingesetzt hat. Der Abend ist letztlich eine Nische, die für uns nicht in Frage kam.
Was passiert mit den betroffenen Mitarbeitern? Wie vielen muss Tamedia die Kündigung aussprechen?
Insgesamt werden wir 20 Stellen abbauen müssen. Selbstverständlich werden wir interne Möglichkeiten prüfen, die Voraussetzungen sind aber schwierig.
Heute machte der Tagi eine mögliche Fusion zwischen BaZ und NZZ bekannt. Wie schätzen Sie eine solche Zusammenarbeit der beiden Verlage ein?
Die Schweizer Medienlandschaft wird sich weiter konsolidieren, einen Schritt in diese Richtung wäre deshalb keine Überraschung. Aber die Basler Zeitung hat heute ja ziemlich deutlich dementiert.
Der Werbemarkt bleibt weiterhin stark rückläufig. Welche Entwicklung erwarten Sie für die kommenden 6 Monate?
Das Umfeld bleibt schwierig. Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang im Jahr 2010. Ich bin aber sicher, ab 2011 geht es mit dem Werbemarkt insgesamt wieder aufwärts. Die strukturellen Veränderungen werden uns aber noch länger begleiten.
Abschlussfrage: Herr Bollmann, haben Sie je ernsthaft daran geglaubt, dass News eine Erfolgsgeschichte wird?
Ja. Wir alle waren überzeugt vom Produkt. News einzustellen, ist dem Verwaltungsrat und mir sehr schwer gefallen. Aber es ist leider die einzig richtige Entscheidung in dieser schwierigen Zeit.
(Interview per Mail: Christian Lüscher)

