19.08.2009

Hugo Loetscher

Literaturwelt trauert um den Schriftsteller

"Pionier des globalen Weltempfindens".

Mit Hugo Loetscher, der am Dienstag gestorben ist, hat nicht nur die Schweiz, sondern die ganze deutschsprachige Literaturwelt eine herausragende Persönlichkeit verloren: So der Tenor am Mittwoch in den Medien. Loetscher sei ein "Pionier des globalen Weltempfindens" gewesen, sagte der Literaturwissenschaftler Jeroen Dewulf, der eine Monografie über den Zürcher Autor geschrieben hat, im Interview mit Radio DRS4. Dass er in der Schweiz vor allem als hiesiger Autor wahrgenommen wurde, stört Dewulf. Ganz treffend habe ihn ja die französische Tageszeitung "Le Figaro" als "écrivain européen" bezeichnet.

Darüberhinaus sei Loetscher einer der letzten Autoren gewesen, die sich für die ganze viersprachige Schweiz eingesetzt hätten. So sei es ihm immer ein Anliegen gewesen, auch in Tessiner und Westschweizer Schulen zu lesen, selbst wenn er damit kaum verdiente. Dass vor sechs Jahren die BuchBasel auf denselben Termin wie die Buchmesse Genf gelegt wurde, habe Loetscher sehr geärgert.

Loetscher sei mit seinem Bekenntnis zur Multikulturalität und seinem fröhlichen Wesen "eine Ausnahmeerscheinung unter den Schweizer Literaten" gewesen, sagte Lukas Bärfuss dem "Tagesanzeiger". So habe Loetscher stets jungen Autoren wie ihm geholfen. Auch im Alter sei er nicht zur "grauen Eminenz" geworden, schreibt Christine Lötscher in derselben Zeitung und erinnert an den offenen, völlig uneitlen und fabulierfreudigen Umgang Hugo Loetschers mit allen Menschen. "Mit ihm verliert die deutschsprachige Literatur eine eminente Stimme und die Schweiz einen Intellektuellen, der mit Sprachwitz, mit grosser Empathie und Weitsicht das Zeitgeschehen kommentierte", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung".

"Seine Stimme, seine Herzlichkeit werden uns fehlen", bedauert Urs Bugmann in der "Neuen Luzerner Zeitung" und schliesst: "Jetzt finden wir sie in seinen Büchern". Beispielsweise in seinem autobiografischen Essay "War meine Zeit meine Zeit", der dieser Tage erscheint. "Es war Hugo Loetscher irrsinnig wichtig, dass er dieses Buch noch fertigschreiben konnte", sagte Diogenes-Pressesprecherin Ruth Geiger am Mittwoch der SDA. Sie selber habe es ihm am Tag vor seinem Tod druckfrisch auf die Intensivstation gebracht. Hugo Loetscher habe sich sehr gefreut und alle Schwestern herbeigerufen, um es anzuschauen.

Eine andere Neuerscheinung hat Loetscher nicht mehr erlebt: Das 1982 auf Deutsch erschienene Werk "Wunderwelt" über die Begegnung eines Europäers mit den brasilianischen Mythen von Leben und Tod erscheint demnächst erstmals in Brasilien in der Landessprache. "Diese Neuigkeit hätte ich ihm gern noch berichtet", sagte Jeroen Dewulf Radio DRS4. (sda)


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