Der US-amerikanischen Webradio-Szene ist ein großer Durchbruch gelungen. Nach mehreren Jahren zäher Verhandlungen mit Verwertungsgesellschaften und Plattenfirmen konnte man sich endlich auf ein akzeptables Modell zur Regelung der anfallenden Lizenzabgaben für die Verwendung von Musikstücken einigen. Im Kern der gefundenen Kompromisslösung steht dabei eine Neugestaltung des entsprechenden Abgabenpreises.
Dieser war von den Webradio-Betreibern stets als zu hoch kritisiert worden und hatte die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Anbieter empfindlich eingeschränkt. "Mehr als zwei Jahre habe ich mittlerweile begierig auf diesen Tag gewartet. Die Lizenzabgabenkrise ist endlich beendet", schreibt Tim Westergren, Gründer des Internetradio- und -musikportals Pandora, im hauseigenen Weblog. Mit dem nun vorliegenden Langzeitabkommen, das "leistbare Lizenzabgaben" vorsehe, könnte sich die US-Webradioszene erstmals auf "wirtschaftlich sicherem Boden" bewegen.
"Die Neuregelung des Lizenzsystems bringt eine beträchtliche Reduktion der Abgaben, die für gestreamte Musikstücke zu bezahlen sind", erklärt Westergren. Die bislang verlangten Lizenzzahlungen seien aufgrund ihrer übertriebenen Höhe wie ein großer Schatten über allen Geschäftsbereichen von Pandora gehangen, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Webdienstes entscheidend gehemmt habe. "Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir so gut wie keine Chance, potenzielle Geschäftspartner zu finden", betont Westergren. Durch die aktuelle Einigung werde sich das aber nun grundlegend ändern und der weiteren Entwicklung der Internetradioindustrie stehe nichts mehr im Weg.
Während sich die Webradiomacher in den USA über die getroffene Kompromisslösung mit Rechteverwaltern und Plattenlabels freuen dürfen, zeigt sich in Europa in puncto Lizenzsystem immer noch ein eher chaotisches Bild. "Das größte Problem, mit dem die Webradio-Szene hierzulande zu kämpfen hat, ist das Fehlen eines einheitlichen Abgabemodells. Die enormen länderspezifischen Unterschiede der Regelungen sind letzten Endes sicherlich auch mitverantwortlich dafür, dass sich die Zahl der Anbieter im Webradio-Bereich hierzulande in den vergangenen Jahren rückläufig entwickelt hat", stellt Georg Hitzenberger, Geschäftsführer des Internetradio-Portals PLAY.FM fest. Zum jetzigen Zeitpunkt würden Lizenzvereinbarungen nicht nur komplizierter, sondern auch zunehmend kostenintensiver. "Ich sehe nicht ein, warum es nicht auch im Bereich der Webradios möglich sein sollte, hier eine pauschale Lizenzlösung zu finden. Bei den herkömmlichen Radiostationen gibt es so etwas auch bereits seit einiger Zeit", kritisiert Hitzenberger. (pte)

