Der Tages-Anzeiger hat den Nebelspalter unter Markus Somm einer kritischen Bestandsaufnahme unterzogen. Fünf Jahre nach der Übernahme der traditionsreichen Satirezeitschrift zieht der Tagi am Mittwoch eine ernüchternde Bilanz.
Bei der Lancierung versprach Somm eine moderne, urbane Publikation, die cool daherkommt, für Meinungspluralismus steht und die Recherche hochhält. Heute pflegt der Nebelspalter laut Tages-Anzeiger einen «doktrinären, weitgehend überraschungsfreien rechtsbürgerlichen Meinungsjournalismus». Somm gibt zu, sich gelegentlich im Ton zu vergreifen, sieht die Schärfe aber als Überlebensstrategie im digitalen Nischenmarkt.
«50 Prozent von dem, was ich beim Fundraising versprochen habe, ist mittlerweile umgesetzt», räumt Somm ein. Heute zählt Nebelspalter.ch laut eigenen Angaben rund 6000 digitale Abonnentinnen und Abonnenten, geplant waren 12'000. Nach drei Jahren wies der Nebelspalter einen kumulierten Verlust von knapp fünf Millionen Franken aus.
Die Gewinnschwelle hat die Publikation laut Somm im vergangenen Jahr verfehlt. 2022 hatte er in einem persoenlich.com-Interview in Aussicht gestellt, sogar «sogar früher» als geplant schwarze Zahlen zu schreiben. Den Sprung in die Gewinnzone erhofft sich Somm nun für 2027.
Unter Druck gerät Somm auch durch den Abgang von Bundeshausjournalist Dominik Feusi zur NZZ (persoenlich.com berichtete). Gemeinsam bestreiten die beiden den Polit-Podcast «Bern einfach», der laut Somm eine halbe Million Downloads pro Monat erreicht. Ab Herbst stösst Michèle Binswanger zum Team. (cbe)
KOMMENTARE
07.05.2026 16:44 Uhr

