Markus Spillmann wird neuer Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung. Der Verwaltungsrat des Unternehmens ernannte den 38-Jährigen am Dienstag zum Nachfolger von Hugo Bütler. Spillmann wird seine neue Aufgabe Anfang April 2006 übernehmen. "persoenlich.com" hatte die Gelegenheit, in aller Kürze mit dem designierten Chefredaktor zu sprechen.
Markus Spillmann, welche Ziele hat der Verwaltungsrat Ihnen gegenüber formuliert?
Es wurden mir gegenüber keine keine Ziele genannt.
Denken Sie, dass Sie als NZZ-Chefredaktor genau so viele Freiheiten geniessen werden, wie Ihr Vorgänger?
Ich vergleiche meine Situation nicht mit Hugo Bütlers Situation. Die Zeitung entwickelt sich ständig, es kommen laufend neue Aufgaben auf einen zu.
Zu welchem Typ Chefredaktor würden Sie sich zählen: Sind Sie eher zum Managertyp, der unternehmerische und organisatorische Fähigkeiten besitzt, oder eher ein Chefredaktoren der alten Schule, der vor allem publizistische Stärken hat?
Ich möchte mich selber nicht einordnen. Im Idealfall kann ich in beiden Bereichen, die sie angetönt haben -- sofern es denn überhaupt nur diese beiden Schulen gibt -- meine Leistung erbringen. Das ist auch mein Anspruch: Sowohl publizistisch als auch organisatorisch und auf Managerebene eine gute Leistung zu erbringen.
Ihr Vorgänger Hugo Bütler wird als künftiger Leiter Publizistik amten. Wie, denken Sie, wird die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und Bütler aussehen?
Die NZZ hat eine neue Gruppenstruktur, was den Umstand reflektiert, dass das Unternehmen NZZ in der Vergangenheit sehr stark gewachsen ist und viele Beteiligungen besitzt. Dies betrifft jedoch nicht meine Beteiligung. Ich bin der designierte Chef der NZZ AG und Vorsitzender von der Geschäftsleitung. Zum Zeitpunkt, an dem ich das Amt übernehme, wird Hugo Bütler publizistischer Leiter der Gruppe.
Mit Ihnen erhält die NZZ einen vergleichsweise jungen Chefredaktor. Werden Sie als Modernisierer in die Geschichte des Traditionstitels eingehen?
Dazu möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen, weil es einfach noch zu früh ist. Zudem gibt es eine Vielzahl von Auffassungen, welche Neuerungen man bei der NZZ vornehmen müsste. Ich werde mir im Gespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen ein Bild machen. Dazu gehören auch die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung, so etwa der Verlagsleiter und der Finanzchef. Nach der Anhörung der Redaktion werde ich zu einem gegebenen Zeitpunkt die Öffentlichkeit über meine Vorstellungen informieren.
Ressorthoheit, Auslandthemen auf der Front, Autorennennungen nur mit Kürzel. Welches dieser drei Tabus bei der NZZ wollen Sie knacken?
Ich betrachte Ihre aufgezählten Punkte nicht als Tabus, sondern als Zeichen der NZZ-Tradition und Kultur. Es ist zu früh, um darüber Worte zu verlieren.
Ihr Vorgänger blieb 21 Jahre Chefredaktor der NZZ. Wie lange gedenken Sie der NZZ vorzustehen?
In der heutigen Arbeitswelt muss man mit allem rechnen. Mein Anspruch ist es, in meiner Funktion mein Bestes zu geben. Ob das genügt, haben andere Personen zu entscheiden. Jedenfalls verstehe ich mein Chefredaktorenamt nicht als das Ende der Fahnenstange. Es gilt nun die Sachen mit Freude anzupacken.

